Plagiatsaffäre: Unionspolitiker bedauern Schavans Rücktritt

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Schavan, Merkel: Rücktritt wegen Verlust des Doktortitels

"Schavan sollte in der Politik bleiben": Spitzenpolitiker von CDU und CSU haben ihre Solidarität mit Bildungsministerin Schavan erklärt. Ihr Rücktritt sei "bedauerlich und tragisch", sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. In einer Umfrage büßt die Union leicht an Zustimmung ein.

Berlin - Der Rücktritt von Bildungsministerin Annette Schavan wird von Oppositionspolitikern vergleichsweise zurückhaltend kommentiert. "Konsequent" nannte der Sozialdemokrat Thomas Oppermann den Schritt. Ähnlich äußerte sich Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin: Wegen des entzogenen Doktortitels habe Schavan ihr Amt nicht mehr glaubwürdig ausüben können. Von Häme ist wenig zu spüren.

Schavan war am Samstagnachmittag von ihrem Amt als Bildungsministerin zurückgetreten. Damit zog die CDU-Politikerin die Konsequenz aus dem Skandal um die Aberkennung ihres Doktortitels durch die Universität Düsseldorf am vergangenen Dienstag.

Führende Unionspolitiker reagierten mit Bedauern auf den Rücktritt. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer bezeichnete den Schritt als "bedauerlich und tragisch". Schavan sei "eine vorzügliche Ministerin auf diesem Feld" gewesen, sagte Seehofer der "Passauer Neuen Presse". "Ich habe der Kanzlerin gesagt, Frau Schavan sollte in der Politik bleiben."

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sagte, die Entscheidung Schavans sei in seiner Partei "mit großem Bedauern und Respekt" aufgenommen worden. Auch die Ministerpräsidenten Reiner Haseloff, Stanislaw Tillich und David McAllister zollten Schavan Respekt für ihre Entscheidung. Der scheidende Landeschef von Niedersachsen gratulierte zugleich Schavans Nachfolgerin Johanna Wanka zu ihrer Berufung. "Sie hat in Niedersachsen hervorragende Arbeit geleistet und sich deutschlandweit großes Ansehen in Wissenschaft, Forschung und Politik erworben. Sie wird eine gute Bundesministerin für Bildung und Wissenschaft", sagte McAllister.

Union verliert einen Prozentpunkt, Grüne legen zu

Unklar ist, ob die Affäre um Schavans Doktorarbeit Kanzlerin Merkel und der CDU geschadet hat. Eine Umfrage der "Bild am Sonntag" deutet jedenfalls darauf hin. Demnach sehen 62 Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut Emnid befragten Bundesbürger in der Plagiatsaffäre einen Nachteil für Union und Kanzlerin, nur 31 Prozent erkennen keinen Schaden. Bei den Anhängern von CDU/CSU fällt das Urteil noch deutlicher aus: Für mehr als zwei Drittel (68 Prozent) stellt die Doktortitel-Affäre einen Makel dar, für 28 Prozent nicht. Die Repräsentativität der Umfrage ist allerdings begrenzt. So befragte Emnid nur 505 Bürger, eine für bundesweite Umfragen geringe Zahl. Zudem fand die Befragung bereits am Donnerstag statt, also deutlich vor dem Rücktritt Schavans.

Im Sonntagstrend, den Emnid ebenfalls im Auftrag von "Bild am Sonntag" erhebt, verlor die Union einen Prozentpunkt und kommt nun auf 40 Prozent. Die Grünen gewannen demnach einen Punkt und stehen bei 15 Prozent. Alle anderen Parteien behielten den Wert der Vorwoche - die SPD steht bei 27 Prozent, die Linke bei sieben Prozent. FDP und Piraten würden mit jeweils vier Prozent den Einzug in den Bundestag verpassen.

cte/dpa

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insgesamt 132 Beiträge
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1.
dedie 10.02.2013
Zitat von sysop"Schavan sollte in der Politik bleiben": Spitzenpolitiker von CDU und CSU haben ihre Solidarität mit Bildungsministerin Schavan erklärt. Ihr Rücktritt sei "bedauerlich und tragisch", sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. In einer Umfrage büßt die Union leicht an Zustimmung ein. Unionspolitiker bedauern Schavans Rücktritt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/unionspolitiker-bedauern-schavans-ruecktritt-a-882455.html)
Es wäre auch sehr verwunderlich wenn ein/e CDU Politiker/in offen und ehrlich zugeben würde das er/sie froh über den Rücktritt ist. Es ist immer wieder das selbe alle bedauern den Rücktritt aber im Hintergrund werden sich die Hände gerieben.
2. Aus der Schusslinie
rainer_daeschler 10.02.2013
Zitat von sysopIn einer Umfrage büßt die Union leicht an Zustimmung ein.
Die Umfrage ist überflüssig wie ein Kropf. Eine ernsthafte Belastung der Sympathiewerte für die CDU wäre nur zu erwarten gewesen, wenn die Plagiatsaffäre sich in den Bundestagswahlkampf hineingezogen hätte und dort natürlich von den politischen Gegnern kräftig thematisiert worden wäre. So ist das aber in spätestens 2 Wochen kein Thema mehr und alle weiteren Meldungen dazu nur noch eine einspaltige Notiz in der Zeitung wert.
3. Tschä ....
Bono Beau 10.02.2013
Zitat von sysop"Schavan sollte in der Politik bleiben": Spitzenpolitiker von CDU und CSU haben ihre Solidarität mit Bildungsministerin Schavan erklärt. Ihr Rücktritt sei "bedauerlich und tragisch", sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. In einer Umfrage büßt die Union leicht an Zustimmung ein. Unionspolitiker bedauern Schavans Rücktritt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/unionspolitiker-bedauern-schavans-ruecktritt-a-882455.html)
Ist natürlich bedauerlich, wenn politischer Protektionismus mal nicht endlos funktioniert. Wir wollen doch mal festhalten: die junge Kommunalpolitikerin Schavan studierte an einer pädagogischen Hochschule und beeindruckte - als Kommunalpolitikerin - einen dort wesenden Lehrkörper derart, dass er ihr, die an einer PH nicht hätte promovieren können, nach der Intergration der PH in die Uni Düsseldorf selbige Promotion anbot und ihr als frisch gebackener Universitätsdozent flugs die sonst üblichen, zusätzlichen Prüfungen erließ. Schon war das hoffnungsvolle, politische Talent promoviert. Zu dumm, dass dann irgendwann das Internet kam..... und natürlich bedauerlich. Normalerweise hat Protektion ja zu funktionieren - und zwar endlos.
4. Respekt
fuenfringe 10.02.2013
Zitat von sysopCDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sagte, die Entscheidung Schavans sei in seiner Partei "mit großem Bedauern und Respekt" aufgenommen worden. Auch die Ministerpräsidenten Reiner Haseloff, Stanislaw Tillich und David McAllister zollten Schavan Respekt für ihre Entscheidung. Unionspolitiker bedauern Schavans Rücktritt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/unionspolitiker-bedauern-schavans-ruecktritt-a-882455.html)
habe ich vor McAllisters Entscheidung, sein Amt als Ministerpräsident niederzulegen. Moment: geht's noch? Keiner von diesen Vögeln verdient Respekt - die geben doch ihre Ämter nicht aus freien Stücken ab, sondern weil's nicht mehr anders geht! Schavan hat *Monate* rumgezogen, bis sie ihr Amt niedergelegt hat - obwohl klar war, dass es daruf rauslaufen würde. (Und ihr als ertappter Betrügerin doch mutmaßlich als erster.) Wie kann man vor solchem Gebaren Respekt haben? Was für Witzfiguren.
5. so gesehen...
straff&locker 10.02.2013
Ich bedaure den Rücktritt auch sehr. Hätte mir gewünscht Annette hält noch ein paar Monate an ihrem Amt fest - und die Schlammschlacht mit der Uni geht weiter - so bis auch der letzte Deutsche Bürger die Annette und die CDU/CSU als das erkannt hätte was sie ist/sind - ein Haufen von Flachzangen.
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