Haderthauers Modellauto-Affäre In die Irre geführt

Der Umgang von Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer mit der Modellauto-Affäre ist irritierend. Die CSU-Frau pflegt in dem Fall ein taktisches Verhältnis zur Wahrheit - und bewegt sich damit an der Grenze zur Lüge.

Bayerns Sozialministerin Haderthauer: Läppische Geschichte?
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Bayerns Sozialministerin Haderthauer: Läppische Geschichte?

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Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer und die Modellautos: Man kann darüber streiten, was man von ihrer Arbeit für eine kleine Firma namens Sapor vor 20 Jahren halten soll.

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Heft 23/2013
Die Drohnen-Affäre des Thomas de Maizière

Nur eine läppische Geschichte, weil das schon so lange her ist, sogar noch vor ihrer Zeit in der Politik? Oder anrüchig, weil ausgerechnet eine Ministerin, die heute für die forensische Psychiatrie zuständig ist, damals Geld mit einer Firma machen wollte, die exklusive Modellautos bauen ließ, von psychisch kranken Straftätern, zu mickrigen Stundenlöhnen? Mit gutem Recht kann man das obszön finden. Denn hinter der Firma, an der Christine Haderthauer beteiligt war, stand auch ihr Mann Hubert, der zuständige Therapeut in der Klinik, der seine Rolle als Arzt für die Geschäftchen schamlos ausgenutzt hatte.

Aber in Wahrheit geht es darum, was heute ist. Täuscht die Sozialministerin des Freistaats Bayern die Öffentlichkeit mit voller Absicht, führt sie in die Irre? Hat Christine Haderthauer gelogen? Haderthauer hat in der Affäre ein taktisches Verhältnis zur Wahrheit, und von den fünf Stufen, die hinaufführen zur Lüge, ist sie nun offenbar mindestens auf Stufe vier angekommen: die trickreiche Täuschung.

Stufe eins war ihr Schweigen. Vor drei Wochen deckten SPIEGEL und stern.de auf, dass der Arzt Hubert Haderthauer Modellautos verkauft hat, die ein handwerklich hochbegabter Dreifachmörder in den Bezirkskliniken Ansbach, später Straubing gebaut hatte. Die Ministerin hatte dazu alle Fragen abprallen lassen. Sie wolle sich zu den Vorwürfen gegenüber der Firma ihres Mannes nicht äußern, teilte ihre Sprecherin am 10. Mai mit.

Stattdessen ließ die Ministerin ihren Mann reden, und damit erreichten Christine und Hubert Haderthauer gemeinsam Stufe zwei: Verschweigen. Er sei, sagte der Gatte, "zeitweise Mitgesellschafter" von Sapor gewesen; die Firma "bestand meiner Kenntnis nach schon mehrere Jahre, bevor ich mich engagiert habe". Was er dabei verschwieg: dass vor ihm seine Frau Christine Gesellschafterin war, 13 Jahre lang, von 1990 bis 2003. Dazu aber kein Wort, nicht von ihm, nicht von ihr, obwohl das Thema Sapor beide anging.

Dass Christine Haderthauer selbst beteiligt war, deckte stern.de ein paar Tage später auf. Erst war sie mit einem Drittel eingestiegen, dann übernahm sie sogar die Hälfte der Firma. Ihre Reaktion: "Frau Haderthauer hat zu dem gesamten Sachverhalt bisher keine Stellungnahme abgegeben und wird dies auch künftig nicht tun", ließ ihre Pressestelle wissen.

Dann aber erreichte die Ministerin Stufe drei: nützliche Falschaussagen über sich öffentlich stehen zu lassen. Diese Falschaussagen besorgte ihr Mann: Obwohl seine Frau Teilhaberin gewesen sei, habe sie sich "nie für die Modellautos interessiert oder in irgendeiner Weise für Sapor engagiert", sagte Hubert Haderthauer. Das sei allein seine Sache gewesen. Und warum dann diese Firmenbeteiligung seiner Frau? Angeblich nur eine Formalie, weil das Geld dafür aus ihrer Familie gekommen sei.

Zu glauben, dass diese Aussagen nicht mit seiner Frau abgestimmt waren, erscheint lebensfremd. Aber wenn sie wirklich nichts damit zu tun hatte, wäre es nun Christine Haderthauers Pflicht als Ministerin gewesen, die Sache richtigzustellen. Doch sie schwieg weiter, offenbar hoffte sie, dass sie und ihr Mann damit durchkommen. Bis nun der SPIEGEL in den Besitz von Papieren von Roger Ponton kam, einem Mitgründer von Sapor. Seitdem ist es Ansichtssache, ob Ministerin Haderthauer nur Stufe vier auf dem Weg zur Lüge erreicht hat, die trickreiche Täuschung, oder ob sie bei fünf angekommen ist: Sie lügt.

Christine Haderthauer hatte eben nicht nur Geld in der Firma. Sie war Mitgeschäftsführerin, auch operativ tätig, in die Alltagsarbeit eingebunden. Sie war es schon durch ihre Stellung, denn die Geschäftsführung hatten die Gesellschafter laut Gründungsvertrag gemeinsam inne. Und sie war auch Geschäftsführerin, so wie sie agierte: Sie prüfte Eingänge auf dem Geschäftskonto, verschickte einen Blanko-Kaufvertrag für ein Modellauto, sie besorgte die Zollpapiere für eine Messe in Bern. Alles nachgewiesen durch alte Briefe, einige von ihren Anwälten, einige von ihr selbst.

Noch bevor das herauskam, hatte der SPIEGEL ihr einen Fragenkatalog zukommen lassen. Erst blockte ihre Pressestelle ab, dann aber äußerte sich die Ministerin plötzlich doch. Das Ende des Schweigens. Aber nicht des Verschweigens. Denn sie schrieb diesen Satz: "In dem Zeitraum, der stets dem öffentlichen Gewerberegister zu entnehmen war, bestand eine Beteiligung an der Firma Sapor, deren Geschäfte mein Mann geführt hat."

Da sprach nun die Juristin Haderthauer, um die Politikerin Haderthauer herauszuhauen, mit einer trickreichen Formulierung: Im Gewerberegister stand sie als Teilhaberin von Sapor nach Angaben der Stadt Ingolstadt erst am 1. Januar 1993. Die vorausgegangenen knapp drei Jahre, in denen sie beides war, Gesellschafterin und Geschäftsführerin, ließ Haderthauer in ihrer Antwort unter den Tisch fallen. Was man getrost als vorsätzliche Täuschung werten kann.

Denn ihr Mann übernahm von ihr die Geschäfte frühestens am 7. Oktober 1993, nicht schon im Januar. Erst an jenem Tag schickte der Franzose Ponton eine Vollmacht an Christine Haderthauer, dass sie auch in seinem Namen die Geschäfte führen darf. Mit dieser Vollmacht will sie dann angeblich sofort die gesamte Geschäftsführung an ihren Mann übertragen haben, übrigens ohne dass Mitgesellschafter Ponton davon unterrichtet worden sein soll - und wohl schon deshalb unwirksam. Aber das war eben erst Ende, nicht Anfang 1993. Nicht zum Zeitpunkt, als sie zum ersten Mal im Gewerberegister auftauchte.

Politiker fallen selten über den Skandal selbst, sie scheitern viel öfter daran, wie sie hinterher damit umgehen. Das kann nun auch Christine Haderthauer passieren. Es geht nicht mehr um Modellautos, es geht um Glaubwürdigkeit.

Christine Haderthauer täuscht, führt die Öffentlichkeit in die Irre und sagt, so wie ihre Aussagen allgemein verstanden werden, die Unwahrheit. Alles, um ihr Amt zu retten. Eigentlich genug, um es zu verlieren.

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Seite 1
glen13 07.06.2013
1.
Zitat von sysopDPADer Umgang von Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer mit der Modellauto-Affäre ist irritierend. Die CSU-Frau pflegt in dem Fall ein taktisches Verhältnis zur Wahrheit - und bewegt sich damit an der Grenze zur Lüge. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/unklare-aussagen-von-csu-ministerin-haderthauer-in-modellauto-affaere-a-904205.html
Diese Art von Menschen steht über dem gemeinen Volk und muss sich nicht offenbaren.
erwin777sti 07.06.2013
2. was soll das ? der Drehhofer hat doch g'sagt, dass für ihn alles aufgearbeitet sei ..
Zitat von sysopDPADer Umgang von Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer mit der Modellauto-Affäre ist irritierend. Die CSU-Frau pflegt in dem Fall ein taktisches Verhältnis zur Wahrheit - und bewegt sich damit an der Grenze zur Lüge. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/unklare-aussagen-von-csu-ministerin-haderthauer-in-modellauto-affaere-a-904205.html
ein paar Modellautos wird man sich doch wohl noch von Abhängigen erstellen lassen dürfen, wenn sie nicht gerade schwul sind, fragen S' doch den Dobrint, der wird's Eahne schon erklären können, gell !?
Starker Tobak 07.06.2013
3. Vor drei Wochen deckten SPIEGEL und stern.de auf....
Soweit ich weiß hat das Frau Prem auf ihren Blog ein-buch-lesen.de aufgedeckt. Der Spiegel ist im ganzen Fall Mollath (wozu ich dieses Thema hier zähle) noch gar nichts substantielles beigetragen.
jubelbube 07.06.2013
4. Da brat mir einen einen Storch!
Zitat von sysopDPADer Umgang von Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer mit der Modellauto-Affäre ist irritierend. Die CSU-Frau pflegt in dem Fall ein taktisches Verhältnis zur Wahrheit - und bewegt sich damit an der Grenze zur Lüge. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/unklare-aussagen-von-csu-ministerin-haderthauer-in-modellauto-affaere-a-904205.html
Das Volk zu Belügen ist Tagesgeschäft in der Politik.
sanibel123 07.06.2013
5. Unappetitlich das Ganze
Erst die Ausbeutung eines Gefängnis-Insassen: fragwürdiges Verhalten eines Arztes und dann der Umgang mit dem Vorgang. Die Beteiligung an einer Firma an sich ist ja nicht ehrenrührig, hat aber im Hinblick auf den "Produzenten" der Ware schon einen merkwürdigen Beigeschmack. Frau Haderthauer sollte sich umtaufen lassen: Hase, ich weiß von nix ! :-)
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