Umwelt-Bonus Abwrackprämie holte viele Schadstoff-Schleudern von der Straße

Und sie wirkt doch: Die Abwrackprämie brachte offenbar stärkere Umweltvorteile, als viele Kritiker annehmen. Die neu gekauften Autos haben einer Studie zufolge einen deutlich geringeren Spritverbrauch als die verschrotteten Alt-Modelle.

Abgewrackte Autos: Vergangenen Mittwoch war der Fördertopf von fünf Milliarden Euro leer
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Abgewrackte Autos: Vergangenen Mittwoch war der Fördertopf von fünf Milliarden Euro leer


Frankfurt am Main - Aus und vorbei. Die Abwrackprämie hat ausgedient. Acht Monate lang hatte es Zuschüsse vom Staat beim Autokauf gegeben - und mindestens genausolang hatten Kritiker die Subvention verteufelt. Unter anderem aus Umweltschutzgründen. Doch denen hält nun eine Studie andere Erkenntnisse entgegen: Die Abwrackprämie bringt offenbar mehr für die Umwelt, als viele Kritiker vermuten.

Wie die "Frankfurter Rundschau" unter Berufung auf eine Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) in Heidelberg berichtet, stoßen die rund zwei Millionen durch die Prämie geförderten Pkw deutlich weniger Schadstoffe aus als ihre in die Schrottpresse gewanderten Vorgänger. Außerdem liege ihr Spritverbrauch um rund 20 Prozent niedriger, gehe aus dem im Auftrag des Bundesumweltministeriums erstellten Papiers hervor.

Der 2500-Euro-Bonus habe wider Erwarten nur in geringem Maße dazu geführt, dass relativ neue Autos in die Schrottpresse kamen. Die verschrotteten Pkw waren demnach im Schnitt 14,4 Jahre alt. Die Neuwagenkäufer stiegen vielfach auf kleinere Wagen um. Rund 85 Prozent der mit der Prämie gekauften Autos seien Minis wie der Smart, Klein- und Kompaktwagen wie die Golf-Klasse gewesen.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sieht sich durch die Studie bestätigt. Er sagte der Zeitung: "Diejenigen, die befürchtet haben, dass die Prämie zum Kauf von teuren Straßenkreuzern anreizt, haben das Portemonnaie der Menschen über- und ihr Umweltbewusstsein unterschätzt."

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hingegen bekräftigte seine Kritik. Die Regelung habe große Öko-Lücken, sagte VCD-Experte Gerd Lottsiepen. So seien "zum Beispiel auch Billigdiesel ohne Rußpartikel-Filter aus rumänischer und leider vereinzelt auch aus deutscher Produktion" gefördert worden. "Beim Einsatz von fünf Milliarden Euro hätte für die Umwelt mehr herauskommen müssen", fügte er hinzu.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schloss unterdessen eine Fortsetzung des staatlichen Förderprogramms für Autokäufer erneut aus. Die Umweltprämie werde nicht verlängert, sagte Merkel dem "Münchner Merkur". Das Instrument sei richtig gewesen, "um die Nachfrage in Deutschland zu stärken, als der Export total zusammenbrach." Die Lage habe sich mittlerweile jedoch verbessert: "Wir beobachten jetzt, dass die Konjunkturpakete in Europa ihre Wirkung entfalten und der Export langsam wieder anzieht", sagte Merkel.

Der Bund hatte fünf Milliarden Euro für den Fördertopf bereitgestellt, die Verschrottungsprämie für Altfahrzeuge belief sich beim Kauf eines Neuwagens auf je 2500 Euro.

ler/ddp

Forum - Soll der Staat mit Geldgeschenken den Konsum fördern?
insgesamt 509 Beiträge
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Seite 1
wudi 15.08.2009
1.
Zitat von sysopDie außergewöhnliche Wirtschaftskrise forderte außergewöhnliche Maßnahmen. Aber war die Abwrackprämie wirklich eine so gute Idee? Soll der Staat überhaupt mir Geldgeschenken den Konsum fördern? Diskutieren Sie mit!
Abwrackpraemie? Schwachsinn. Hier wurde ein "Problem" nur verschoben. Was in diesem Jahr durch die Praemie mehr produziert wurde fehlt im naechsten Jahr. Der Autokauf wurde nur vorverlegt. Auch wurden meist Kleinwagen umgesetzt, oft auslaendische Produkte. Mercedes, BMW, Audi und Porsche half diese Praemie wenig. Man sollte mal gegenrechnen, Mehrproduktion in Deutschland und Verlust der Gebrauchtwagenhaendler und Werkstaetten. Das Ganze war ein Flop.
kaffeepause 15.08.2009
2.
Zitat von sysopDie außergewöhnliche Wirtschaftskrise forderte außergewöhnliche Maßnahmen. Aber war die Abwrackprämie wirklich eine so gute Idee? Soll der Staat überhaupt mir Geldgeschenken den Konsum fördern? Diskutieren Sie mit!
(tze) Die Abwarckprämie war sehr medienwirksam, gab dem "Normalverbraucher" das Gefühl von der Krise profitieren zu können und hat den endgültigen Kollaps lediglich wahlopportunistisch verzögert. Da sich die Bundesregierung zwischen Marktwirtschaft und Sozialstaat nicht entscheiden kann und die Wirtschaft den Sozialstaat präferiert, um nicht die dort dringend notwendigen Strukturänderungen und entsprechende Verluste in Kauf nehmen zu müssen, nötigt der Staat dem Steuerzahler die Subventionierung der Wirtschaft auf: Der Arbeitsmarkt wird über Hartz IV und die ARGEN kaputtsubventioniert. Jobvermittlungen, moderner Menschenhandel, und Incassounternehmen sind boomende "Wirtschaftszweige" Billiger werden Arbeitskräfte dadurch nicht wirklich, nur bei dem der arbeitet kommt dadurch weniger Geld an und Differenzen gehen zu Lasten der "Staatskasse", also des gemeinen Steuerzahlers. Wie hoch ist die steuerliche Belastung durch die Lebenshaltungskosten mittlerweile? Und wieso wird die "Wirtschaft" nicht längst angemessen besteuert? Der Binnenmarkt wird sich niemals erholen, wenn der Staat weiterhin wahlpolitisch kosmetisch exportorientierte Industriezweige unterstützt und den Großteil der Menschen, die in diesem Lande leben und arbeiten, wirtschafts- und sozialpolitisch langsam aber sicher unters Existenzminimum zwingt. Was nutzt das nette neue Auto, wenn man ein Jahr nach dem Kauf arbeitslos wird, weil der Arbeitgeber Lohnkosten sparen und lieber ARGE unterstütze Kräfte haben möchte. Und man sich den Unterhalt des Autos dann nicht mehr leisten kann, weil man mit dem neuen Vollzeitjob nicht mal das Existenzminimum sichern kann und zusätzlich staatliche Unterstützung benötigt? Der Staat ist dazu verpflichtet die politischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass man von Arbeit leben kann, er ist nicht dazu da, Geldgeschenke zu machen. Meinetwegen können die ARGEN mit allen Schmarotzern, die davon profitieren, abgeschafft werden. Und ich meine jetzt nicht die sog. "Kundschaft".
hdwinkel 15.08.2009
3. Ökologischer und wirtschaftlicher Unsinn
Zitat von sysopDie außergewöhnliche Wirtschaftskrise forderte außergewöhnliche Maßnahmen. Aber war die Abwrackprämie wirklich eine so gute Idee? Soll der Staat überhaupt mir Geldgeschenken den Konsum fördern? Diskutieren Sie mit!
Mit der Förderung des Absatzes von Altautos schießt sich die Autoindustrie immer mehr ins Abseits. Neue Mobilitätskonzepte? Fehlanzeige! Dabei hätte grade das ein Zukunftsmarkt für die Autobauer sein können. Ökologisch ist das ohnehin Unsinn: http://www.heise.de/tp/blogs/2/143470
descartes101, 15.08.2009
4.
Zitat von sysopDie außergewöhnliche Wirtschaftskrise forderte außergewöhnliche Maßnahmen. Aber war die Abwrackprämie wirklich eine so gute Idee? Soll der Staat überhaupt mir Geldgeschenken den Konsum fördern? Diskutieren Sie mit!
Wenn der Staat Milliarden von Steuergeld in Form von sog. 'Rettungspaketen' Banken und Konzernen wie Puderzucker in den Hintern bläst, dann ist das ein Geschenk. Wenn die Bürger Geld vom Staat erhalten, dann nennt man das eine Steuerrückzahlung. Das nur, um die SpOn-Terminologie geradezurücken. Sie sollten nicht alles kritiklos übernehmen, was da in Berlin gesabbelt wird.
loser, 15.08.2009
5.
Zitat von wudiAbwrackpraemie? Schwachsinn. Hier wurde ein "Problem" nur verschoben. Was in diesem Jahr durch die Praemie mehr produziert wurde fehlt im naechsten Jahr. Der Autokauf wurde nur vorverlegt. Auch wurden meist Kleinwagen umgesetzt, oft auslaendische Produkte. Mercedes, BMW, Audi und Porsche half diese Praemie wenig. Man sollte mal gegenrechnen, Mehrproduktion in Deutschland und Verlust der Gebrauchtwagenhaendler und Werkstaetten. Das Ganze war ein Flop.
Sind dieses Jahr nicht Wahlen ? Was kümmert einen Politiker die Zukunft, wenn Er/Sie dieses Jahr gewählt werden möchte. Geschenke gibt's immer nur vor den Wahlen; und danach gibt's dann "trocken Brot" für die Allgemeinheit. Gruss
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