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Umsturz in Nordafrika: Helfer fliegen Hunderte verletzte Libyer nach Deutschland

Die blutigen Gefechte in Libyen haben zahllose Verletzte gefordert, viele von ihnen werden bald in deutschen Krankenhäusern behandelt. Laut "Financial Times Deutschland" lässt das Auswärtige Amt bis zu 300 Verwundete ausfliegen und auf Kliniken im ganzen Land verteilen.

Hamburg - Libyen ist befreit, doch das Land kämpft weiter mit den humanitären Folgen der monatelangen Gefechte gegen das Gaddafi-Regime. Nun läuft ein großangelegtes Hilfsprogramm an. Mehrere hundert verletzte Libyer sollen nach Deutschland gebracht werden. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" fliegt die auf Krankentransporte spezialisierte Firma Almeda Hilfsbedürftige aus und verteilt sie auf ausgesuchte Krankenhäuser. Die Initiative wurde vom Auswärtigen Amt organisiert.

"Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten zehn Tagen bis zu 300 Patienten ausgeflogen haben", sagte Almeda-Geschäftsführer Stefan Kottmair. "Unsere Flieger steuern fast täglich mit vier bis 20 Patienten deutsche Städte an." Es gehe nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi darum, "schnelle und praktische Hilfe zu leisten, um einen demokratischen Wiederaufbau Libyens voranzutreiben", sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) der Zeitung. Zu der Solidarität gehöre neben Unterstützung beim Aufbau des Gesundheitssystems auch die Versorgung Verwundeter.

Wie viele Patienten insgesamt ausgeflogen werden sollen, richtet sich laut Almeda nach dem Bedarf. Feste Zusagen gebe es nicht. Bisher seien von mehr als 500 möglichen Patienten 168 ausgewählt worden.

US-Außenministerin Hillary Clinton und US-Verteidigungsminister Leon Panetta kündigten am Donnerstag ebenfalls eine entsprechende Initiative an. In US-Krankenhäusern würden vorerst 30 Verletzte aus Libyen aufgenommen, hieß es. 24 von ihnen sollen ins Spaulding-Krankenhaus in Boston im Bundesstaat Massachusetts eingeliefert werden, sechs werden zunächst auf US-Stützpunkte in Deutschland gebracht.

Nato-Rat entscheidet über Einsatzende

Gaddafi war am 20. Oktober in Sirt getötet worden, am Sonntag verkündete der Übergangsrat die vollständige "Befreiung" des Landes. Auch ein Ende der westlichen Militärmission ist in Sicht: Der Nato-Rat kommt am Freitag in Brüssel zu Beratungen über den Abschluss des Einsatzes in Libyen zusammen. Der Beschluss gilt als sicher, nachdem der Uno-Sicherheitsrat am Donnerstag in New York einstimmig beschlossen hatte, das über Libyen verhängte Flugverbot zum 31. Oktober aufzuheben. Auch die Genehmigung für Militäreinsätze zum Schutz von Zivilpersonen wurde zurückgenommen.

Der Sicherheitsrat hatte dies am 17. März als Reaktion auf einen Antrag der Arabischen Liga autorisiert. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bezeichnete den Einsatz als Erfolg. "Wir haben das Mandat voll erfüllt", sagte er mit Blick auf den Auftrag, die Zivilbevölkerung gegen Übergriffe des früheren Machthabers Gaddafi zu schützen.

jok/dapd

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1. Beteiligt sich...
Roueca 28.10.2011
... unsere Politszene auch an den Kosten mit ihrer privaten Rundumvollkaskokrankenversicherung oder muß der deutsche Depp das auch wieder alleine stemmen. Und erwerben die Libyer auch gleich Rentenansprüche weil sie nun in der BRD sind? Fragen über Fragen, die Antwort wird uns viel Geld kosten, welches man bei Hartz IV und Alten wieder einspart. Vielleicht verrecken ja ein paar Alte weil sie sich die Kosten für unsere Krankenversicherung nicht mehr leisten können, dann kann man die Wohltaten bedenkenlos umverteilen!
2. ...
Lekcad 28.10.2011
Auch wenn jeden Verwundeten Hilfe zusteht hoffe ich doch, dass bevorzugt Zivilisten hier behandelt werden und die Kombattanten beider Seiten erst einmal hinten an stehen.
3. Seltsam
berns 28.10.2011
Zitat von sysopDie blutigen Gefechte in Libyen haben zahllose Verletzte gefordert, viele von ihnen werden bald*in deutschen Krankenhäusern behandelt. Laut "Financial Times Deutschland" lässt das Auswärtige Amt*bis zu 300 Verwundete ausfliegen und auf Kliniken im ganzen Land verteilen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,794506,00.html
Unter Gaddafi gab es in jeder libyschen Stadt hervorragend geführte modernst eingerichtete Krankenhäuser, in Tripolis eine sehr geachtete Universitätsklinik. Ich erwarte jetzt eigentlich, daß die Medien, die seit Beginn des Libyen-Krieges der NATO ständig deren Aktionen für gut und richtig beurteilten, jetzt endlich zugeben, dass die NATO in Libyen nicht nur Hunderttausende Wohnungen sondern auch sämtliche Krankenhäuser zerbombt hat, so daß jetzt eine Versorgung der Kriegsverletzen in Libyen nicht mehr möglich ist. Natürlich sollten wir den Kriegsopfern helfen. Aber ich erwarte auch, dass diejenigen, die als Mitglieder der Rebellenbanden gemordet und das Land verwüstet haben, anschliessend vor Gericht gestellt werden.
4. Hilfe zur Selbsthilfe
vaclaus 28.10.2011
Wirklich super. Zuerst haben die Nato Staaten 26000 mal das Land angegrifen, die Infrastruktur zerstört. Jetzt kommt die Hilfe, vileicht sogar die Hilfe zur Selbsthilfe oder die Hungerhilfe.
5. Titel
immigrantin 28.10.2011
Und wann beginnt die Familienzusammenführung?
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