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Umstrittenes Bauprojekt Geißler schlägt Kombi-Bahnhof für Stuttgart vor

Stresstest für S21: Der unendliche Bahnhofsstreit
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Getty Images

Schlichter Heiner Geißler hat überraschend einen Kompromiss im Streit um das Stuttgarter Bahnhofsprojekt vorgelegt: Der Plan sieht einen Tiefbahnhof für den Fernverkehr vor - durch einen verkleinerten Kopfbahnhof würde der Nahverkehr fließen. Die Bahn lehnt einen Baustopp weiter ab.

Stuttgart - Die Präsentation des Stuttgart-21-Stresstests ist am Freitag vorzeitig abgebrochen worden. Nach fast achtstündiger Debatte im Stuttgarter Rathaus kündigten die Gegner des Projektes an, sich beraten zu wollen.

Schlichter Heiner Geißler legte den Beteiligten daraufhin ein Kompromisspapier mit den Worten vor, er wolle nicht den Raum verlassen, ohne den Versuch unternommen zu haben, eine Kompromisslösung in dem "verbitterten" Streit zu finden.

Denn auch die Volksabstimmung werde keine friedliche Lösung im Streit um den milliardenteuren Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof bringen, so Geißler.

Das Papier, das der Schlichter gemeinsam mit dem Verkehrsberatungsbüro SMA erarbeitet hat, trägt den Titel: "Frieden in Stuttgart." Der Plan sieht folgendermaßen aus:

  • Demnach solle es eine Kombination aus einem viergleisigen unterirdischen Tiefbahnhof und einem Kopfbahnhof geben - welcher aber deutlich verkleinert würde.
  • Die Grundidee einer durchgehenden Strecke Mannheim-Stuttgart-Ulm würde nach dem Willen Geißlers bestehen bleiben.
  • Der neue Bahnhof solle unter dem bestehenden Kopfbahnhof liegen, erklärte er sein Konzept weiter. Das alte Bahnhofsgebäude könne damit seine Funktion behalten.
  • Im neuen Tiefbahnhof könnten die Bahnsteige breiter gestaltet werden. Der Südflügel des alten Gebäudes würde stehenbleiben. Zudem würden die Einschnitte im angrenzenden Park kleiner ausfallen.

Bahn will weiterbauen

Nach Geißlers Vorschlag zog sich das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 zu Beratungen zurück. Nach einer etwa halbstündigen Unterbrechung kehrte es zurück an den runden Tisch, die Sitzung wurde am Abend wieder aufgenommen. Das Aktionsbündnis erklärte, es akzeptiere den Vorschlag des Schlichters. "Wir sehen in dem Vorschlag eine Möglichkeit zum Kompromiss", sagte die Sprecherin des Bündnisses, Brigitte Dahlbender. Die Bahn müsse dann aber sofort einen Bau- und Vergabestopp verfügen.

Die Bahn kündigte jedoch an, trotz eines neuen Kompromissvorschlags die Bauarbeiten nicht ruhen zu lassen. Wegen eines Vorschlags werde es keinen Baustopp geben, sagte Bahn-Vorstand Volker Kefer dem Fernsehsender Phoenix. Es gebe schließlich Planfeststellungsverfahren und Verträge.

Den neuen Vorschlag des Schlichters Heiner Geißler wollte Kefer nicht bewerten. Ein Teil des Aktionsbündnisses verließ nach der Ankündigung der Bahn, weiterbauen zu wollen, den Saal.

Das Unternehmen will bis Ende 2019 für 4,1 Milliarden Euro den 16-gleisigen Kopfbahnhof in einen achtgleisigen unterirdischen Durchgangsbahnhof umbauen. Dagegen gibt es massive Proteste. In einer öffentlichen Debatte war am Freitag ein Gutachten vorgestellt worden, das zeigen sollte, ob der neue Bahnhof mehr leisten könne als der bisherige.

"Vorschlag wenigstens prüfen"

Die in Baden-Württemberg mitregierende SPD lehnte den Kompromissplan ab. "Ich kann für unsere Seite nicht zusagen, dass wir dem in der Landesregierung zustimmen können", sagte Finanzstaatssekretär Ingo Rust (SPD). Die Kombilösung aus Kopfbahnhof und unterirdischer Durchgangsstation sei kein gänzlich neuer Vorschlag, er habe auch schon in der Schlichtung eine Rolle gespielt.

Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagte dagegen: "Ich möchte, dass wir diesen Vorstoß wenigstens prüfen. Ob er machbar ist, kann ich noch nicht sagen."

Wörtlich heißt es in Geißlers Papier: "Die Grundidee einer durchgehenden Schnellfahrstrecke Mannheim-Stuttgart-Ulm mit einem tiefliegenden Durchgangsbahnhof in Stuttgart an heutiger Lage bleibt bestehen. Dagegen sollen ein etwas verkleinerter Kopfbahnhof mit seinen Zufahrten und die Gäubahn auf dem Stadtboden von Stuttgart weiterhin in Betrieb bleiben."

Geißler betonte, die Bundesregierung sei von seinem Kompromissvorschlag unterrichtet. Ziel sei es, eine friedliche Lösung für Stuttgart herbeizuführen.

amz/flo/dpa/dapd/Reuters

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Vernünftig wäre es ja. Denn ob in 10, 20, 50 Jahren noch soviel motorisierter Individualverkehr herrscht, ist mehr als fraglich. Das bedeutet größere Bahnhöfe. Das aber wäre mit S21 schwer möglich. Nur sehe ich die Kostenfrage [...]
Zitat von sysopSchlichter Heiner Geißler hat überraschend einen Kompromiss im Streit um den Tiefbahnhof vorgelegt: Der Plan sieht den Bau eines Tiefbahnhofs für den Fernverkehr vor. Der Nahverkehr soll auf verkleinerter Fläche den jetzigen Kopfbahnhof nutzen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,777436,00.html
Vernünftig wäre es ja. Denn ob in 10, 20, 50 Jahren noch soviel motorisierter Individualverkehr herrscht, ist mehr als fraglich. Das bedeutet größere Bahnhöfe. Das aber wäre mit S21 schwer möglich. Nur sehe ich die Kostenfrage als Damoklesschwert darüber. Betrifft aber nur ein paar Immo-Freaks ;)
Wenn man schon viel Geld in die Hand nimmt, dann muss man es richtig machen und das heißt: hunderprozentige Untertunnelung, maximale Flächen frei machen. Ich könnte mich eher mit einer Beibehaltung des Kopfbahnhofes anfreunden [...]
Wenn man schon viel Geld in die Hand nimmt, dann muss man es richtig machen und das heißt: hunderprozentige Untertunnelung, maximale Flächen frei machen. Ich könnte mich eher mit einer Beibehaltung des Kopfbahnhofes anfreunden (oder K21) als mit Geißlers Vorschlag. Ich bin S21-Befürworter.
wolfi55 29.07.2011
Der Vorschlag ist ja nicht so neu. Es ist der alte eigentliche Heimerl-Vorschlag. Abgelehnt wurde der, weil damit keine Immobilienflächen frei werden. Das ist ja das Problem.
Der Vorschlag ist ja nicht so neu. Es ist der alte eigentliche Heimerl-Vorschlag. Abgelehnt wurde der, weil damit keine Immobilienflächen frei werden. Das ist ja das Problem.
brocklanders 29.07.2011
Hier der aktuelle Bahnhof als Modell für all diejenigen, die sich vor Ort nicht auskennen: http://www.syborgstudios.com/rooms/stuttgart_hbf/
Hier der aktuelle Bahnhof als Modell für all diejenigen, die sich vor Ort nicht auskennen: http://www.syborgstudios.com/rooms/stuttgart_hbf/
AKI CHIBA 29.07.2011
Geißler vor - noch ein Tor. Nicht schlecht Herr Specht! Falls sicher gestellt wird, dass Gschaftlhuber rausgemobbt werden (die, welche bislang sich die Fingerchen gerieben haben).
Zitat von sysopSchlichter Heiner Geißler hat überraschend einen Kompromiss im Streit um den Tiefbahnhof vorgelegt: Der Plan sieht den Bau eines Tiefbahnhofs für den Fernverkehr vor. Der Nahverkehr soll auf verkleinerter Fläche den jetzigen Kopfbahnhof nutzen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,777436,00.html
Geißler vor - noch ein Tor. Nicht schlecht Herr Specht! Falls sicher gestellt wird, dass Gschaftlhuber rausgemobbt werden (die, welche bislang sich die Fingerchen gerieben haben).
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Auszüge aus dem S21-Gutachten
"Unsere Überprüfung der Simulationsergebnisse hat gezeigt, dass die geforderten 49 Ankünfte im Hauptbahnhof Stuttgart in der am meisten belasteten Stunde und mit dem der Simulation unterstellten Fahrplan mit wirtschaftlich optimaler Betriebsqualität abgewickelt werden können. Die vom Schlichter (Heiner Geißler) geforderten anerkannten Standards des Eisenbahnwesens sind eingehalten."

SPIEGEL-Gespräch mit Heiner Geißler
DER SPIEGEL
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