SPD-Spitzenpolitiker: Ein bisschen Angriff

Von Björn Hengst

Sigmar Gabriel macht Stimmung gegen die Banken, Peer Steinbrück spricht viel über sich selbst: Die SPD versucht in den Wahlkampf einzusteigen - aber wegen der ungeklärten Kanzlerkandidatenfrage wirkt die Partei eigentümlich gelähmt.

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SPD-Spitzenpolitiker Steinbrück, Gabriel, Steinmeier: Wer wird Kanzlerkandidat?

Hamburg/Berlin - Allein dieses Foto! Peer Steinbrück hat sich mal wieder an einem Schachbrett in Szene setzen lassen. In der rechten Hand hält er den weißen König, in seiner linken die schwarze Dame, ihr Kopf weist nach unten - sie ist also geschlagen und aus dem Spiel. "Wie wollen Sie die schwarze Dame schlagen, Herr Steinbrück?", fragt die "Bild am Sonntag" dazu und spricht mit dem SPD-Politiker im Interview über den kommenden Wahlkampf und Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Stratege Steinbrück also.

Spätestens seit seinem gemeinsamen Buch mit Altkanzler Helmut Schmidt ("Zug um Zug"), das die beiden auf dem Coverfoto beim Schachspiel zeigt, weiß jeder halbwegs politisch Interessierte, dass Steinbrück ein großer Freund des Brettspiels ist. Die Bebilderung des Zeitungsinterviews dürfte also auch der Koketterie des 65-Jährigen gedient haben. Denn die Frage, wen Steinbrück als möglichen Merkel-Bezwinger sieht, stellt sich erst gar nicht, schließlich hält er den siegreichen König selbst in der Hand.

Die Sache ist nur so, dass Steinbrück das nicht offen sagen kann. Noch immer ist unklar, wen die Sozialdemokraten für die Bundestagswahl im kommenden Jahr zum Herausforderer von Merkel küren. Steinbrück oder Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier oder doch Parteichef Sigmar Gabriel? Die Partei hat sich vor einer Weile wieder einmal eine Troika zusammengezimmert, erst nach der Landtagswahl in Niedersachsen im kommenden Jahr soll die Kandidatenfrage entschieden werden.

Und so druckst Steinbrück gleich an mehreren Stellen des Interviews herum. Frage: "Trauen Sie sich zu, Angela Merkel zu schlagen?" Antwort: "Jeder Kanzlerkandidat der SPD wird sich zutrauen, die CDU/CSU mit Frau Merkel zu schlagen." Man habe kein Interesse daran, "sich jetzt eine vorschnelle Verkündung aufdrücken zu lassen", sagt Steinbrück über die Kandidatendebatte.

Dennoch lässt er durchschimmern, dass er sich wohl gut vorstellen könnte, selbst anzutreten: Seine Frau würde es mit ihm als Rentner "nicht aushalten". Politische Erfahrung sei eine wichtige Qualität, und er werde offensichtlich von "vielen noch nicht als politisches Auslaufmodell" gesehen.

Gabriels Abrechnung mit den Banken

War das jetzt ein neuer Vorstoß für die Kanzlerkandidatur? Wenn ja, dann war Steinbrück am Wochenende nicht der einzige aus der Troika, der in dieser Sache auf sich aufmerksam gemacht hat. Parteichef Gabriel meldete sich aus der Elternzeit mit einem Thesenpapier zur Macht der Banken zu Wort. Sie würden unter anderem Staaten erpressen, die Politik diktieren, "unanständige Gehälter" zahlen, Kunden "abzocken" und auf riskante Art und Weise mit dem Geld ihrer Sparer spekulieren. Die Bundestagswahl müsse deshalb "zu einer Entscheidung über die Bändigung des Banken- und Finanzsektors werden".

Das Papier kam passend nur wenige Tage nach der Entscheidung des Bundestages über Milliardenhilfen für marode spanische Banken. Zwar hatte die SPD zu großen Teilen für die Hilfe gestimmt, viele seien von dem Paket aber "überhaupt nicht überzeugt gewesen", hatte Steinmeier anschließend gesagt. Er habe die Zustimmung nur deshalb empfohlen, weil es nicht allein um Unterstützung für die Banken, sondern auch um Hilfen für die Realwirtschaft gegangen sei.

Die SPD schaltet offenbar zunehmend in den Wahlkampfmodus - sie hat dabei aber ein doppeltes Problem: Neben der ungeklärten Personalfrage sieht sie bislang auch thematisch relativ ratlos aus. Bei vielen Themen herrscht weitgehend Konsens zwischen den großen Parteien, etwa bei der Energiewende. Auch der Mindestlohn taugt nicht mehr als Wahlkampfthema, seitdem die Union ein Konzept für eine allgemein verbindliche Lohnuntergrenze für Bereiche ohne Tarifvertrag vorgelegt hat. Eurorettungsfonds ESM und Fiskalpakt? Die SPD sicherte Schwarz-Gelb im Parlament die nötigen Mehrheiten.

Der SPD kommt das kaum zugute, Merkel dagegen steht glänzend da: In Beliebtheitsrankings rangiert die Kanzlerin direkt hinter Bundespräsident Joachim Gauck. Steinmeier, Steinbrück und Gabriel liegen weit abgeschlagen hinter der Kanzlerin. Merkel regiert, und die SPD weiß noch nicht, wer sie vom Thron stoßen soll. Das wirkt auf Dauer nicht besonders überzeugend.

Wachsende Nervosität

Überhaupt wächst wegen Merkels unangefochtener Position inzwischen die Nervosität in der SPD. "Wir dürfen nicht den Fehler machen, auf die Umarmungsstrategie von Angela Merkel hereinzufallen. Wir müssen die Unterschiede noch deutlicher herausstellen und unsere Kernbotschaften stärker betonen", sagte der bayerische SPD-Chef Florian Pronold dem "Focus".

Hilfreich wäre da wohl auch ein klares personelles Angebot. Längst gibt es unter Sozialdemokraten die Überzeugung, dass sich die Troika-Idee inzwischen abgenutzt hat. Steinbrück, Steinmeier und Gabriel wollen davon aber offenbar nichts wissen. Vor ihrer Reise zu Frankreichs Präsident François Hollande machten sie Mitte Juni Witze darüber, was passieren würde, wenn die Partei ein marodes Flugzeug bestellt habe. Das Flugzeug kam heil an. Es wird in den nächsten Wochen wohl noch den einen oder anderen Troika-Witz geben.

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insgesamt 52 Beiträge
cinder_cone 22.07.2012
... zum Dreigestirn - oder waren sie das nicht immer schon? Mit denen braucht Frau Merkel keine Kanzler(etten)mehrheit - klappt auch so.
... zum Dreigestirn - oder waren sie das nicht immer schon? Mit denen braucht Frau Merkel keine Kanzler(etten)mehrheit - klappt auch so.
fortion 22.07.2012
Wer soll den eine "Opposition" wählen, die der großen Kanzlerin so überservil ergeben ist und alles willig und unterwürfig absegnet, was diese befiehlt? Ich bin kein Anhänger von Frau Merkel, aber eine Opposition, [...]
Zitat von sysopSigmar Gabriel macht Stimmung gegen die Banken, Peer Steinbrück spricht viel über sich selbst: Die SPD versucht in den Wahlkampf einzusteigen - aber wegen der ungeklärten Kanzlerkandidatenfrage wirkt die Partei eigentümlich gelähmt. Ungeklärte Kanzlerkandidatenfrage lähmt die SPD - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,845783,00.html)
Wer soll den eine "Opposition" wählen, die der großen Kanzlerin so überservil ergeben ist und alles willig und unterwürfig absegnet, was diese befiehlt? Ich bin kein Anhänger von Frau Merkel, aber eine Opposition, die zur Schau nur ein wenig knurrt und bellt wie ein ungezogenes Hündchen, sich dann aber auf einen scharfen Blick der Herrin auf den Rücken wirft und kuscht ist für mich nicht wählbar. Diese Opposition hat doch nichts weiter zu bieten als bedingungslose Gefolgschaft zur Regierung. Das brauche ich nicht.
Leider hat die SPD einen erheblichen Anteil an der heutigen ökonomischen Situation. Ihre Aussagen sind deshalb kaum glaubwürdig und müssen kritisch hinterfragt werden. In ihrer Regierungszeit wurden die Grundsteine für [...]
Zitat von sysopSigmar Gabriel macht Stimmung gegen die Banken, Peer Steinbrück spricht viel über sich selbst: Die SPD versucht in den Wahlkampf einzusteigen - aber wegen der ungeklärten Kanzlerkandidatenfrage wirkt die Partei eigentümlich gelähmt. Ungeklärte Kanzlerkandidatenfrage lähmt die SPD - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,845783,00.html)
Leider hat die SPD einen erheblichen Anteil an der heutigen ökonomischen Situation. Ihre Aussagen sind deshalb kaum glaubwürdig und müssen kritisch hinterfragt werden. In ihrer Regierungszeit wurden die Grundsteine für diese Fehlentwicklungen im Bankenbereich gelegt, mit diesen Verantwortungen jedoch möchte man sich lieber nicht auseinandersetzen. Auch die erkennbaren Fehlentwicklungen innerhalb der Eurozone waren für die SPD niemals ein Grund, dies in Brüssel vorzutragen (Leistungsbilanzsalden, EZB-Politik (Zinspolitik), private Verschuldungen der Haushalte und der Unternehmen). Auch durch ihre Steuerpolitik hat die SPD diese heutige Situation ermöglicht (steuerfreie Veräußerungsgewinne von Unternehmen, Verlustvorträge und deren Übertragungen auf Tochtergesellschaften).
pewehh 22.07.2012
Steinbrück wird es nicht, ist zu eigen und zu norddeutsch. Gabriel erst recht nicht, hat zu wenig Rückgrat. Steinmeier ist schon gescheitert. Gute Chancen hätte nur Hannelore aus NRW, die hat Bürgernähe, Kampfgeist und kann [...]
Steinbrück wird es nicht, ist zu eigen und zu norddeutsch. Gabriel erst recht nicht, hat zu wenig Rückgrat. Steinmeier ist schon gescheitert. Gute Chancen hätte nur Hannelore aus NRW, die hat Bürgernähe, Kampfgeist und kann unpopuläre Entscheidungen treffen und verkaufen. Alles wunde Punkte bei Mutti, aber - sie will ja nicht. Also sieht es leider duster aus...
grumpy-berlin 22.07.2012
Die starke Frau der SPD muss noch ein paar Jahre warten...Alles läuft auf Steinmeier raus..Ist zwar zahnlos und grottenlangweilig aber jemanden auf dem man sich einigen kann/wird... Gabriel ist nur bei den Genossen beliebt, sonst [...]
Die starke Frau der SPD muss noch ein paar Jahre warten...Alles läuft auf Steinmeier raus..Ist zwar zahnlos und grottenlangweilig aber jemanden auf dem man sich einigen kann/wird... Gabriel ist nur bei den Genossen beliebt, sonst aber nicht vermittelbar für das breite Publikum und sein Populismus nervt nur... Steinbrück ist für die Linken nicht vermittelbar. Also im Looser Team wird sich dann nur Steinmeier durchsetzen können und wieder an seiner Position als kleiner Partner in einer kommenden großen Koalition arbeiten...
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  • Sonntag, 22.07.2012 – 19:06 Uhr
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