EU-Pläne für Bankenrettung: Unionspolitiker warnen vor Zypern-Methode

Zypern als Präzedenzfall - müssen künftig Großsparer die Euro-Rettung mitfinanzieren? Politiker der CDU erteilen solchen Plänen jetzt eine Absage: Die Einlagen auch reicher Bankkunden müssten unangetastet bleiben.

Geschlossene Bank in Zypern: Sorge um Spareinlagen in der Euro-Zone Zur Großansicht
DPA

Geschlossene Bank in Zypern: Sorge um Spareinlagen in der Euro-Zone

Berlin/Brüssel - Politiker der Koalition haben Pläne der EU-Kommission scharf kritisiert, wonach künftig auch reiche Sparer außerhalb von Zypern an der Rettung angeschlagener Banken beteiligt werden sollen. "Das Modell Zypern lässt sich nicht einfach eins zu eins auf ganz Europa übertragen. Zypern ist ein Spezialfall", sagte Unionsfraktionsvize Michael Meister der "Rheinischen Post".

In Zypern gehe es nicht um die Schieflage einer einzelnen Bank, sondern um einen überdimensionierten Bankensektor, der drastisch schrumpfen müsse. Das deutsche Gesetz zur Bankenrestrukturierung beteilige Eigentümer und Gläubiger eines Instituts an dessen Abwicklung, nicht aber die Sparer.

Auch der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Norbert Barthle, kritisierte die Pläne von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. "Ich habe größte Bedenken, das Vorgehen in Zypern zum Modell für ganz Europa zu machen. Das könnte das Bankensystem in Europa nicht verkraften", sagte Barthle der "Rheinischen Post".

Vertreter von EU und Euro-Gruppe hatten nach der Zypern-Rettung solche Lösungen angedeutet. Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hatte die Beteiligung von Anteilseignern, Gläubigern und Großkunden an Zyperns Bankenrettung zum möglichen Modellfall erklärt - und damit Verwirrung an den Märkten und in der Politik gestiftet.

Auch EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier ließ sich ähnlich zitieren. Seine Sprecherin hatte erklärt, laut einem Entwurf für die EU-Richtlinie zur Bankenrestrukturierung könnten künftig auch Sparer mit Einlagen von über 100.000 Euro herangezogen werden. Sie seien nicht vor einem Totalverlust geschützt. Die Sprecherin sagte, Zypern sei kein perfektes Modell, das man in Zukunft wieder nutzen wolle. Grundsätzlich sei es aber schon wünschenswert, dass der Steuerzahler aufhöre, für die Fehler der Banken zu zahlen.

Hollande: "Einlagensicherung ist unbedingtes Prinzip"

Die deutschen Bürger sorgen sich in der Euro-Krise um ihre Spareinlagen. Laut einer Forsa-Umfrage misstrauen 54 Prozent der Aussage von Kanzlerin Angela Merkel, dass die Spareinlagen im Lande sicher seien. Nur 41 Prozent glauben ihr. Insgesamt machen sich der Umfrage zufolge 67 Prozent der Deutschen große (26 Prozent) oder etwas (41 Prozent) Sorgen um ihr Erspartes.

Frankreichs Präsident François Hollande unterstrich bei einer Pressekonferenz mit dem spanischen Regierungschef Mariano Rajoy in Paris, die Einlagensicherung sei ein "unbedingtes Prinzip". Was in Zypern geschehe, sei "besonders und einmalig", sagte er. Ähnlich äußerte sich Rajoy.

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger übte scharfe Kritik am Rettungspaket für Zypern. "Die Signalwirkung für den Rest des Euro-Raums ist fatal. Das ist quasi ein Aufruf an die Anleger, ihr Geld abzuziehen, sobald sich auch nur die geringsten Probleme bei ihrer Bank zeigen", sagte Bofinger der "Passauer Neuen Presse". Die Verunsicherung der Anleger werde wachsen.

Bofinger kritisierte auch den Euro-Gruppen-Chef. "Die Äußerungen von Jeroen Dijsselbloem waren mehr als fahrlässig", sagte Bofinger. Einlagen bei Banken müssten zu 100 Prozent sicher sein. Sonst funktioniere das Bankensystem nicht.

fab/AFP/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 279 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Mutti will wiedergewählt werden
xees-s 27.03.2013
Da werden schnell alle Arm erklärt und Spareinlagen wie Aktien bis zur Grenze von 100 Millionen zu Kleinsparern erklärt. Vermögen von unter 100 Tausend können eh nur künftige H4ler sein deren Kleinvermögen vom Sozialamt eingezogen wird.
2. Mir kommen die Tränen...
ctulhu 27.03.2013
...vor Rührung. Da kümmert sich doch tatsächlich jemand um die Armen und Bedürftigen! Sorry, aber Zypern ist der einzige Weg, unser marodes Banksystem zu modernisieren. Auch ihr ein Blick ins gelobte Land - dort werden Banken reihenweise "pleite" gehen gelassen. Und "Überraschung, Überraschung" die USA leben immer noch... Es kann doch nicht sein, dass erhöhtes Risiko risikofrei bleibt! Defacto kann dann jede Bank in Zukunft mit Phantasiezinsen werben und der Steuerzahler übernimmt die Zeche. Top!
3. Reich schützt Reich
kiterdude 27.03.2013
Also wer glaubt den noch der guten Merkel ein einziges Wort, das aus ihrem Mund tropft? Die Reichen haben sich seit Jahrzehnten auf kosten der Armen ein sehr gutes Leben gegönnt. Wird doch mal Zeit das zurück zu zahlen und Dank zu sagen. Also ich würd das ganze recht fix erledigen. Alles über 100k geht in die Kasse, davon werden die Löcher gestopft, die die Reichen gerissen haben mit ihrer Gier.. der Rest.. denke wir finden was, das Sinn macht um das übrige Geld zu verwenden.
4.
PK2011 27.03.2013
War klar. Es wird versucht, Schadensbegrenzung zu betreiben. Die Mehrzahl der Bürger wird diesen Statements auch glauben, der intelligentere Teil ist dabei, umzuschichten. Das Problem ist nur noch mit der Re-Installation von Nationalwährungen zu lösen. Höchstwahrscheinlich der beste Weg, den Schaden einigermassen zu begrenzen.
5. Keine Angst !
Na Sigoreng 27.03.2013
Bei uns stand heute auf der Titelseite der Zeitng ebendiese Aussage, daß jeder der mehr als 100 TE auf dem Konto hat, "dran" ist. Die Tatsache, daß sowas öffentlich gedruckt werden kann, zeigt, was in den Köpfen der Politiker vorgeht ! Wir haben uns immer gefragt, wie der ganze Zauber bezahlt werden soll, es zeigt sich immer deutlicher, dass wir das alles mit unsrem Ersparten zahlen ! Daß auch über eine 50%ige Zwangshypothek auf Immobilien nachgedacht wird, zeigt in die gleiche Richtung. Es ist logisch, daß vor diesem Hintergrund vor der Umschichtung in Gold "gewarnt" wird, ist es doch viel schwieriger, den Leuten das Gold aus der Wohnung zu klauben, als eine Immobilie zu besteuern oder Geldvermögen einzukassieren. .... das ist alles nicht lustig und wird wohl noch viel unangenehmer, als wir glauben !
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS
alles zum Thema Schuldenkrise in Zypern
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 279 Kommentare
  • Zur Startseite