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Umfrage: Schwarz-Gelb verliert Mehrheit

Sechs Wochen vor der Bundestagswahl haben Union und FDP laut einer aktuellen Umfrage ihren komfortablen Vorsprung eingebüßt. Eine schwarz-gelbe Koalition käme nur noch auf 48 Prozent - genauso viel wie Rot-Rot-Grün.

CDU-Chefin Merkel: Vorsprung verspielt
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CDU-Chefin Merkel: Vorsprung verspielt

Köln - In der am Donnerstag veröffentlichten Infratest-Erhebung im Auftrag der ARD-Tagesthemen bleiben zwar CDU/CSU mit 42 Prozent stabil, die FDP verliert aber gegenüber der Vorwoche einen Punkt auf sechs Prozent. Damit läge eine schwarz-gelbe Koalition bei 48 Prozent, gleichauf mit SPD, Grünen und Linkspartei. Die SPD gewinnt demnach erneut einen Punkt und erreicht 29 Prozent. Die Grünen bleiben stabil bei acht Prozent.

Einen Dämpfer bedeutet die Umfrage auch für die Linkspartei. Sie erreicht der Erhebung zufolge bundesweit nur noch elf statt vorher zwölf Prozent. Der Listenzusammenschluss aus Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit (WASG) und der in Linkspartei umbenannten PDS muss demnach auch im Osten Einbußen hinnehmen, bleibt dort aber mit 32 Prozent (minus einen Punkt) mit Abstand stärkste Kraft. Die Union liegt im Osten bei 29 Prozent (plus zwei Punkte), die SPD bei 26 Prozent (minus einen Punkt).

Für die Sonntagsfrage des ARD-DeutschlandTrends befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap 1620 Personen.

Bei der Frage, welche Zusammensetzung der künftigen Bundesregierung "am besten für Deutschland" wäre, sprechen sich den Angaben zufolge 39 Prozent für eine große Koalition aus. Eine schwarz-gelbe Koalition befürworten dagegen nur noch 29 Prozent, Rot-Grün 14 Prozent. Eine rot-rot-grüne Koalition von SPD, Grünen und Linkspartei halten zehn Prozent für am besten. Noch in der Vorwoche hatten sich die meisten Befragten (34 Prozent) für eine schwarz-gelbe Koalition ausgesprochen.

Mit der Arbeit der rot-grünen Bundesregierung sind demnach 75 Prozent der Befragten unzufrieden. Eine Mehrheit von 54 Prozent glaubt jedoch auch, dass eine unionsgeführte Regierung nicht in der Lage wäre, die Probleme besser zu lösen.

Schröder gewinnt weiter im direkten Vergleich

Im direkten Vergleich mit Angela Merkel kann Gerhard Schröder erneut hinzugewinnen. Im Falle einer Direktwahl würden 48 Prozent für Schröder stimmen (plus drei Punkte), 39 Prozent würden sich für Merkel als Kanzlerin entscheiden (minus zwei Punkte). Mehr als zwei Drittel der Deutschen (70 Prozent) glauben, dass bei dem am Mittwoch vereinbarten einzigen TV-Duell Schröder besser abschneiden wird als seine Unions-Herausforderin. Das Duell ist demnach für ein Fünftel der Befragten wichtig für die persönliche Wahlentscheidung.

Eine Emnid-Umfrage im Auftrag des Senders N24 ergab unterdessen eine Zunahme der vorherrschenden Wechselstimmung. Wünschten sich um Juli 2005 noch 60 Prozent der Deutschen einen Regierungswechsel, so sind es im August 2005 bereits 64 Prozent, wie der Sender in Berlin mitteilte. Die Umfrage unter 3000 Personen ergab demnach in der Sonntagsfrage 43 Prozent für die Union, sieben Prozent für die FDP, 26 Prozent für die SPD und 8 Prozent für die Grünen. Die Linkspartei legte in der Erhebung um 1 Prozentpunkt auf 13 Prozent zu. Eine klare Mehrheit von 63 Prozent glaubt demnach nicht, dass die SPD ein Bündnis mit Linkspartei und Grünen eingehen wird. 29 Prozent halten diese Konstellation dagegen für möglich.

Mit gegenseitigen Angriffen heizten die Spitzenpolitiker den Wahlkampf an. SPD-Chef Franz Müntefering sagte in der Parteizeitung "Vorwärts", Merkel habe nicht die Kraft und das Format, um deutsche Interessen weltweit und verantwortlich zu vertreten. CDU- Generalsekretär Volker Kauder warf der SPD vor, einen "Lügenwahlkampf" zu führen. Der Grünen-Bundesvorsitzende Reinhard Bütikofer sagte der "Schwäbischen Zeitung", Merkel leiste sich "eine Peinlichkeit nach der anderen".

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