Umfrage: Piraten-Boom bedroht rot-grüne Koalitionsträume

Das Erscheinungsbild der schwarz-gelben Koalition ist mit "katastrophal" noch schmeichelhaft umschrieben. Deshalb hatten SPD und Grüne seit Längerem eine klare Mehrheit in den Umfragen. Doch damit ist es nun vorbei. Schuld ist ausgerechnet die Piratenpartei.

Fähnchen der Piraten: Fast jeder Fünfte kann sich vorstellen, für die Partei zu stimmen Zur Großansicht
dapd

Fähnchen der Piraten: Fast jeder Fünfte kann sich vorstellen, für die Partei zu stimmen

Berlin - Der rasante Aufstieg der Piratenpartei könnte die deutsche Parteienlandschaft stärker als bislang gedacht verändern. Im repräsentativen Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut Emnid wöchentlich im Auftrag der Zeitung "Bild am Sonntag" erhebt, kommt die Partei auf sieben Prozent.

Weil die SPD zwei Punkte auf 28 Prozent abgibt und die Grünen einen Punkt auf 17 Prozent verlieren, hätten beide Oppositionsparteien erstmals seit langer Zeit keine Mehrheit mehr. Gemeinsam kommen sie auf 45 Prozent, Union (32 Prozent), Linkspartei (7 Prozent) und Piratenpartei jedoch auf 46 Prozent. Die FDP muss sich unverändert mit vier Prozent begnügen und würde den Wiedereinzug in den Bundestag verpassen. Die sonstigen Parteien kommen auf fünf Prozent.

Bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus vor zwei Wochen hatte die Piratenpartei mit 15 Abgeordneten erstmals den Einzug in ein Landesparlament geschafft. Sie erreichte 8,9 Prozent - und damit fast fünfmal so viele Stimmen wie die FDP, die nur auf mickrige 1,8 Prozent kam.

Der Berliner Erfolg könnte für die Piraten auch den bundespolitischen Durchbruch bedeuten. Bei den vorherigen sechs Landtagswahlen in diesem Jahr schnitt die Partei deutlich schlechter ab als in Berlin. Maximal erreichte sie 2,1 Prozent, in Sachsen-Anhalt waren es sogar nur 1,4 Prozent.

Seit dem Berliner Lokalerfolg haben sich die Umfragewerte jedoch deutlich verbessert. In der jüngsten Forsa-Erhebung kamen die Piraten bundesweit wie bei Emnid auf sieben Prozent. Im ARD-Deutschlandtrend und ZDF-Politbarometer lagen sie allerdings zuletzt noch bei vier Prozent, würden demnach den Einzug in den Bundestag verpassen. Allerdings sagte laut Politbarometer fast jeder fünfte Befragte, er könne sich eine Stimmabgabe für die Piraten vorstellen.

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insgesamt 198 Beiträge
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1. ....
wkaiser, 02.10.2011
Zitat von sysopDas Erscheinungsbild der schwarz-gelben Koalition ist mit "katastrophal" noch schmeichelhaft umschrieben. Deshalb hatten SPD und Grüne seit Längerem eine klare Mehrheit in den*Umfragen. Doch damit ist es nun vorbei. Schuld ist ausgerechnet die Piratenpartei. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,789577,00.html
Also immer schön Piraten wählen, das erspart uns Rot/Grün. Dass die keine Ahung von irgendwas haben stört auch nich weiter, von den anderen Parteien ist man das ja schon gewohnt.
2. Der Erfolg
Jay's, 02.10.2011
wird davon abhaengen, wie die Piraten in Berlin Politik machen aber weniger davon, wie die anderen Parteien Politik machen.
3. Piraten - Grüne
BraumeisterBob 02.10.2011
Die Grünen dürften die Verlierer sein. Wenn sie mit den Genossen zur nächsten Bundestagswahl keine Mehrheit bekommen, könnte es gut und gerne zu einer großen Koalition kommen. Merkel macht weiter und Finanzmurkser wäre wie schon einmal Herr Steinbrück.
4. .
DergerechteZorn 02.10.2011
Zitat von wkaiserAlso immer schön Piraten wählen, das erspart uns Rot/Grün. Dass die keine Ahung von irgendwas haben stört auch nich weiter, von den anderen Parteien ist man das ja schon gewohnt.
Zwar erspart es uns rot-grün, beschert uns allerdings schwarz-rot. Einen Unterschied macht dies allerdings auch nicht. Aber es ist ein Anfang gemacht... Selbst mein 86jähriger Schwiegervater hat in Berlin Piraten gewählt. Nicht, weil die Piraten jetzt DIE Antworten haben, sondern weil ihm ALLES andere unwählbar erscheint...
5. Forsa Umfrage
distributer 02.10.2011
FDP wird mit 2% extra aufgelistet und Piraten sind in den 12% Sonstige versteckt. Ich meine es gab doch die Regel, ab 3% wird namentlich erwaehnt?
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