Debatte um Homo-Gleichstellung: "Ich bin nicht der einzige Schwule in der CDU"

Der Vorstoß von 13 CDUlern zur steuerlichen Gleichstellung homosexueller Paare spaltet die Union. Stefan Kaufmann ist einer der 13 - und der einzige Abgeordnete in der Bundestagsfraktion, der offen schwul ist. Im Interview spricht er über sein Outing und Homosexualität in der Politik.

SPIEGEL ONLINE: Herr Kaufmann, Sie sind unter den 13 CDUlern, die eine Initiative zur steuerlichen Gleichstellung homosexueller Partnerschaften gestartet haben. Wieso bringen Sie das Thema in der Sommerpause?

Kaufmann: Ende Juni hat der Bundestag auf Antrag der Grünen über eine Öffnung der Ehe für Homosexuelle abgestimmt. Es war deutlich erkennbar, dass Abgeordnete aus CDU und FDP Bauchschmerzen dabei hatten, gegen den Antrag zu stimmen, der gleichgeschlechtlichen Paaren das Recht zur Eheschließung einräumen sollte - einige haben sich enthalten. Nach diesem Stimmungsbild haben wir zusammen mit dem Bundesverband der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) entschieden, jetzt in die Offensive zu gehen und nicht dem Bundesverfassungsgericht hinterherzulaufen.

SPIEGEL ONLINE: Finanzminister Wolfgang Schäuble bremst die steuerliche Gleichstellung von homosexuellen Paaren. CSU-Politiker fürchten um die besondere Stellung der Ehe. Wie empfinden Sie die Reaktionen aus der CDU und auch CSU?

Kaufmann: Schäuble muss ja schon qua Amt skeptisch sein, schließlich würde eine steuerliche Gleichstellung von homosexuellen Lebenspartnerschaften 30 Millionen Euro kosten. Es haben sich aber auch bereits zahlreiche prominente Kollegen, wie Familienministerin Kristina Schröder, Dagmar Wöhrl von der CSU und auch Schäubles Schwiegersohn, der baden-württembergische CDU-Chef Thomas Strobl unserer Forderung angeschlossen.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es Anfeindungen?

Kaufmann: Ich habe heute morgen eine sehr unverschämte E-Mail bekommen, in der es ums Adoptionsrecht für Homosexuelle geht. Darin schreibt der Absender aus Würzburg, wenn das Kind sechs Jahre alt sei, würde es begreifen, wie eklig das sei, was seine Eltern machten. Aber das ist die Ausnahme. Ich habe das Gefühl, dass sich auch unter Konservativen die Stimmung ändert. Nach einem Interview, das ich im bayerischen Rundfunk gegeben habe, haben zwei Drittel der Anrufer sich für die steuerliche Gleichstellung ausgesprochen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind der einzige CDU-Bundestagsabgeordnete, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt. Ist es in der CDU schwerer als in anderen Parteien schwul zu sein?

Kaufmann: Sicherlich nicht schwieriger als in der SPD - die Partei ist noch stärker überaltert, oft auch sehr strukturkonservativ. Aber gerade in meiner Anfangszeit in der Stuttgarter Politik habe ich, als ich mit meinem Partner bei Veranstaltungen war, doofe Blicke abbekommen und den ein oder anderen Spruch. Jetzt begegnen mir Vorurteile gegen Schwule eher zufällig.

SPIEGEL ONLINE: Wann zum Beispiel?

Kaufmann: Zum Beispiel wenn Volker Beck im Bundestag redet und ich neben einem Kollegen sitze, der vielleicht nichts von meiner Homosexualität weiß. Da werden dann Sprüche gerissen, Witze, Herrenwitze, die sich aber eben gegen Männer richten. Und ich bin ja sicher nicht der einzige Schwule in der CDU - es gibt viele, die mir sagen: So wie du könnte ich in meinem Wahlkreis nicht auftreten. Besonders in Ostdeutschland ist das ein Problem. Aber ich merke eine unverkrampftere Grundhaltung bei Kollegen, die ähnlich veranlagt sind wie ich, aber nicht offen damit umgehen, seit ich in der Fraktion bin.

SPIEGEL ONLINE: In der CSU gibt es Norbert Geis, der Homosexualität in der Vergangenheit als "nicht naturgemäß" und als "Sünde" bezeichnete.

Kaufmann: Der Hardliner Geis scheint milder geworden. Übrigens schreibe ich ihm seit Jahren eine Karte zum Geburtstag. Kürzlich saßen wir zusammen in einer Sendung - ich bin nicht sicher, ob er vorher wusste, dass ich schwul bin. Aber freundlich grüßen tut er.

SPIEGEL ONLINE: Ist die Union attraktiv für schwule Wähler?

Kaufmann: Jedenfalls muss ich mir oft anhören: Warum bist du als Schwuler in der CDU? Meine Antwort ist dann immer: "Weil ich eben nicht nur schwul bin." Ich möchte auch nicht darauf reduziert werden und keine Ikone der Schwulenbewegung werden wie Volker Beck. Deshalb habe ich mich bei dem Thema bislang auch ziemlich zurückgehalten.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie sich geoutet?

Kaufmann: Ich habe mich erst um meinen 30. Geburtstag herum geoutet, zu dem Zeitpunkt fing ich auch in der Politik an. Als ich für den Vorsitz in einem Stuttgarter Bezirk kandidieren wollte, habe ich sofort klar gemacht: "Ich bin offen schwul, ich will mich nicht verstecken. Wenn ihr ein Problem damit habt, lasse ich es!" Es war so, wie es oft ist: Die, von denen man denkt, dass sie total tolerant sind, sind es nicht - und umgekehrt.

SPIEGEL ONLINE: Tauschen Sie sich aus mit anderen Politikern, die sich geoutet haben aus?

Kaufmann: Natürlich gibt es interfraktionelle Kontakte, das Thema verbindet einfach. Im Bildungsausschuss etwa sitzen mehrere Homosexuelle, mit denen ich mich gut verstehe. Aber mit Guido Westerwelle habe ich noch nicht übers Schwulsein gesprochen.

Das Interview führte Anna Reimann

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insgesamt 11 Beiträge
Sapientia 10.08.2012
Es ist doch völlig unbedeutend, ob ein sog. Politiker schwul ist oder doof. Im übrigen langweilen Ihre Redakteure mit diesen kindhaften und provinziell anmutenden Themenauswahlen. Für wen wurde der Titel: Spiegel erdacht, [...]
Zitat von sysopStefan Kaufmann ist der einzige CDU-Bundestagsabgeordnete, der offen schwul ist - im Interview spricht der Politiker über sein Outing, Homosexualität in der Politik und die aktuelle Initiative zur steuerlichen Gleichstellung schwuler Paare. Union: CDU-Politiker Kaufmann spricht über Homosexualität - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,849073,00.html)
Es ist doch völlig unbedeutend, ob ein sog. Politiker schwul ist oder doof. Im übrigen langweilen Ihre Redakteure mit diesen kindhaften und provinziell anmutenden Themenauswahlen. Für wen wurde der Titel: Spiegel erdacht, für die kindlichen Redakteure? Sicherlich nicht.
knupauger 10.08.2012
Homosexuelle Menschen haben sich nicht für ihre sexuelle Orientierung entschieden, um gegen Strom zu schwimmen, um edgy zu sein oder um sie zu ärgern. Sie sind es einfach. Von Geburt an (streng genommen seit etwa des zweiten [...]
Zitat von aramis45Ich kann solche Menschen nicht verstehen und hoffe, daß mit dem Aufziehen des Islams in Deutschland des Thema mit Schwulen und Lesben endlich verschwindet!
Homosexuelle Menschen haben sich nicht für ihre sexuelle Orientierung entschieden, um gegen Strom zu schwimmen, um edgy zu sein oder um sie zu ärgern. Sie sind es einfach. Von Geburt an (streng genommen seit etwa des zweiten oder dritten Monats der Schwangerschaft, wenn ich mich nicht irre). Warum sollte homosexuellen Menschen nun das Recht auf ein erfülltes Leben verwährt bleiben? Weil ihnen bei dem Gedanken, was Homosexuelle im Schlafzimmer treiben, das Frühstück hoch kommt? Das Problem sollten sie mit sich selbst ausmachen und nicht auf die Homosexuellen abwälzen.
Eutighofer 10.08.2012
Der CDU-Bürgermeister von Schwäbisch Gmünd lebt offen in einer Homo-Ehe . Er wurde 2009 mit großer Mehrheit in der konservativen, katholischen Stadt zum Oberbürgermeister gewählt, seine Homosexualität war bekannt aber [...]
Der CDU-Bürgermeister von Schwäbisch Gmünd lebt offen in einer Homo-Ehe . Er wurde 2009 mit großer Mehrheit in der konservativen, katholischen Stadt zum Oberbürgermeister gewählt, seine Homosexualität war bekannt aber interessierte bei der Wahl nicht.
hubertrudnick1 10.08.2012
Der Mensch ist nun mal so wie er ist, keiner hat das Recht einen anderen da hinein zu reden. Mir ist es völlig egal, wer mit wem zusammenlebt und wer mit wem was macht, wichtig ist nur das die Beiden auch glücklich werden.
Zitat von knupaugerHomosexuelle Menschen haben sich nicht für ihre sexuelle Orientierung entschieden, um gegen Strom zu schwimmen, um edgy zu sein oder um sie zu ärgern. Sie sind es einfach. Von Geburt an (streng genommen seit etwa des zweiten oder dritten Monats der Schwangerschaft, wenn ich mich nicht irre). Warum....
Der Mensch ist nun mal so wie er ist, keiner hat das Recht einen anderen da hinein zu reden. Mir ist es völlig egal, wer mit wem zusammenlebt und wer mit wem was macht, wichtig ist nur das die Beiden auch glücklich werden.
MrSelfDestruct 10.08.2012
Homosexualität ist erst dann kein Problem mehr, wenn solche "Nachrichten" niemanden mehr interessieren.
Homosexualität ist erst dann kein Problem mehr, wenn solche "Nachrichten" niemanden mehr interessieren.
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  • Freitag, 10.08.2012 – 08:02 Uhr
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Zur Person
  • Stefan Kaufmann, geboren 1969, ist Jurist. Seine ersten politischen Erfahrungen sammelte er als Mitarbeiter im Europäischen Parlament. 1999 trat Kaufmann in die CDU ein. Seine politische Karriere begann er 2001 als Sprecher des Bezirksbeirats der CDU in Stuttgart-Sillenbuch. 2009 hat Kaufmann sich bei den Bundestagswahlen als Direktkandidat in seinem Stuttgarter Wahlkreis gegen Grünen-Chef Cem Özdemir durchgesetzt. Kaufmann ist im Bundestag Mitglied des Bildungsauschusses. Im Mai 2011 wurde er zum Kreisvorsitzenden der CDU in Stuttgart gewählt.






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