Umfrage Union verliert nach Guttenberg-Affäre an Zuspruch

Guttenbergs Plagiatsaffäre kostet die Union Sympathien. Laut einer Umfrage ist die Zustimmung für CDU/CSU auf 33 Prozent gesunken. Die SPD konnte dagegen zulegen. CSU-Chef Seehofer will Guttenberg nicht abschreiben, doch andere stellen dem gefallenen Polit-Star ein verheerendes Zeugnis aus.

Unions-Chefs Merkel und Seehofer: Sorge vor den Landtagswahlen
DPA

Unions-Chefs Merkel und Seehofer: Sorge vor den Landtagswahlen


Berlin - Die Copy-Paste-Affäre von Karl-Theodor zu Guttenberg hat den Berliner Politikbetrieb ordentlich durcheinandergewirbelt. Für die Union hat der Skandal ihres Ex-Ministers laut einer Umfrage unerfreuliche Folgen: Im Sonntagstrend der "Bild am Sonntag" kommen CDU und CSU zusammen nur noch auf 33 Prozent - das ist ein Minus von zwei Prozentpunkten im Vergleich zur Vorwoche und der schlechteste Wert seit November.

Auch die Grünen müssen sich von ihrem Höhenflug verabschieden. Sie verlieren gegenüber der Vorwoche einen Prozentpunkt und kommen nur noch auf 15 Prozent. Damit liegt die Partei auf ihrem Wert vom Juni vergangenen Jahres.

Die SPD dagegen gewinnt einen Prozentpunkt und kommt auf 29 Prozent. Auch die FDP legt um einen Punkt auf sieben Prozent zu. Die Linkspartei stagniert bei neun Prozent.

"Wir wollen ihn wiederhaben"

Für die Union könnte es in den kommenden Wochen noch unerfreulicher werden. Denn 74 Prozent der fast 3000 Befragten sind der Meinung, dass die schwarz-gelbe Koalition nach dem Rücktritt Guttenbergs schlechter dasteht als zuvor. 61 Prozent erwarten, dass der Abgang des Politikers der Union bei den kommenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz schaden wird..

CSU-Chef Horst Seehofer kann sich offenbar weiter nicht mit dem Rücktritt Guttenbergs abfinden. "Ich kann für die CSU sagen: Er ist einer von uns, er bleibt einer von uns, und er wird eines Tages in der deutschen Politik wieder eine Rolle spielen", sagte Seehofer der "BamS". "Wir wollen ihn wiederhaben, und er hat das Zeug dazu."

Da auch CDU-Politiker Guttenberg kritisiert hatten, wolle er mit Kanzlerin Angela Merkel "in aller Gelassenheit und Klarheit über den Umgang innerhalb der Union reden".

"Nichts wird von ihm bleiben"

Der Historiker Arnulf Baring zweifelt an einer Rückkehr Guttenbergs - und hält eine solche auch gar nicht für erstrebenswert. "Guttenberg liebte personalpolitisch bedenkenlos Hauruck-Methoden, war im Übrigen ein vorschneller Ankündigungsminister", urteilt Baring in der "Welt am Sonntag". Der CSU-Politiker gehe, "ohne dass etwas von ihm bleiben wird. Keine These, keine Schrift, kein Gedanke, nichts".

Noch während der Plagiatsaffäre hatte Baring sich zeitweilig für das Verbleiben Guttenbergs im Amt ausgesprochen. Nun aber bewertet er den Ex-Shootingstar deutlich kritischer. Gewirkt habe Guttenberg durch gute Manieren, seinen Stil und den Anschein, unkonventionell entscheidungsfähig zu sein. "Aber dieser Eindruck wird verwehen", sagte Baring.

Um Übrigen sei es fraglich, ob Guttenberg überhaupt auf die politische Bühne zurück wolle: "Zu einem Comeback bräuchte er Zurückhaltung, Bescheidenheit, leise Töne, etwa humanitäre Taten in der Stille. Er müsste eine Pause vom politischen Betrieb nehmen", sagte Baring. "Ob er das kann, das weiß er wahrscheinlich bisher selber nicht."

mmq/dapd

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insgesamt 270 Beiträge
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Seite 1
whitemouse 06.03.2011
1. Es reicht
Guttenberg mag "Wetten dass?" übernehmen. Aber bitte nie nie wieder in der Politik auftreten. In der Politik brauchen wir ernsthafte Leute.
Koana 06.03.2011
2. Humanitäre Taten in der Stille...
... die vermisse ich durchgehend bei allen MdB´s!
brutzelbutzebaer 06.03.2011
3. 2 Prozent Verlust
in Zusammenhang mit Guttenberg zu bringen finde ich eher "dahergeholt". Es ist doch vielmehr, dass wir wieder den üblichen Wechsel der Regierungsparteien erleben. Von konservativ zu sozialdemokratisch gehts doch nun schon seit Jahren hin und her. Die Landtagswahlen werden das zeigen. Den Zusammenhang zu Guttenberg lässt sich für mich eher schwer herstellen.
tschort 06.03.2011
4. Viele Ursachen kommen in Frage
Die Zu Guttenberg Affäre ist nicht unbedingt die einzige Ursache des Rückgangs der Union in der Wählergunst. Vielleicht hat der Skandal mit der Einführung des E10-Kraftstoffs mehr dazu beigetragen?
doctorwho 06.03.2011
5. .
Zitat von sysopGuttenbergs Plagiatsaffäre kostet die Union Sympathien. Laut einer Umfrage ist die Zustimmung für CDU/CSU auf 33 Prozent gesunken. Die SPD konnte dagegen konnte zulegen. CSU-Chef Seehofer will Guttenberg nicht abschreiben, doch andere stellen dem gefallenen Politstar ein verheerendes Zeugnis aus. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,749319,00.html
ich freue mich besonders über die offene symphatie des königs von baden-württemberg , stefan mappus I , denn unter anderem dieses festhalten an der gelpuppe zeigt seine politikfähigkeit von ihrer besten seite und wird die cdu erstmals in baden-württemberg die wahlen kosten . ich find´s supi ...... :-)
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