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Umstrittenes Segelschulschiff: Bericht enthüllt Schlamperei auf der "Gorch Fock"

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Neuer Wirbel um den Tod einer Kadettin auf der "Gorch Fock": An Bord des umstrittenen Segelschulschiffs wurde einem internen Bericht zufolge unter anderem die Einweisung eines Ausbilders vernachlässigt. Die Opposition fordert mehr Fürsorge für die Soldaten.

"Gorch Fock" vor Argentinien (im Januar): Was geschah an Bord? Zur Großansicht
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"Gorch Fock" vor Argentinien (im Januar): Was geschah an Bord?

Berlin - Der einstige Stolz der deutschen Marine kommt nicht aus den Schlagzeilen. Längst hat die "Gorch Fock" Kurs genommen auf Kiel, zurückbeordert von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Ende April oder Anfang Mai soll das weiße Segelschulschiff in Kiel ankommen - dort wartet schon die Staatsanwaltschaft.

Denn immer mehr pikante Details über den zweifelhaften Umgang an Bord kommen an die Öffentlichkeit.

Seit Wochen wird über die Eskapaden auf dem früheren Paradeschiff diskutiert: über hemmungslos betrunkene Soldaten der Stammbesatzung, eine Todesdrohung im Rausch, sexuelle Nötigung. Im Mittelpunkt aber steht das Schicksal einer 25-jährigen Offiziersanwärterin, die im vergangenen November aus der Takelage des Schiffs in den Tod stürzte.

Ein interner Bericht der Marine wirft nun ein neues Schlaglicht auf die Verhältnisse an Bord der "Gorch Fock". Es steht die Frage im Raum, ob die Kadettin überhaupt diensttauglich war. So zitiert die "Bild"-Zeitung aus jenem Bericht: "Die Obduktion ergab ein Körpergewicht, welches in Relation zur Körpergröße eine Borddienstverwendungsfähigkeit ausgeschlossen hätte." So ist am Montag auch den Obleuten der Fraktionen im Verteidigungsausschuss von Vizeadmiral Axel Schimpf, dem Inspekteur der Marine, berichtet worden.

Verwirrende Debatte

Die Gegenrede kommt von Anwalt Thomas Kock, er vertritt die Mutter der Verunglückten: Die junge Frau habe entgegen anderslautenden Medienberichten nicht 83, sondern gut 60 Kilo gewogen. Woher die Gewichtsangabe komme, sei ihm unklar, sagte der Anwalt. Bisher habe er bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Kiel keine Akteneinsicht erhalten.

Und die Mutter berichtet empört der "Deister- und Weserzeitung", eine Woche vor dem Unglück sei ihre Tochter noch bei ihr in Bodenwerder gewesen. Dabei hätte ihr auffallen müssen, wenn Sarah so deutlich zugenommen hätte. "Sie war ganz normal bei ihrem Besuch. Sarah war topfit und sportlich. Sie hat immer um die 55 bis 58 Kilo gewogen."

Wie kann es zu solch unterschiedlichen Versionen kommen? Liegt bei einer möglichen starken Gewichtszunahme der Soldatin in kurzer Zeit nicht die Frage nahe, ob die Vorgesetzten dies im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht hätten beachten müssen?

Rainer Arnold, der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, sagt: "Es genügt nicht, dass ein Arzt ein Papier prüft, sondern er muss auch die Soldaten in Augenschein nehmen." Die Marine und ihr Inspekteur Axel Schimpf müssten auf die Verantwortung des Führungspersonals für die Untergebenen achten, "es geht da auch um Fragen der inneren Führung". Auf der "Gorch Fock" gebe es "gravierenden Änderungsbedarf", so Arnold.

Der im Bundeswehrverband, der Soldatengewerkschaft, für die Marine zuständige Kapitänleutnant Uwe Sonntag, zeigt sich irritiert über die Berichte. Denn regelmäßige, medizinische Tests - etwa ein Belastungs-EKG - seien eigentlich Standard. Teilweise werde auch an Bord noch auf körperliche Fitness getestet.

Gab es Kommunikationsprobleme an Bord?

Auch die Begleitumstände in jener Zeit, in der die Kadettin an Bord ging, scheinen dubios. So soll kurz vor dem tödlichen Unfall bei der Einweisung von Vorgesetzten geschlampt worden sein. Demzufolge kam der Unteroffizier, der zum Unfallzeitpunkt auf einer Plattform in der Takelage stand, wie die Verunglückte überhaupt erst am 5. November an Bord. Zwei Tage später stürzte die Soldatin in die Tiefe. Wörtlich zitiert "Bild" aus dem Bericht: "Eine Einweisung in seine Pflichten, Aufgaben, speziell während der Segelvorausbildung in der Takelage, hat nicht stattgefunden, da man der Meinung war, dass er wissen müsste, was er zu tun und zu lassen hat."

Zudem entsteht der Eindruck großer Kommunikationsprobleme an Bord. Einem Ausbilder sei dem Marine-Bericht zufolge aufgefallen, dass die später zu Tode gekommene Soldatin Probleme hatte. Die "Bild"-Zeitung zitiert: "Er hatte, wie er beschreibt, ein ungutes Bauchgefühl. Dieses wurde durch den Ausbilder nicht an den verantwortlichen Wachführer an Deck kommuniziert, sondern nur an einen erfahrenen Unteroffizier ohne Begründung weitergegeben." Die Zeitung schreibt zudem, die Offiziersanwärterin habe kurz vor dem Unfall gegenüber Kollegen gesagt, dass sie ein "Kraftloch" habe.

Das Verteidigungsministerium wollte sich zu all dem nicht äußern. Man verwies auf die ermittelnde Staatsanwaltschaft in Kiel. Ein Ministeriumssprecher sagte, "alle relevanten Dokumente" seien dorthin übergeben worden. Zum Inhalt der Papiere äußerte er sich mit Verweis auf die laufenden Untersuchungen nicht. CSU-Verteidigungsexperte Florian Hahn mahnte zur Zurückhaltung: "Wir sollten jetzt erstmal die Ermittlungsergebnisse abwarten und den Fall nicht auf dem Rücken einer toten Soldatin diskutieren."

Die Kieler Anklagebehörde ihrerseits bestätigt bislang nur, dass die "Frage der Borddienstverwendungsfähigkeit" der Frau Gegenstand der Prüfungen sei.

Mit Material von dpa

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1. Was soll dieser Schwachsinn?
mundi 08.02.2011
Zitat von sysopNeuer Wirbel um den Tod einer Kadettin auf der "Gorch Fock": An Bord des umstrittenen Segelschulschiffs wurde einem internen Bericht zufolge unter anderem die Einweisung eines Ausbilders vernachlässigt. Die Opposition fordert mehr Fürsorge für die Soldaten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,744388,00.html
Panzersoldaten werden auch nicht auf Pferdekutschen ausgebildet. Was soll dieser Schwachsinn, Marineoffiziere, die Korvetten und U-Boote leiten sollen, am Segelschiff auszubilden. "Gorch Fock" sollte als Besatzung die Leute aus der aufgeblähten Militärverwaltung bekommen.
2. Summa summarum
alaxa 08.02.2011
Zitat von sysopNeuer Wirbel um den Tod einer Kadettin auf der "Gorch Fock": An Bord des umstrittenen Segelschulschiffs wurde einem internen Bericht zufolge unter anderem die Einweisung eines Ausbilders vernachlässigt. Die Opposition fordert mehr Fürsorge für die Soldaten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,744388,00.html
Summa summarum hat man nun einen Schuldigen: Den Bundeswehrarzt, der ihr den Einsatz attestiert hat.
3.
Spiegelkritischer 08.02.2011
Zitat von mundiPanzersoldaten werden auch nicht auf Pferdekutschen ausgebildet. Was soll dieser Schwachsinn, Marineoffiziere, die Korvetten und U-Boote leiten sollen, am Segelschiff auszubilden. "Gorch Fock" sollte als Besatzung die Leute aus der aufgeblähten Militärverwaltung bekommen.
Stimmt, sie lernen nicht auf Kutschen, genausowenig, wie die OA auf der Gorch Fock Segeln lernen. Aber die Panzersoldaten lernen ganz zu Anfang erstmal marschieren (was dann die Analogie zur Gorch Fock wäre)
4. ...
Stancer81 08.02.2011
Das Problem ist einfach, das Frauen auch 10 Jahre nachdem ihnen alle Truppengattungen offen stehen immernoch mit der Pinzette behandelt werden. Es spricht sich leider schnell rum, das manche Frauen auf Kritik mit der Diskriminierungs- , Sexuellen-Belästigungs- oder Gleichberechtigungskeule um sich schlagen und dann auch noch recht bekommen. Bereits einige Offiziere haben ihren Dienstposten verloren, weil sie der Anwärterin nahe gelegt haben, das sie für den Bundeswehrdienst nicht geeignet sei. Im Zweifel geht die Bw auf Nummer sicher und versetzt die Soldaten an andere Standorte. Viele Frauen wissen das auch und nutzen das bewusst aus. Gleichberechtigung wollten sie vor 10 Jahren, aber wenn es um das körperliche geht nehmen sie Sonderbehandlung gerne an. Diese Sonderbehandlung kombiniert mit dem direkten "auf die Finger hauen" für Aufwiegler, die es wagen etwas gegen die Frau zu sagen hat dazu geführt, das dann lieber weggeschaut wird. Bevor man seinen Dienstposten verliert, weil eine Frau sich ans Bein gepinkelt fühlt gibt man ihr was sie will und gut ist ! Das ist die traurige Wahrheit. Ich erinner mich an einen Fall, wo ein ganzer Wohnblock für eine einzige Frau geräumt werden musste, weil sie sich Belästigt fühle, wenn die Männer nach dem Duschen mit nacktem Oberkörper über den Flur laufen. War diese Frau jemals im Schwimmbad ? Die 30-40 Männer wurden also umgesiedelt und durften sich mit 30-40 anderen Männern dann eh schon viel zu kleine Stuben teilen. Auch wenn es ein Extrembeispiel ist, ist es leider keine Seltenheit, Alle sind aber wiederum auch nicht so !
5. Zustimmung
Xenier, 08.02.2011
Zitat von mundiPanzersoldaten werden auch nicht auf Pferdekutschen ausgebildet. Was soll dieser Schwachsinn, Marineoffiziere, die Korvetten und U-Boote leiten sollen, am Segelschiff auszubilden. "Gorch Fock" sollte als Besatzung die Leute aus der aufgeblähten Militärverwaltung bekommen.
Da mag die Deutsche Marine noch soviele Arien aus Anatevka singen, eine unhinterfragte "Tradition" ist Gift für jede (Sub-)Kultur. Hoffen wir, das Theo hier mal "Reinschiff" macht.
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Die "Gorch Fock"
Das Schiff
Das legendäre Segelschulschiff "Gorch Fock" ist das älteste Schiff der deutschen Marine, es gilt als Botschafterin Deutschlands auf den Weltmeeren. Gebaut wurde es auf der Hamburger Werft Blohm & Voss, im August 1958 lief es vom Stapel. Benannt ist das Schiff nach dem Schriftsteller Gorch Fock, der im Ersten Weltkrieg in einer Seeschlacht starb.

Die "Gorch Fock" ist 89 Meter lang und 12 Meter breit, der Tiefgang beträgt 5,25 Meter. Fock- und Großmast sind 45,30 Meter hoch, der Besanmast etwa 40 Meter. Eine Diesel-Antriebsanlage erlaubt eine Geschwindigkeit mit dem Motor von 12 Knoten (etwa 23 Kilometer in der Stunde). Die Höchstgeschwindigkeit unter Segeln liegt bei rund 17 Knoten, bei ihrem Rekord war sie 18,2 Knoten schnell. Die "Gorch Fock" untersteht der Marineschule Mürwik bei Flensburg, Heimathafen ist Kiel.
Die Besatzung
Der Dreimaster hat eine 85-köpfige Stammbesatzung, dazu kommen bis zu 138 junge Lehrgangsteilnehmer. In mehr als 50 Jahren wurden rund 14.500 Kadetten auf der "Gorch Fock" ausgebildet - viele berichteten anschließend von einer extrem harten Ausbildung. 1989 kamen mit fünf Sanitätsoffiziersanwärterinnen erstmals Frauen an Bord.
Die Ausbildung
Offizier- und Unteroffizieranwärter erhalten dort ihre praktische und theoretische Ausbildung für spätere Aufgaben in der Flotte. Laut Marine sollen die Lehrgangsteilnehmer an Bord das "grundlegende seemännische Handwerk" erlernen. "Sie erfahren in der Praxis die Bedeutung von Teamwork und Kameradschaft." Allerdings werde den Lehrgangsteilnehmern und der Crew "sowohl beim Aufentern in bis zu 45 Meter Höhe als auch beim Segelsetzen viel abverlangt", heißt es auf der Marine-Homepage.

Trotz modernster Technik ist der Ausbildungsabschnitt Segelschulschiff nach Ansicht der Marine weiterhin von großer Bedeutung. "Nirgendwo wird der Einfluss des Wetters auf Schiff und Besatzung so intensiv erlebt und zur gesicherten Erfahrung wie auf einem Großsegler", heißt es auf der Internetseite der Marine. Gerade die Ausbildung auf einem Segelschulschiff präge die Charaktereigenschaften und Gemeinschaftssinn, die für einen militärische Vorgesetzten unerlässlich seien.
Die Todesfälle
Während der Lehrgänge kam es mehrfach zu Todesfällen. Seit 2008 verloren gleich zwei Soldatinnen an Bord ihr Leben: Im vergangenen November stürzte eine 25-jährige Offiziersanwärterin aus der Takelage auf das Deck. Im September 2008 war eine 18-jährige Soldatin während ihrer Wache bei rauer See in die Nordsee gefallen und ertrunken.
Der Kommandant
Seit 2006 hatte Kapitän Norbert Schatz, 53, das Kommando über die "Gorch Fock" - im Zusammenhang mit dem Unfalltod der 25-jährigen Sarah wurde er Ende Januar 2011 von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg abgesetzt. Die Dreimastbark sei schon immer sein Ziel gewesen, erklärte der 53-Jährige einst. Nach dem Abitur trat er deshalb 1976 in die Marine ein und entschied sich für eine Laufbahn als Fregattenfahrer. Gleich zu Beginn sammelte er erste Erfahrungen auf dem Segelschiff. Von 1997 bis 1999 war er als Erster Offizier an Bord.


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