Unions-Strategie Merkel plant den Sonderwahlkampf Ost

Auf Druck der ostdeutschen CDU-Landesverbände wird die Union mit einer speziellen Strategie für Ostdeutschland in den Wahlkampf ziehen. So soll Kanzlerkandidatin Angela Merkel bei Auftritten in den neuen Ländern "als Ostdeutsche auftreten". Außerdem plant die Union eigene Plakate in der Ex-DDR.


Merkel: Wahlkampf im Osten "in Teilen anders"
DDP

Merkel: Wahlkampf im Osten "in Teilen anders"

Berlin - Bei einem Treffen mit CDU-Generalsekretär Volker Kauder am Montagabend seien entsprechende Vereinbarungen getroffen worden, berichtete der thüringische CDU-Generalsekretär Mike Mohring. "Das reicht von den Plakaten über die Kommunikation des Programms bis zu den Auftritten der Kanzlerkandidatin", sagte Mohring der "Berliner Zeitung". Merkel müsse bei ihren Veranstaltungen als Ostdeutsche auftreten und damit zeigen, dass die Wähler bei der Union gut aufgehoben seien. "Die Leute wollen die Identifikation spüren. Der Funke muss überspringen", sagte der CDU-Politiker.

Bei den Plakaten werde es in ganz Deutschland eine gemeinsame Grundlinie geben, die im Osten durch weitere Motive ergänzt werde, kündigte Möhring an. So könne beispielsweise auf die Erfolge der CDU-regierten Länder Thüringen und Sachsen bei der Pisa-Studie hingewiesen werden. Ziel der Strategie sei, den Zuspruch zur Linkspartei so weit zu schmälern, dass die Bildung einer schwarz-gelben Koalition im Bund nicht gefährdet werde.

Merkel sagte der "Süddeutschen Zeitung", der Wahlkampf in Ostdeutschland sei "in Teilen anders". Es sei wichtig, dort "die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit abzuholen". So dürfe die Union in Ostdeutschland nicht den Eindruck erwecken, als wenn die Arbeitslosen zumutbare Arbeitsplätze nicht annehmen wollten.

Einen speziell auf den Osten gemünzten Wahlkampf forderte auch der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Günter Nooke. "Die CDU muss sich stärker als Vertreter der ostdeutschen Interessen artikulieren", sagte er der "Neuen Presse". "Die Ostdeutschen können eine Ostdeutsche zur Kanzlerin machen." Je mehr Stimmen aus den neuen Ländern die CDU erhalte, desto mehr müsste eine Kanzlerin Merkel nach der Wahl die Interessen des Ostens berücksichtigen.

Eine eigene Wahlstrategie der Union in den neuen Ländern lehnte dagegen der CDU-Chef in Mecklenburg-Vorpommern, Eckardt Rehberg, ab: "Wir brauchen keinen Sonderwahlkampf Ost." Die CDU sei eine gesamtdeutsche Partei. "Wir müssen die Stärken unseres Programms deutlicher machen und die Wähler besser über die Linkspartei aufklären." Die geplanten tariflichen Öffnungsklauseln und die Kombi-Löhne würden für wichtige Impulse auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt sorgen, sagte Rehberg.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.