Umfrage: Merkels Wirtschaftspolitik verprellt viele Unionsanhänger
Die Anhänger von CDU und CSU sind enttäuscht von der Kanzlerin - wie sehr, zeigt eine neue Forsa-Umfrage. Drei Viertel haben Sorge, dass die Union zur "Partei der Verstaatlichungen" wird. Auch Papstschelte und Vertriebenenstreit bringen Angela Merkel in die Kritik.
Hamburg - Seit Wochen steht Angela Merkel in der Kritik. Jetzt wird deutlich: Nicht nur Politiker von CDU und CSU sind mit dem Kurs der Regierungschefin unzufrieden, sondern auch die Anhänger der Union.
Kanzlerin Merkel: Probleme mit der Partei und den Anhängern
Besonders unpopulär ist Merkels Kurs in der Gruppe von Unionswählern, die überlegen, zur FDP abzuwandern: Hier halten 84 Prozent den Wirtschaftskurs und die Debatte um Verstaatlichungen von Banken und Unternehmen für falsch. Auch der Umgang der Kanzlerin mit dem konservativen Flügel der Partei stößt bei vielen Unionswählern auf Kritik. Jeder Dritte (34 Prozent) hätte sich von Merkel mehr Unterstützung für die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, gewünscht. Immerhin noch rund ein Viertel der Befragten (26 Prozent) findet Merkels Kritik an Papst Benedikt falsch. Merkel hatte von Benedikt eine Klarstellung verlangt, nachdem dieser die Exkommunikation von Bischöfen der Piusbruderschaft aufgehoben hatte - darunter befand sich auch der Holocaust-Leugner Richard Williamson.
Dennoch: Trotz der harschen Kritik ist nur eine Minderheit von elf Prozent der Unionswähler der Ansicht, dass Merkel der CDU eher Schaden zufüge als ihr nutze. 71 Prozent sind dagegen der Meinung, die CDU profitiere von der Kanzlerin. Im Augenblick sei es so, dass die Kritik an Merkel eher der Union als Merkel selber schade, betonte Forsa-Chef Manfred Güllner. Auch wünschen sich 77 Prozent der Unionswähler eine weitere Amtszeit von Angela Merkel. Lediglich neun Prozent würden sich für den SPD-Kandidaten Frank-Walter Steinmeier entscheiden.
Unter dem internen Zwist haben auch die Umfragewerte der Union insgesamt gelitten. CDU und CSU verloren laut Forsa im Vergleich zu Vorwoche einen Prozentpunkt und kommen nun auf 33 Prozent. Dies ist der schlechteste Wert seit 2006. Die SPD verliert ebenfalls einen Punkt und kommt auf 24 Prozent.
Unverändert stark ist hingegen die FDP mit 17 Prozent. Für die Linkspartei würden elf Prozent stimmen, wenn jetzt Bundestagswahl wäre. Die Grünen gewannen einen Punkt hinzu und liegen bei zehn Prozent. Für "sonstige Parteien" würden fünf Prozent ihre Stimme abgeben. In der Kanzlerfrage verringerte sich der Vorsprung von Angela Merkel (CDU). 49 Prozent (minus ein Prozentpunkt) würden für die Amtsinhaberin stimmen, wenn sie den Kanzler direkt wählen dürften, 25 Prozent für den SPD-Kandidaten Frank-Walter Steinmeier (plus ein Prozentpunkt). Für die Umfrage wurden 2501 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger vom 9. bis 13. März befragt.
beb/ mit Material von dpa
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