Umfrage Schwarz-Gelb rutscht unter 50 Prozent

Union und Liberale sind erstmals seit der Ankündigung von Neuwahlen unter die 50-Prozent-Marke gerutscht. Laut einer neuen Umfrage liegt Schwarz-Gelb jetzt bei 49 Prozent - und damit nur noch ganz knapp vor SPD, Grünen und Linkspartei mit zusammen 48 Prozent. Damit steigen die Aussichten auf eine große Koalition.


Hamburg - Das Linksbündnis aus PDS und WASG verbesserte sich bundesweit auf zwölf Prozent und könnte bei einem weiteren Anwachsen in der Wählergunst womöglich noch die Bildung einer großen Koalition aus Unionsparteien und SPD erzwingen. Laut der Umfrage des Instituts Infratest Dimap im Auftrag der ARD-"Tagesthemen" kämen CDU/CSU auf 42 Prozent, wenn schon am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre. Die SPD blieb gegenüber der letzten Umfrage ebenfalls unverändert bei 27 Prozent. Die Grünen blieben bei neun Prozent, während die FDP bei der Befragung einen Prozentpunkt einbüßte und auf sieben Prozent sank.

Nutznießer ist die Linkspartei mit einem Anstieg von elf auf zwölf Prozent. Das vom PDS-Politiker Gregor Gysi und dem ehemaligen SPD-Chef Oskar Lafontaine in den Wahlkampf geführte Bündnis stieg in Westdeutschland von sieben auf acht und im Osten sogar von 31 auf 32 Prozent. Im Saarland, der Heimat von WASG-Neumitglied Lafontaine, liegt die Linkspartei bei 20 Prozent.

Die Linkspartei legt auch im ZDF-Politbarometer weiter zu. Das neue Linksbündnis könnte mit zehn Prozent der Stimmen rechnen, wenn der Bundestag bereits am kommenden Sonntag neu gewählt würde, berichtete heute das ZDF. Im Vergleich zur vorangegangenen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen verbesserten sich die Linken damit um zwei Punkte. Union und SPD verloren je einen Prozentpunkt auf 43 beziehungsweise 26 Prozent. Die Grünen steigerten sich um einen Punkt auf zehn Prozent. Die FDP verharrte in der Wählergunst bei sieben Prozent.

Die Meinungsforscher von Infratest Dimap untersuchten für die ARD auch die Wählerwanderungen. Dabei erhielt die Linkspartei einen Zustrom von 29 Prozent von der SPD, 28 Prozent von der bisherigen PDS, 23 Prozent von den Nichtwählern und sogar noch 7 Prozent von der CDU. Zwar vertraten 66 Prozent der insgesamt 1000 Befragten die Auffassung, dass die Linkspartei populistische Forderungen ohne realistische Lösungsmöglichkeiten vertrete. 52 Prozent sagten aber, sie vertrete am besten die Interessen der Menschen in Ostdeutschland. Und 45 Prozent konstatierten, das Bündnis aus PDS und Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit setze sich am entschiedensten für die sozial Schwachen ein.

Misstrauen gegenüber Steuerkompetenz der Union

Den Unionsparteien geben 56 Prozent Kompetenz in der Wirtschaftspolitik, aber nur noch 44 Prozent bei der Schaffung von Arbeitsplätzen und sogar lediglich noch 35 Prozent in der Steuerpolitik.

Eine große Mehrheit von gut drei Viertel der Bundesbürger unterstützt die Entscheidung von Bundespräsident Horst Köhler für die Neuwahl im September. Bei der unmittelbar vor Köhlers Fernsehansprache vorgenommenen Erhebung nannten 78 Prozent die vorzeitige Neuwahl richtig, nur 15 Prozent fanden sie falsch.

Die Zustimmung ging dabei quer durch alle Parteien. Für die vorgezogene Bundestagswahl sprachen sich 87 Prozent der Anhänger von CDU und CSU aus, aber auch noch 75 Prozent der SPD-Anhänger.

Dass auch das Bundesverfassungsgericht Ja zur vorgezogenen Bundestagswahl sagt, erwarten 70 Prozent. Nur 17 Prozent äußerten die Vermutung, dass Karlsruhe nach den angekündigten Klagen die Neuwahl noch aussetzen werde.

Ziemlich sicher sind die Bundesbürger auch, dass es nach der Wahl zum Wechsel im Amt des Bundeskanzlers kommen wird. Nur 19 Prozent rechnen mit einer Wiederwahl des SPD-Politikers Gerhard Schröder.

74 Prozent erwarten dagegen einen Einzug der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel ins Kanzleramt. Nach der wahrscheinlichen Koalition befragt, nannten 54 Prozent eine Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP, 27 Prozent eine große Koalition, und lediglich zehn Prozent glauben noch an eine Neuauflage von Rot-Grün.



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