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Unicef-Vergleichsstudie: Kinder in Deutschland leben schlechter als in vielen EU-Staaten

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Kinderfreundliches Deutschland? Von wegen. Heranwachsende leben hierzulande deutlich schlechter als in vielen Nachbarstaaten. In einem internationalen Vergleich landet die Bundesrepublik auf Rang elf - weit hinter den führenden Ländern Niederlande und Schweden.

Berlin/Hamburg - Deutschland-wird-kinderfreundlich.de heißt eine Internetseite des Bundesfamilienministeriums und vermutlich ist vor allem das kurze und in die Zukunft weisende Wort wird gut gewählt: Denn derzeit ist die Lage nicht gut. Einer Studie des Uno-Kinderhilfswerks Unicef zufolge ist die Lage der Kinder in Deutschland im Vergleich zu anderen Industrienationen nur durchschnittlich. Demnach landet Deutschland unter 21 untersuchten Ländern lediglich auf Rang elf.

Kinder in Deutschland: Ihre materielle Situation ist deutlich schlechter als in vielen anderen Industrienationen
DDP

Kinder in Deutschland: Ihre materielle Situation ist deutlich schlechter als in vielen anderen Industrienationen

Den Spitzenplatz belegen die Niederlande, vor Schweden, Dänemark, Finnland, Spanien, der Schweiz und Norwegen. Am schlechtesten schnitt Großbritannien ab.

Deutschland stehe "überhaupt nicht gut da", sagte Heide Simonis, die Vorsitzende von Unicef-Deutschland, heute im Bayerischen Rundfunk. In Deutschland müsse etwas geschehen. Simonis sprach sich unter anderem für mehr Ganztagsschulen, mehr Angebote für frühkindliche Betreuung und eine Einbeziehung der Kinder in die Politik durch Kinder- und Jugendräte aus.

Politik für Kinder sei in Deutschland "meist nur Mittel zum Zweck, um Arbeitsmarktprobleme zu entschärfen oder die Rentenkassen zu füllen", sagte Hans Bertram, Professor an der Berliner Humboldt-Universität, der den internationalen Vergleich durch eine vertiefende Studie für Deutschland ergänzt hat.

In der Unicef-Studie werden die materielle Situation, Gesundheit, Bildung, Beziehungen zu Eltern und Gleichaltrigen, Lebensweise und Risiken sowie die eigene Einschätzung der Kinder und Jugendlichen verglichen. Durch die Zusammenfassung "aller Einzeldimensionen in ein gemeinsames Ranking wird deutlich, dass sich Deutschland vor allem durch sein Mittelmaß auszeichnet", heißt es in der Studie. Es handelt sich laut Unicef um die erste internationale Vergleichsstudie zur Situation der Kinder in Industriestaaten.

Den besten Wert erreicht Deutschland bei der Einschätzung der Jugendlichen und Kinder zur eigenen Lebenssitutation und dem eigenen Wohlbefinden - in dieser Kategorie landet Deutschland auf Rang 9, bei der materiellen Situation dagegen lediglich auf Platz 13.

Der Studie zufolge entscheidet nicht die Wirtschaftsleistung eines Staates allein über die materielle Situation von Kindern. Dem Nachwuchs in Tschechien gehe es etwa trotz einer deutlich geringeren Wirtschaftsleistung materiell insgesamt besser als Kindern in Deutschland, Italien oder Japan.

Kritik übt die Studie auch an dem in Deutschland verbreiteten Bild berufstätiger Mütter: Sie würden "noch häufig so gesehen, dass sie sich möglicherweise nicht genug um die Kinder" kümmerten. Andererseits würden der Mutter und Hausfrau "auch keine besondere Wertschätzung entgegengebracht".

Simonis zufolge gibt es aber auch positive Ergebnisse für Deutschland. So sei zum Beispiel die Aggressivitätsrate unter Kindern und Jugendlichen vergleichsweise niedrig. Beunruhigend sei dagegen, dass in Deutschland mehr Jugendliche unter 15 Jahren als in allen anderen untersuchten Ländern rauchen würden. Zudem hätten fast 40 Prozent der befragten Kinder angegeben, dass ihre Eltern mit ihnen "nie richtig reden würden". Dagegen sagen in Ungarn 90 Prozent der Teenager, dass ihre Eltern regelmäßig mit ihnen sprechen; in Italien über 85 Prozent.

mit Material von dpa/AFP

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