Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Umfragen vor der Bundestagswahl: Merkel muss die AfD fürchten

Bundeskanzlerin Merkel (CDU): Anspannung vor dem langen Wahlabend Zur Großansicht
DPA

Bundeskanzlerin Merkel (CDU): Anspannung vor dem langen Wahlabend

Drei Prognosen an einem Tag - und alle sehen die AfD nahe der Fünfprozenthürde: Für Kanzlerin Merkel werden die Euro-Skeptiker zum Problem. Schafft die Protestpartei den Sprung in den Bundestag, dürfte das Schwarz-Gelb die Macht kosten.

Berlin - Es war ein Freitag der Rechenspiele. Noch zwei Tage, bis die Deutschen ein neues Parlament wählen - und die Meinungsforschungsinstitute haben fleißig Interviews geführt, um die Stimmung im Volk zu testen. Gleich drei Umfragen zum Wahlausgang veröffentlichten sie am Freitag. Erst Forsa, im Auftrag von RTL. Dann Allensbach für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und am Abend schließlich auch noch Emnid, im Einsatz für die "Bild am Sonntag".

Dabei zeichnen alle drei Institute ein ähnliches Bild: Schwarz-Gelb und Rot-Rot-Grün liefern sich ein enges Duell, von einer klaren Mehrheit sind beide Lager weit entfernt. Der Ausgang der Wahl und die anschließenden Regierungsverhandlungen versprechen also Hochspannung. Zwar liegt Schwarz-Gelb minimal vorn, der Vorsprung ist jedoch geringer als die statistische Fehlertoleranz.

Kanzlerin Angela Merkel dürfte zumindest mit einem Auge auch auf eine Partei blicken, die ihrem Lager Stimmen abzuwerben droht. Die Alternative für Deutschland (AfD) bringt es in den aktuellen Umfragen auf vier Prozent (Forsa), 4,5 Prozent (Allensbach) und noch einmal vier Prozent (Emnid). Zum Einzug in den Bundestag würde das nicht reichen. Doch noch immer sind viele Wähler unentschlossen, wo sie am Sonntag ihr Kreuzchen machen sollen. Ein Drittel der Wähler entscheidet sich laut Infratest dimap erst kurz vor der Abstimmung endgültig.

Auf diese große Masse schielt auch die AfD, sie könnte ihr über die Fünfprozenthürde helfen. Zusätzliche 2 bis 2,5 Prozent Protestwähler und solche aus dem Unions- oder Linken-Lager seien möglich, so Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner. "Das kann noch mal spannend werden", sagte er SPIEGEL ONLINE.

Für die Demoskopen ist die Euro-kritische Partei jedoch schwer zu fassen. Stammwähler hat sie noch keine, das macht Prognosen schwer - die AfD ist die einzige echte Unbekannte bei dieser Wahl. Schafft sie tatsächlich den Sprung über die fünf Prozent, könnte sie das Machtgefüge der etablierten Parteien gründlich durcheinander wirbeln.

Denn die kleinen Parteien können eine Neuauflage der jetzigen Koalition verhindern. Falls mindestens eine der neuen Parteien AfD oder Piraten ins Parlament kommt, ist eine Fortsetzung des Bündnisses rechnerisch nahezu ausgeschlossen.

Schwarz-Gelb wäre dann keine Koalitionsoption mehr, Merkel könnte ihre Wunschkonstellation abschreiben. Aber auch ein rot-rot-grünes Bündnis wäre unwahrscheinlich, alles liefe auf eine Große Koalition hinaus.


Hier die Ergebnisse der einzelnen Umfragen im Überblick:

Forsa

Die Union kommt hier auf 40 Prozent und die FDP auf fünf Prozent, was gerade noch für den Einzug in den Bundestag reichen würde.

Die SPD holt 26 Prozent, die Grünen bringen es auf zehn, die Linke auf neun Prozent.

Die Alternative für Deutschland würde mit vier Prozent knapp den Einzug in den Bundestag verpassen. Ebenfalls draußen blieben die Piraten (zwei Prozent). Alle anderen Parteien kommen laut Forsa auf vier Prozent.


Allensbach

Diese Umfrage sieht die Union bei 39,5 und die FDP bei 5,5 Prozent.

Laut der Erhebung käme die SPD auf 27 Prozent, neun Prozent wären es für die Grünen.

Ebenfalls neun Prozent holt nach der Allensbach-Umfrage die Linke.

Für Piraten (zwei Prozent) und AfD (4,5) reicht es nicht zum Sprung in den Bundestag.


Emnid

Laut der Umfrage kommen CDU/CSU unverändert auf 39 Prozent, während die FDP um einen Punkt auf sechs Prozent zulegt.

Die SPD verharrt demnach bei 26 Prozent, die Grünen verlieren einen Punkt auf neun Prozent, die Linke bleibt bei neun Prozent.

Unverändert vier Prozent wurden für die Alternative für Deutschland (AfD) ermittelt.

jok/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1146 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
DocMoriarty 20.09.2013
Alle Prognosen die die FDP über und AfD unter 5% sehen sind sowieso Fake.
2. Die CDU und Merkel hatten es in der Hand.
Badischer Revoluzzer 20.09.2013
aber sie wählten den Euro, die Bankenrettung, Griechenland und nicht das Volk. Das Volk wählt jetzt auch. Aber anders als die Politik erwartet, denn das Volk wählt sich.
3. Mal was Neues wagen
Lars Müller 20.09.2013
Früher wählte ich SPD und Grüne. Diesmal die AfD – mit Erst- und Zweitstimme. Warum? Weil ich gerne Europäerin bin und Länder wie Griechenland und Portugal eine reelle Zukunftschance haben sollen - ohne dauerhaft von (nicht nur) deutschen Transfergeldern abhängig zu sein. Und vorsorglich an alle Klischeebediener: Ich lasse mir kein „braunes“ Mäntelchen umhängen. Bin weder Mitglied einer Partei noch AfD-Sympathisant. Aber obwohl ich weit unter 50 bin, eine solide Ausbildung und einen guten Job habe sowie als braver Steuerzahler mithelfe, europäische Rettungspakete zu schnüren, habe ich so langsam, aber sicher Angst um die Zukunft Deutschlands ...
4. Der Zug ist abgefahren
vogelsteller 20.09.2013
Die AfD ist schon längst weit über die 5% Marke. Das dürfte auch der Spiegel so langsam wissen ohne es zu publizieren. Aber was tut man nicht alles für die Systemparteien, gelle.
5.
regiles 20.09.2013
Wer wählt die FDP? Und warum? eine Partei, die für NICHTS aber auch gar nichts steht. Kein Programm. Nur das Programm "wählt uns bitte, damit wir an der Macht bleiben"
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Hochburgen der Parteien


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: