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Umstrittenes Bahnprojekt: Erste Bäume fallen für "Stuttgart 21"

Von , Stuttgart

Der Massenprotest hat nicht geholfen: In der Nacht sind die ersten Bäume für den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs gefällt worden - unter massivem Polizeischutz. Gegner des Milliardenprojekts demonstrierten weitgehend friedlich mit Sprechchören und Trillerpfeifen.

Die Geisterstunde ist noch nicht vorüber, da wird es im Stuttgarter Schlossgarten richtig gespenstisch: Große, gelbe Maschinen fahren auf, mächtige Bagger, sie werden gleich tun, was Tausende Demonstranten unbedingt verhindern wollten. Bäume sollen gefällt werden, jahrzehntealte Kastanien und Robinien, sie müssen Platz machen für die Grundwasser-Aufbereitungsanlage des umstrittenen und milliardenteuren Bahnprojekts "Stuttgart 21".

Hunderte Polizisten riegeln den Park ab. Ihnen gegenüber stehen Tausende Demonstranten, sie pfeifen, trommeln und rufen "Freitag frei für die Polizei". Strahler erleuchten den Platz. Die Stimmung ist ruhig im Vergleich zum dramatischen Nachmittag.

Am Donnerstag waren die Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstranten eskaliert, Spezialeinsatzkräfte hatten den Schlossgarten mit Tränengas und Wasserwerfern geräumt, es gab viele Verletzte, die Opposition sprach von einer "zynischen Machtdemonstration" und "brutaler Bulldozer-Politik".

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"Stuttgart 21": Erste Bäume fallen
Als nun, wenige Stunden später, der erste Baum fällt, gerät die Menge wieder ins Wanken. Manche schlagen entsetzt die Hände vor das Gesicht, manche weinen, viele schimpfen. Sie brüllen "Lügenpack" und "verdammtes Saupack" und blasen voller Wut in ihre Trillerpfeifen. Flaschen fliegen, einige Männer klettern auf die Absperrgitter, doch die Eskalation vom Nachmittag wiederholt sich nicht.

"Politik in Rambo-Manier"

Fassungslos verfolgen die Menschen, wie weitere Bäume fallen. Zum zweiten Mal an diesem Tag fühlen sie sich von ihrer Regierung vor den Kopf gestoßen. Zuerst hielten sie kaum für möglich, dass eine größtenteils friedliche Demonstration mit solch rabiaten Mitteln aufgelöst werden würde. Mehrere Minderjährige wurden verletzt. "Das ist Politik in Rambo-Manier", sagte ein Gewerkschaftssprecher. Anschließend hielten es wohl die meisten für ausgeschlossen, dass noch in der Nacht die ersten Bäume gefällt werden - nur wenige Meter von den Demonstranten entfernt.

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Stuttgart 21: Ein Bahnhof wird tiefergelegt
Das Abholzen beginnt planmäßig am 1. Oktober, doch für die "Stuttgart 21"-Gegner ist das eine massive Provokation. Und ein weiterer Beleg dafür, dass Ministerpräsident Stefan Mappus sich offenbar entschieden hat: für die Konfrontation, gegen Verhandlungen. Noch hat sich der CDU-Politiker nicht geäußert, für den 7. Oktober ist eine Regierungserklärung angekündigt. Doch für Erläuterungen ist es dann zu spät.

Im Schlossgarten werden jetzt auch Äste kleingehäckselt, es knackt und knarzt und kracht. Die Demonstranten rufen "Aufhören! Aufhören!" Doch ein Baum nach dem anderen fällt. Jedes Mal ächzt auch die Menge.

Die Gruppe ist bunt gemischt. Eine Frau stammelt "oh nein, oh nein", mit Tränen in den Augen. Wenige Meter weiter stehen Alfred und Ingrid Funkel, ein Rentnerpaar. Sie seien früher nie auf die Idee gekommen zu demonstrieren, sagen beide. "Aber das hier ist eine Sauerei." Unter den Protestierenden sind viele ältere Menschen.

"Friedlich ist was anderes", sagte ein Sprecher der Polizei am Freitagmorgen. Immer wieder seien in der Nacht aus der Menge der Gegner heraus Flaschen und Kastanien in Richtung Polizei geflogen. Vermummte Demonstranten hätten wiederholt versucht, über die Absperrgitter zu klettern. Die Beamten setzten erneut Pfefferspray ein, wie der Sprecher mitteilte.

Merkel verurteilt die Gewalt bei den Protesten

Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech hatte zuvor den massiven Polizeieinsatz im ZDF gerechtfertigt: "Wenn sich Mütter mit den Kindern der Polizei in den Weg stellen, dann müssen sie eben auch mit körperlicher Gewalt weggebracht werden." Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte in einem Interview mit dem SWR die Gewalt bei den Protesten. Sie wünsche sich, "dass solche Demonstrationen friedlich verlaufen", es müsse alles versucht werden, um Gewalt zu vermeiden.

Die von Mappus kürzlich angesprochenen "Berufsdemonstranten" sucht man in dieser Nacht im Schlossgarten allerdings vergeblich. Zwar gehen längst nicht alle Anwesenden als Schwiegermutters Liebling durch. Von den Krawallen wie sie beispielsweise beim Hamburger Schanzenfest immer wieder vorkommen, sind die Stuttgarter aber weit entfernt. Hier geht die Mitte der Gesellschaft auf die Barrikaden.

Peter Friedrich, Generalsekretär der SPD Baden-Württemberg, ist ebenfalls in den Schlossgarten gekommen. "Die Demonstranten reagieren verantwortungsbewusster als diejenigen, die dieses Szenario hier zu verantworten haben", sagt Friedrich. Seine Partei hatte das Projekt "Stuttgart 21" bis vor kurzem noch mitgetragen, inzwischen fordert sie einen Volksentscheid.

Großer Gewinner des Streits um das Milliardenprojekt sind die Grünen, die in den Umfragen immer bessere Ergebnisse erreichen. Und nach dem dramatischen Tag im Schlossgarten steht eines fest: Mappus' Wiederwahl im kommenden März ist nicht wahrscheinlicher geworden. Es dürfte ungemütlich werden für den 44-Jährigen. Der Innenausschuss des Bundestags will sich auf Antrag der Linken in einer Sondersitzung mit den Ereignissen beschäftigen. Die Grünen beantragten zudem eine Aktuelle Stunde im Bundestag.

Im Schlossgarten werden die Trillerpfeifen tief in der Nacht leiser und die "schämt euch!"-Rufe weniger. Es ist kurz vor 3 Uhr, in der Häckselmaschine knacken noch immer die Äste. Ein paar hundert Demonstranten halten weiterhin aus, die meisten gehen jedoch nach Hause. Sie werden wiederkommen.

Mit Material von dpa/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Bulldozer erkämpfen den Sieg
Bayerr, 01.10.2010
für die gelebte Demokratie ! Ganz in Fortführung der Tradition eines früheren MP von Ba-Wü: Was früher Recht war, kann heute nicht Unrecht sein.
2. Nieder
maxgil 01.10.2010
Zitat von sysopDer Massenprotest hat nicht geholfen: In der Nacht sind die ersten Bäume für den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs gefällt worden -*unter massivem Polizeischutz. Gegner protestierten friedlich mit Sprechchören und Trillerpfeifen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,720616,00.html
Nieder mit den Rasenmähern, schützt die Grashalme!
3. Diffamierung
suboptimal_ 01.10.2010
Altlinke, Altkommunisten, Berufsdemonstranten, etc. Es ist schon widerlich, wie versucht wird, die Demonstranten in der Öffentlichkeit schlecht aussehen zu lassen. Für mich kommen dann Behauptungen, dass Mütter ihre Kinder als Schutzschilde gegen Wasserwerfer benutzen, wie schlechte Propaganda aus einer Diktatur vor. Es ist einfach Fakt: Jetzt wo sichtbar das Geld knapp geworden ist, sh. Bankenrettung, wird vom Volk hat mal genauer hingesehen, wo gespart und wo ausgegeben wird. Sichtbar ist Geldverschwendung auf der Seite, bei der es ein gut geöltes Netzwerk von Geschäftsinteressen gibt, und sparen auf der anderen Seite, bei den Verlierern der aktuellen Wirtschaftsentwicklung.
4. Anstand
crazypixel, 01.10.2010
Falls unser kinderfeindlichen OB Schuster, Trinker Mappus (Tolles Bild mit Maßkrug in der stuttgarter-Zeitung)und sein helfershelfer Rech noch etwas Anstand besitzen sollten sie sofortiger zurücktreten.
5. Die Messe ist gesungen
bigeagle198, 01.10.2010
Zitat von sysopDer Massenprotest hat nicht geholfen: In der Nacht sind die ersten Bäume für den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs gefällt worden -*unter massivem Polizeischutz. Gegner protestierten friedlich mit Sprechchören und Trillerpfeifen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,720616,00.html
Das öffentlich-rechtliche Planfeststellungsverfahren dauert bei Großprojekten 10 Jahre und auch länger. Dort werden alle Träger öffentlicher Belange beteiligt und auch Bürger können Ihre Rechte einbringen. Während dieser ganzen Phase habe ich in der Öffentlichkeit nichts über das Bauvorhaben Stuttgart 21 in den Medien vernommen. Jetzt, nachdem das Baurecht vorliegt und das Verfahren abgeschlossen ist, fängt der Protest an. Ich kenne das Bahnhofsprojekt in Stuttgart nicht, so kann es aber auf keinen Fall funktionieren. Wenn man jetzt nachgeben würde, käme dieser Tatbestand der Beugung unseres Rechtsstaates gleich. Das darf auf keinen Fall hingenommen werden. Zum Vergleich: Die Bundesautobahn A 44 soll von Kassel nach Wommen weitergebaut werden und so an die BAB 4 angeschlossen werden. Dieses Verfahren dauert mittlerweile schon sehr lange. Das kann man daran erkennen, dass die Planungsphase ungefähr gleichzeitig mit den Verkehrsprojekten deutsche Einheit begonnen wurde. Während aber in den neuen Bundesländern die neuen Autobahnen fast alle vollständig errichtet wurden, gibt es für die BAB 44 nicht einmal durchgängig Planungsrecht. Zum Einen liegt das an der Tatsache, dass die Planfeststellungsverfahren für die Verkehrsprojekte deutsche Einheit beschleunigt durchgeführt werden durften. Entscheidender ist aber, dass sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland vehement gegen das Erlangen des Planungsrechtes gewehrt hat und immer noch wehrt. Welche Institution, welcher Verein, welche Partei hat dies in den letzten 10 Jahren in Stuttgart getan? Nun ist es leider zu spät und die Demonstranten sollten sich ihre Energien für andere Dinge aufsparen, am Besten da, wo sie noch etwas bewirken können. Gruß Bigeagle198
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Stuttgart 21 in Zahlen
Außer dem Projekt Deutsche Einheit mit dem Aus- und Neubau der Strecke Nürnberg-Berlin ist Stuttgart 21 samt der Trasse nach Ulm das größte Bauvorhaben der Bahn AG. Die Kennzahlen:
Höchstgeschwindigkeit
250 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke
Schienen
117 Kilometer neue Strecke, davon 60 Kilometer Hochgeschwindigkeitstrasse von Wendlingen (Kreis Esslingen) nach Ulm und 57 Kilometer für einen neuen Ring in Stuttgart, die Talquerung und die Anbindung über die Filderebene an die Strecke nach Ulm
Stuttgart
100 Hektar freie Fläche in der Stuttgarter Innenstadt durch die Verlegung des Bahnhofs unter die Erde
Tunnel
63 Kilometer Tunnel, von denen 33 Kilometer Stuttgart 21 und 30 Kilometer der Neubaustrecke nach Ulm zuzuordnen sind. 26 Tunnel, davon 16 bei "Stuttgart 21" und zehn auf der Neubaustrecke
Brücken
55 Brücken, davon 18 bei Stuttgart 21, 37 auf der Neubaustrecke
Fahrzeiten
- 41 statt 61 Minuten Fahrzeit zwischen Stuttgart und Tübingen
- 28 statt 54 Minuten Fahrzeit zwischen Stuttgart und Ulm
Kosten
Mehr als sechs Milliarden Euro Kosten, wovon gut 4,1 Milliarden auf Stuttgart 21 und mehr als zwei Milliarden auf die Neubautrasse entfallen
Bahnhöfe
Drei neue Bahnhöfe: der unterirdische Hauptbahnhof in Stuttgart, ein ICE-Halt an der Messe und am Flughafen und die S-Bahnstation Mittnachtstraße zur Erschließung des geplanten Rosensteinviertels
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Bahn-Projekt: Der Kampf gegen "Stuttgart 21"

Chronik
Im April stellt Bahn-Chef Heinz Dürr das Projekt Stuttgart 21 mit der Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofes vor.
Im Januar bescheinigt eine Studie die technische Machbarkeit von Stuttgart 21. Umweltschützer und Grüne protestieren.
Im November unterzeichnen Bahn, Bund, Land und Stadt eine Rahmenvereinbarung, in der auch die Finanzierung des auf fünf Milliarden D-Mark veranschlagten Projekts festgelegt wird.
Im November erhält das Düsseldorfer Architektenbüro von Christoph Ingenhoven den Zuschlag für den Umbau in einen Durchgangsbahnhof mit Lichtaugen.
Im Februar erteilt das Eisenbahn-Bundesamt die Baugenehmigung für die Umwandlung des Bahnhofs.
Im April weist das oberste Verwaltungsgericht Baden-Württembergs drei Klagen gegen den geplanten Umbau des Hauptbahnhofs ab.
Im Oktober vertagt der Bund die Entscheidung über seine Beteiligung an dem 2,8 Milliarden Euro teuren Bahnhofsvorhaben.
Im November verlautet aus Bahn-Kreisen, der Umbau des Bahnhofs und dessen Anbindung an die Neubaustrecke nach Ulm könne wegen Baukostenrisiken bis zu eine Milliarde Euro teurer werden.
Im Februar weist der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg vier Klagen gegen den Fildertunnel ab.
Am 19. Juli verständigen sich Bund, Bahn, Land und Stadt in Berlin auf die Finanzierung - eine bindende Finanzierungsvereinbarung steht noch aus.
Am 11. November präsentieren Naturschützer, Bürgerinitiativen und Grüne das Ergebnis einer Abstimmung: 67.000 Menschen stimmten für einen Bürgerentscheid über Stuttgart 21.
Am 20. Dezember lehnt der Stuttgarter Gemeinderat einen Bürgerentscheid über das Milliardenprojekt mit großer Mehrheit ab. Die grundsätzlichen Beschlüsse seien schon vor Jahren gefallen.
Am 19. August räumt die Landesregierung Mehrkosten ein. Das Vorhaben soll nicht wie geplant 2,8 Milliarden Euro kosten, sondern 3,076 Milliarden Euro.
Am 3. November prophezeit der Bundesrechnungshof Mehrkosten von über zwei Milliarden Euro.
Am 28. November macht der Bundestag mit der Verabschiedung des Haushaltes den Weg frei für Stuttgart 21.
Am 2. April unterzeichnen Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) und Bahn-Vorstand Stefan Garber die Finanzierungsvereinbarung.
Am 7. Juni profitieren die Grünen von ihrem jahrelangen Widerstand gegen Stuttgart 21 und werden bei der Kommunalwahl die stärkste Fraktion im Rathaus der Landeshauptstadt.
Am 17. Juli entscheidet das Verwaltungsgericht Stuttgart: Der Gemeinderat hat den Bürgerentscheid 2007 zu Recht abgelehnt.
Am 26. Oktober findet die erste Montagsdemonstration gegen den neuen Bahnhof statt - mit vier Teilnehmern. Eine Woche später sind es 20.
Am 8. November räumt Bahn-Chef Rüdiger Grube erstmals ein, dass das Projekt teurer wird als 3,076 Milliarden Euro.
Am 25. November fordern Architekturliebhaber die Aufnahme des Bahnhofsgebäudes in das Unesco-Weltkulturerbe. Beide Seitenflügel des Gebäudes von 1922 sollen den Umbauplänen zum Opfer fallen.
Am 9. Dezember geht Bahn-Chef Rüdiger Grube mit einer Kostenschätzung von 4,1 Milliarden Euro in den Bahn-Aufsichtsrat. Dieser billigt trotz der Kostensteigerung von einer Milliarde Euro das Vorhaben.
Am 10. Dezember stellen nach der Bahn alle anderen Geldgeber die Weichen für das Milliardenvorhaben.

Am 2. Februar beginnen die Bauarbeiten.
Am 20. Mai unterliegt Peter Dübbers, Enkel des Bahnhofsarchitekten Paul Bonatz, vor dem Landgericht Stuttgart im Urheberrechtsstreit gegen die Bauherrin Bahn. Er wehrt sich gegen den Abriss der Seitenflügel des Bahnhofs und geht in Berufung.
Am 7. Juli wird eine bisher nicht veröffentlichte Studie der Zürcher Firma SMA bekannt, die Probleme mit dem Regionalverkehr vorhersieht.
Am 27. Juli gibt Bahn-Chef Grube eine Kostensteigerung um 865 Millionen Euro auf 2,9 Milliarden Euro für die Schnellbahntrasse nach Ulm bekannt.
Am 30. Juli werden die Abrissarbeiten am Nordflügel vorbereitet: Ein erster Bagger rollt an, ein Bauzaun wird errichtet.
Am 7. August demonstrieren mehr als 10.000 Menschen und fordern einen Baustopp.
Am 11. August wird ein Gutachten für das Umweltbundesamt bekannt, das eine weitere Kostenexplosion auf bis zu elf Milliarden Euro für Stuttgart 21 und erhebliche Verkehrsprobleme vorhersagt.
Am 13. August wird das Bahnhofsgebäude erstmals sichtbar beschädigt: Ein Vordach am Nordflügel wird abgerissen. Am Abend bilden 20.000 Menschen eine Kette um Teile des Bahnhofs und fordern einen Baustopp.
Am 14. August berichtet der SPIEGEL, dass die Landesregierung mit einem Großauftrag an die Bahn deren Zustimmung zu Stuttgart 21 erkauft hat. Das Verkehrsministerium dementiert.
Am 23. August verteidigt Bahnhofsarchitekt Christoph Ingenhoven seinen - in einigen Punkten optimierten - Entwurf. Er weist Aussagen zurück, der Tiefbahnhof könne auch mit Erhalt der Seitenflügel gebaut werden.
Am 25. August stoppen sieben Aktivisten die Baggerarbeiten am Nordflügel. Sie besetzen das Dach für 22 Stunden, ehe ein Spezialkommando der Polizei das Dach räumt.
Am 6. September lässt das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 ein Spitzengespräch zu dem Projekt platzen. Zu dem Treffen hatten Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) und der Grünen-Fraktionschef in Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, geladen. Gegner und Befürworter des Projekts sollten diskutieren. Doch das Aktionsbündnis forderte zuvor einen Baustopp - Mappus lehnte ab.
Am 8. September warnt ein neues Gutachten vor einer Kostenexplosion bei Stuttgart 21. Das Münchner Ingenieurbüro Vieregg & Rößler hat im Auftrag der Grünen ausgerechnet, dass sich die Ausgaben für die neue ICE-Trasse nach Ulm auf mindestens 5,3 Milliarden Euro belaufen werden und nicht - wie von der Bahn berechnet - auf 2,9 Milliarden Euro. Im ungünstigsten Fall könne die Strecke sogar zehn Milliarden Euro kosten.
Am 9. September sagt Bahnchef Rüdiger Grube dazu in der "Wirtschaftswoche": "Bei Infrastrukturprojekten kann man nie sagen, was am Ende auf Heller und Pfennig herauskommt."
Am 17. September verteidigt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) das umstrittene Bauprojekt: Es gebe keinerlei Zweifel an dessen Legitimation, sagt er im Bundestag. Stuttgart 21 sei "über 15 bis 20 Jahre nach allen Regeln rechtsstaatlicher Kunst" zustande gekommen. Die Bundestagsfraktionen von SPD, Linke und Grüne fordern mit unterschiedlichen Anträgen dagegen einen Baustopp. Die SPD setzt sich für einen Volksentscheid ein.
Am 30. September eskaliert die Situation. Die Polizei geht mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vor, die das Fällen von Bäumen im Schlossgarten verhindern wollen. Noch am späten Nachmittag versucht der BUND, die Rodung per Eilantrag beim Verwaltungsgericht zu stoppen. Die Organisation befürchtet Verstöße gegen den Artenschutz: So gilt unter anderem der Lebensraum des seltenen Juchtenkäfers als gefährdet. Eine entsprechendes Verbot der Rodung durch das Eisenbahnbundesamt (EBA) liegt der Bahn vor - nicht aber dem Gericht. Bahn und EBA einigen sich eigenen Angaben zufolge noch am selben Abend, das Gericht entscheidet: nichts.
In der Nacht auf den 1. Oktober werden im Schlossgarten die ersten Bäume gefällt - nur wenige Meter von Tausenden Demonstranten entfernt.
Am 2. Oktober steigt der bislang größte Protest im Schlossgarten: Über 100.000 Menschen demonstrieren nach Veranstalterangaben gegen Stuttgart 21 und Ministerpräsident Mappus. Die Polizei spricht von 50.000 Teilnehmern.
Am 6. Oktober stimmt Heiner Geißler zu, den Posten des Schlichters zu übernehmen - darum war er zuvor von Mappus gebeten worden. Am selben Tag bestätigt das OLG die Entscheidung des Landgerichts, nach der das Abtragen der Bahnhofs-Seitenflügel rechtens ist.
Am 7. Oktober verbietet das Eisenbahnbundesamt der Bahn vorerst, weitere Bäume im Schlossgarten zu fällen. Bevor die Arbeiten fortgesetzt werden, muss das Unternehmen Pläne zum Schutz des gefährdeten Juchtenkäfers vorlegen. Allerdings sind vorerst ohnehin keine weiteren Rodungen vorgesehen.
Am 11. Oktober lehnt Bahn-Chef Grube einen kompletten Baustopp kategorisch ab - auch für die Zeit der Schlichtungsgespräche.
Am 14. Oktober gibt das Verwaltungsgericht bekannt, es hätte dem BUND-Antrag zum Stopp der Rodung mit "großer Wahrscheinlichkeit" stattgegeben - wenn die Bahn nicht wichtige Unterlagen vorenthalten hätte.
Am 18. Oktober räumt Grube ein, er habe in der Kommunikation zu Stuttgart 21 "vielleicht den einen oder anderen Fehler gemacht".
Am 22. Oktober beginnt unter Leitung von Heiner Geißler die Schlichtung. Die Gespräche werden live im Fernsehen übertragen, Phoenix meldet die zweitbeste Quote in der Geschichte des Senders. Gegner und Befürworter des Projekts kommen sich in den Gesprächen allerdings nicht näher - auch in den kommenden Wochen nicht.
Am 27. Oktober setzt der Landtag einen Untersuchungsausschuss ein, der die Hintergründe des Polizeieinsatzes vom 30. September klären soll.
Am 28. Oktober lehnt die schwarz-gelbe Koalition mit ihrer Mehrheit im Landtag einen Volksentscheid über Stuttgart 21 ab. Einen entsprechenden Antrag hatte die SPD gestellt. Unabhängig davon reichen vier Demonstranten Klage beim Verwaltungsgericht ein - sie hatten bei dem Polizeieinsatz am 30. September schwere Augenverletzungen erlitten.
Am 2. November löst die Polizei eine Sitzblockade am Bahnhof auf - trotz der Schlichtungsgespräche gehen die Protestaktionen weiter.
Am 11. November räumt die Polizei Pannen beim umstrittenen Einsatz im Schlossgarten ein. Aufgrund von Missverständnissen seien die Beamten zu spät eingetroffen und hätten deshalb Absperrungen nicht rechtzeitig aufstellen können; der Widerstand der Demonstranten sei unterschätzt worden.
17. November: Nach einem Bericht des "Stern" hat das Eisenbahnbundesamt im September die Baufreigabe für die Strecke von Wendlingen nach Ulm verweigert.
Am 19. November sagt Bahn-Vorstand Volker Kefer im Schlichtungsgespräch, die Freigabe für die 60 Kilometer lange Trasse werde erfolgen, wenn die Bahn die Nachweise für die höheren Kosten vorgelegt habe. Grünes Licht erwarte er Ende des Jahres.
Am 30. November verkündet Heiner Geißler seinen Schlichterspruch. Er spricht sich für Stuttgart 21 aus, fordert aber in mehreren Punkten Korrekturen an den Bahn-Plänen. Die Gegner des Projekts sind trotzdem unzufrieden.

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