Unionsfraktionschef Kauder droht Gegenkandidatur

Amtsinhaber Volker Kauder droht bei der anstehenden Wahl zum Unionsfraktionschef eine Gegenkandidatur: Nach SPIEGEL-Informationen erwägt der CDU-Politiker Ralph Brinkhaus eine Bewerbung für den Posten.

DPA

Von


Volker Kauder ist ein enger Vertrauter von Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel. Und deshalb schien seine Bestätigung bei der Wahl des Unionsfraktionsvorsitzenden am 25. September eine sichere Sache zu sein, nachdem sich die Wogen innerhalb und zwischen CDU und CSU wieder einigermaßen gelegt hatten. Doch nun droht Christdemokrat Kauder nach SPIEGEL-Informationen eine Gegenkandidatur: Sein Parteifreund und Fraktionsvize Ralph Brinkhaus (auch CDU) erwägt, sich ebenfalls für den Posten zu bewerben. Als erstes hatte die "Welt" über die mögliche Kampfkandidatur von Brinkhaus berichtet.

Der Haushaltspolitiker Brinkhaus, 50, sitzt erst seit 2009 im Bundestag, seit 2014 ist er einer der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Der CDU-Politiker vertritt im Bundestag den Wahlkreis Gütersloh I. Bei der Frage der Neuausrichtung der EU hat sich Brinkhaus im Frühjahr mit einem Papier profiliert, in dem er klare rote Linien bei der Frage zusätzlicher finanzieller Belastungen für Deutschland definierte.

Brinkhaus
DPA

Brinkhaus

Nach SPIEGEL-Informationen hat Brinkhaus sowohl mit Kauder als auch Merkel über seine mögliche Kandidatur gesprochen. Auch die "Neue Westfälische" berichtet über den Vorgang. Im Gespräch mit der Kanzlerin soll er dabei um ihre Unterstützung gebeten haben. In der Unionsfraktion ist es üblich, dass sich die Vorsitzenden von CDU und CSU auf einen gemeinsamen Vorschlag für den Fraktionsvorsitz verständigen und diesen dann einbringen. Möglich ist allerdings auch, dass ein Abgeordneter ohne diese Rückendeckung kandidiert.

Ob Brinkhaus nur mit Unterstützung von Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer antritt oder auch auf eigene Faust oder es sich nochmal ganz anders überlegt, steht nach SPIEGEL-Informationen noch nicht fest.

Kauder, 68, führt die Fraktion von CDU und CSU seit 13 Jahren. Nach der für die Union enttäuschenden Bundestagswahl im vergangenen September war der CDU-Politiker mit nur 77 Prozent im Amt bestätigt worden, 59 der 246 Unionsabgeordneten verweigerten ihm damals die Stimme - und das ohne Gegenkandidat. Dieses sehr schwache Ergebnis wurde seinerzeit allerdings auch als Denkzettel interpretiert, der eher Merkel galt.

Immer wieder Spekulationen über Neubesetzung des Fraktionsvorsitzes

Seitdem gab es immer wieder Spekulationen über den Abgang Kauders und eine mögliche Neubesetzung des Fraktionsvorsitzes und eine Verjüngung. So wurden Jens Spahn, inzwischen Bundesgesundheitsminister, zeitweise Ambitionen auf den Posten nachgesagt.

In den vergangenen Wochen schien man sich in der Unionsfraktion allerdings darauf eingestellt zu haben, dass alles wieder auf Kauder hinausläuft. Das zentrale Argument dafür: Bloß keine neue Aufregung nach all dem Streit, vor allem mit Blick auf die beiden Landtagswahlen in Hessen und Bayern im Oktober. Die mögliche Kandidatur von Brinkhaus kommt deshalb nun für viele überraschend.

Kauder hat schon vor Monaten eine erneute Kandidatur angekündigt, zuletzt sagte er der "Welt", in jedem Fall - also auch mit einem Gegenkandidaten - am 25. September anzutreten.

Videoanalyse: Wie geht es weiter mit der GroKo?

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.