Eckpunktepapier Union will einzelne Managergehälter offenlegen

Die Union will die Bezüge von Managern stärker regulieren. Nun werden erste Eckpunkte bekannt: Jeder Vorstand soll künftig sein Gehalt offenlegen müssen. Die Wirtschaft ist empört.

Diskussion um Managergehälter: "Auch Boni und Nebenvergütungen offenlegen"
Corbis

Diskussion um Managergehälter: "Auch Boni und Nebenvergütungen offenlegen"


Berlin - Ein erstes Eckpunktepapier der Unionsfraktion befeuert die Diskussion um Managergehälter. Darin ist vorgesehen, dass die Bezüge einzelner Manager offengelegt werden müssten. Bislang werden die Gehälter nur als Gesamtsumme ausgewiesen.

Konkret heißt es in dem Papier von Unionsfraktionsvize Michael Fuchs, über das zunächst das "Handelsblatt" berichtete: "Mit Blick auf die geplanten Vergütungen sind dabei neben Grundgehältern auch Boni und Nebenvergütungen (Pensionen, aber auch etwa Fahrzeuge, Personal u. a.) offenzulegen."

Hauptversammlungen könnten zudem künftig verbindlich über die Vergütungen abstimmen. Das Fuchs-Papier sieht aber auch vor, dass eine "übertriebene Regulierung" verhindert werden solle.

Die Debatte über die Managergehälter war nach dem Erfolg der "Volksinitiative gegen die Abzockerei" in der Schweiz auch in Deutschland neu entbrannt. Die Schweizer Initiative soll erreichen, dass künftig die Aktionäre von Unternehmen über Spitzengehälter entscheiden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstützt Überlegungen, eine ähnliche Regelung auf EU-Ebene einzuführen. Sie kritisiert die "Maßlosigkeit" einiger Managergehälter. Es habe sich gezeigt, dass es nicht ausreiche, das Thema ausschließlich der Selbstregulierung der Wirtschaft zu überlassen.

Bei der Wirtschaft stoßen solche Überlegungen auf Skepsis und Kritik. "Mit den Plänen zur gesetzlichen Neuregulierung bei der Vorstandsvergütung liefert die Regierung einen echten Wahlkampf-Schnellschuss", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, zu SPIEGEL ONLINE. "In Deutschland besteht kein Bedarf für eine gesetzliche Neuregulierung."

Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, warnt vor übereilten Konsequenzen aus der Debatte um Managergehälter. "Ich bin schon dafür, dass für gute Leistung auch gute Gehälter gezahlt werden, das schließt die Gehälter von Spitzenmanagern ein", sagte er der "Welt" Natürlich gebe es Gehälter, "die jenseits der Vorstellungen eines mittelständischen Unternehmers liegen". Dies seien aber nur Ausnahmefälle.

Diskutiert wird auch die gesetzliche Deckelung von Managergehältern - das wird aber in dem neuen Eckpunktepapier abgelehnt. Generell gelte, dass die Eigentümer "selbst wissen, was sie sich an Vergütungen leisten wollen". Auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hält nichts davon, wie sie am Donnerstag bekräftigte. Die Ministerin will per Gesetz die Hauptversammlungen stärken, um den Anteilseignern so mehr Entscheidungsrechte bei der Vergütung von Top-Managern zu geben.

kgp/AFP/Reuters

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
fraecael 14.03.2013
1. optional
Selbstregulierung der Märkte = Faustrecht
20099 14.03.2013
2. optional
Populistischer Wahlkampftrick! Die sollen mal lieber ganz andere Zahlen offenlegen: Kosten und Dauer von H4-Bezug aufgeschlüsselt nach Herkunftsländern der Empfänger, Straftaten und Gefängnisinsassen detailliert nach Staatsangehörigkeit, volkswirtschaftlicher und privatwirtschaftlicher Schaden/Kosten dadurch, usw. - Dann würden die Wähler mal so richtig die Ohren anlegen! Die paar Milliarden die an Managergehältern in der Privatwirtschaft fließen sind dagegen Peanuts!
FrankDr 14.03.2013
3. wirtschftspsychologie
Wer sich mal damit beschäftigt hat, weiß dass die erste Gehälterexplosion geschah, NACHDEM die NYT damals Gehälterranglisten veröffentlichte, da der Mensch sich eben immer vergleicht und einige eben nicht damit klar kamen, dass Andere in ähnlicher Stellung mehr verdienen
eigene_meinung 14.03.2013
4. Limit
Es ist höchste Zeit, dass gesetzlich geregelt wird, um welchen Faktor das Vorstandsgehalt eines Konzerns vom durchschnittlichen Mitarbeitergehalt (einschließlich Leiharbeiter) abweichen darf. Dieser Faktor sollte wohl in der Größenordnung 50 liegen.
luxus64 14.03.2013
5. Die Scheinheilige CDU Politik.
So arbeitet Merkel und Kauder vor der Wahl und nach der Wahl dürfen wieder die Managergehälter steigen. Wenn das die Liebhaber von Merkel das falsche Spiel nicht merken, dann tuen die mir Leid. Der Fuchs von der CDU soll doch erst einmal seine Nebenverdienste im Bundestag offenlegen ehe er sich zu weit aus dem Fenster lehnt. Es stimmt wirklich "die dümmsten Kälber wählen ihren Schlächter selber ". Wähler, denkt nach ob die CDU nicht mit falschen Argumenten euch kötern will und Merkel und Kauder jetzt nur schwätzen um ihren Machterhalt durch solche falschen Äußerungen nur erhalten wollen. Die CDU ist eine LügenPartei und denkt nur an ihre Macht aber nicht an das deutsche Volk.
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