Umfrage zur K-Frage Mehrheit der Deutschen will öffentliche Kandidatur

SPD-Chef Gabriel und Generalsekretärin Nahles bekommen Unterstützung für ihre Vorschläge zur Parteireform: Anders als die Parteimitglieder finden viele SPD-Wähler eine öffentliche Kanzlerkandidatenkür gut.

Generalsekretärin Nahles, Parteichef Gabriel: Umstrittene Parteireform
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Generalsekretärin Nahles, Parteichef Gabriel: Umstrittene Parteireform


Berlin - Die SPD-Spitze erhält für ihre intern umstrittenen Vorschläge zur Parteireform Bestätigung von SPD-Wählern. Nach einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage im Auftrag von "Zeit Online" befürworten 84 Prozent der SPD-Anhänger eine öffentliche Kanzlerkandidatenkür.

Insgesamt begrüßen demnach knapp drei Viertel der Bürger den Vorschlag von SPD-Chef Sigmar Gabriel und Generalsekretärin Andrea Nahles, Kanzlerkandidaten künftig auch von Nicht-Parteimitgliedern bestimmen zu lassen. Nur 14 Prozent lehnen dies nach der Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes YouGov rundweg ab.

Gabriel und Nahles hatten die Idee kürzlich ins Spiel gebracht, um die SPD zu öffnen und wieder attraktiver für die Bürger zu machen. Eine Debatte der Reformvorschläge im Parteirat wurde am Montag aus aktuellem Anlass des Atomausstiegs-Kompromisses der schwarz-gelben Bundesregierung vertagt. Sie sollen nun bei einer Sondersitzung des SPD-Gremiums am 27. Juni beraten werden. Voraussichtlich soll die Reform auf dem Parteitag im Dezember in Berlin verabschiedet werden.

Die Öffnung der Partei etwa bei der Kür eines Kandidaten - für einen Wahlkreis oder für die Kanzlerwahl - soll kein Muss werden, sondern eine Option für alle Parteigliederungen, machten Gabriel und Nahles deutlich, nachdem in der vergangenen Woche die parteiinterne Kritik an ihren Vorschlägen zunahm. Mit der Reform sollen nach dem Willen der Parteispitze zudem der 45 Mitglieder zählende SPD-Vorstand halbiert und der Parteirat in einen Länderrat umgewandelt werden.

Aber wer soll es machen?

Angesichts sinkender Mitgliederzahlen müsse die SPD auch in ihrer eigenen Organisation neue Wege gehen, warben Gabriel und Nahles. Die Reform sei ein längerfristiges Projekt und ziele nicht zwingend schon auf die nächste Bundestagswahl 2013, hieß es.

Wie die Umfrage weiter ergab, sind es unter den Wählern der Union 67 Prozent, die eine öffentliche Kanzlerkandidatenkür befürworteten, bei den FDP-Wählern 70 Prozent und bei denen der Grünen 71 Prozent. Umstrittener sei die Frage, ob sich Parteien auch in Sachfragen für Nichtmitglieder öffnen sollten. Die Hälfte der Befragten befürwortet das, 38 Prozent lehnen es ab.

Gefragt wurde auch, wer Kanzlerkandidat der SPD werden soll. 20 Prozent würden sich für Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier entscheiden, 18 Prozent für den ehemaligen Finanzminister Peer Steinbrück und 10 Prozent für Gabriel. Für Nahles würden sich 6 Prozent aussprechen. Die meisten Befragten (47 Prozent) wollten sich den Angaben zufolge auf "keinen der Genannten" festlegen.

amz/dpa



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