Unmut in der CDU: Merkel stellt sich dem Basis-Frust

Von Philipp Wittrock

Es rumort in der CDU. Nach der historischen Wahlschlappe in NRW und dem Röttgen-Rauswurf wächst die Unsicherheit in der Partei. Beim Treffen mit den Kreisfürsten will sich Angela Merkel die Sorgen der Basis anhören. Es könnte ein unangenehmer Termin für die CDU-Chefin werden.

CDU-Chefin Merkel: Basistreffen als Ventil für die UnzufriedenheitZur Großansicht
dapd

CDU-Chefin Merkel: Basistreffen als Ventil für die Unzufriedenheit

Berlin - Eigentlich kennt Angela Merkel das Spiel inzwischen. In der Partei rumort es, deutlich vernehmbar, aber doch schwer zu lokalisieren. Die CDU-Chefin lädt dann den christdemokratischen Unterbau nach Berlin in die Berliner Zentrale ein und hört sich an, was die Basis zu sagen hat: Dem einen kommen die konservativen Werte zu kurz, der andere hat Probleme mit dem Kurs der Kanzlerin, wieder anderen gefällt der Koalitionspartner nicht. Grund zum Meckern gibt es immer. Merkel nimmt die Kritik artig auf, verteidigt ihre Politik, und am Ende gibt es höflichen Beifall. Danke schön, auf Wiedersehen. Und weiter geht's.

So war es in den vergangenen Jahren. So soll es auch dieses Jahr wieder sein. Doch wirklich sicher sind sich die CDU-Strategen diesmal nicht, ob die Rechnung aufgeht, wenn die Kreisvorsitzenden an diesem Samstagvormittag zur Konferenz ins Konrad-Adenauer-Haus kommen. Rund 150 Funktionäre aus den insgesamt 327 Kreisverbänden werden erwartet - und bei denen hat sich reichlich Frust angestaut. So viel, dass einige Stunden offene Aussprache womöglich nicht als Ventil reichen.

  • Eine Wahl nach der anderen ist verloren gegangen, die jüngsten Pleiten liegen erst ein paar Wochen zurück. In Schleswig-Holstein hat die Union die Macht verloren, in Nordrhein-Westfalen stürzte sie ab.
  • Kurz darauf warf die Kanzlerin den einstigen Musterschüler Norbert Röttgen raus.
  • Und in den bundesweiten Umfragen geht der Trend nach unten.

Keine schönen Aussichten. "Die Mitglieder sind nach den verlorenen Landtagswahlen aufgewühlt", sagt der Bonner CDU-Kreisvorsitzende Philipp Lerch, "sie erwarten endlich Zusammenhalt und Mannschaftsgeist beim eigenen Führungspersonal." Tobias Krull, Chef des Magdeburger CDU-Kreisverbandes, mahnt: "Wir haben noch etwas mehr als ein Jahr bis zur Bundestagswahl, und in Anbetracht der bestehenden Herausforderungen ist das kein sehr langer Zeitraum." Gerade das Wahlergebnis in NRW müsse "ein Signal an die Union" sein. "Das war jetzt der x-te Warnschuss", sagt ein niedersächsischer CDU-Funktionär. "Wir müssen endlich aufwachen." So denken viele an der christdemokratischen Basis - und sie alle hoffen, dass auch die Spitze das Signal versteht.

Natürlich, werden Merkel und ihr Generalsekretär Hermann Gröhe am Samstag erklären, natürlich haben sie verstanden. Natürlich sind auch sie nicht glücklich, wenn die CDU im bevölkerungsreichsten Bundesland kaum mehr als 26 Prozent holt. Aber reicht allein das Verständnis? Reicht es, auf die brummende Wirtschaft zu verweisen, auf sinkende Arbeitslosenzahlen, darauf, dass das Land doch eigentlich ganz gut durch die Krise gekommen ist? Und das alles unter einer CDU-Kanzlerin.

"Miteinander reden statt übereinander"

Es reicht nicht, so lange die Parteimitglieder sehen, dass den Wähler diese Bilanz nicht sonderlich beeindruckt. Nicht, wenn gleichzeitig keine Machtoption jenseits einer Großen Koalition in Sicht ist. Die Vorsitzende weiß, sie hat ihrer CDU in den vergangenen Jahren viel zugemutet: die Modernisierung der Familienpolitik, die Abschaffung der Wehrpflicht, der Atomausstieg. Manch altgedienter CDU-Provinzfürst kommt da schon lange nicht mehr mit. Merkel hat diese Kurskorrekturen stets verteidigt. Doch inzwischen geht es um mehr als einen diffus gewordenen Markenkern. Es geht um Wählerstimmen - und je näher die Wahl 2013 rückt, umso lauter wird das Grummeln an der Basis.

Der Magdeburger Kreischef Krull fordert, dass sich die CDU endlich auf die Umsetzung ihrer Projekte, etwa der Energiewende, konzentriere. "Zum anderen ist es notwendig, dass wir als Union uns wieder geschlossener gegenüber der Öffentlichkeit zeigen." Es gelte das Motto: "Miteinander reden statt übereinander." Nur so werde es gelingen, die Popularität der Kanzlerin auch in Stimmen für die Union umzumünzen. "Eine sachliche Streitkultur ist wichtig für unsere Volkspartei, die Basis hat aber kein Verständnis für persönliche Eitelkeiten zu Lasten der gemeinsamen Ziele", sagt der Bonner Christdemokrat Lerch. "Wenn sich politische Führungskräfte wechselseitig öffentlich in den Regen stellen, überzeugen sie weder ihre Basis noch die Wählerinnen und Wähler."

Eine Anspielung auch auf den Rauswurf von Norbert Röttgen. In NRW sind derzeit besonders viele CDUler schlecht auf die Kanzlerin zu sprechen. Zwar war auch im eigenen Landesverband mit dem Wahlkampf des Spitzenkandidaten kaum jemand zufrieden, geschweige denn mit dem Ergebnis. Aber dass Merkel den Umweltminister ein paar Tage nach der Schlappe aus dem Kabinett entließ, empfanden viele als Affront gegen die NRW-CDU - zumal der Landesverband bei der notwendigen Neuvergabe der frei werdenden Posten nicht berücksichtig wurde. Auch zur Causa Röttgen dürfte Merkel also noch einmal Stellung nehmen müssen - selbst wenn sie persönlich längst mit der Angelegenheit abgeschlossen hat.

Am Samstagmittag wird die Kanzlerin wissen, ob sich das Treffen der Kreischefs als Auffangbecken für Kritik bewährt. Oder ob sie eine unangenehme Kursdebatte fürchten muss, die die Sommerpause empfindlich stören könnte. Dann könnte Merkel, so wird es in der Parteizentrale erwogen, im Herbst weitere Beruhigungspillen an der Basis verteilen - bei einer ganzen Reihe von Regionalkonferenzen. Damit die Chefin Ende des Jahres beim Bundesparteitag ein gutes Ergebnis trotz aller Kritik bei ihrer Wiederwahl einfahren kann.

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insgesamt 29 Beiträge
wibo2 02.06.2012
Bei der angeblich alternativlosen Finanzpolitik zur EURO Rettung weiß man echt nicht mehr, ob man lachen oder weinen soll...??? Anstatt weltweiter wirtschaftlicher Lähmung muss ein Ausweg aus der Banken- und Eurokrise [...]
Zitat von sysopEs rumort in der CDU. Nach der historischen Wahlschlappe in NRW ... wächst die Unsicherheit in der Partei. .... [/url]
Bei der angeblich alternativlosen Finanzpolitik zur EURO Rettung weiß man echt nicht mehr, ob man lachen oder weinen soll...??? Anstatt weltweiter wirtschaftlicher Lähmung muss ein Ausweg aus der Banken- und Eurokrise gefunden werden. Wenn die Aufgaben der faulen Kredite im Euro Bankensystem und der unterschiedlichen Wettbewerbsstärken in der Eurozone nicht angegangen werden, dann kann diese politische Ineffizienz weltweit eine Lähmung der Wirtschaft wegen lang anhaltender Ungewissheit bewirken. Nach den Merkel Jahren der fortschreitenden wirtschaftspolitischen Lähmung ist die Eurozone dann immer wieder was Banken- und Staatsschulden Rettungen angeht einem den Bürgern unbegreiflichen und blind erscheinenden Aktionismus unterworfen. Dieses heftige und überschwenglische handlungsorientierte unüberlegt erscheinende Tun zugunsten der Banken, Konzerne und Superreichen, zu Lasten der einfachen Bürger kennt nur gute Absichten, denen niemals Fakten und Ergebnisse folgen. Nur Eines scheint sicher zu sein: Die EuroZone darf nicht in eine Art permanenter Ungewissheit, in Unbeweglichkeit oder schlimmer noch in Lähmung abgleiten. Außerdem ist die wirtschaftliche und menschliche Lähmung keine Form zur Lösung des Konflikts, und eine Politik dieser Art führt nur zur Stärkung der Extremisten auf beiden Seiten. Den Bankern und anderen Verfechtern der neoliberalen Irrlehre stehen nun die Linken und NGO Aktivisten wie Occupy u.a. gegenüber. Merkel und Schäuble erscheinen immer mehr als Teil des Problems und nicht Teil der Lösung der sich verschärfenden Krise.
Roueca 02.06.2012
....die Herrschaften werden ihren Frust kundtun, dann jedoch wird die Herrscherin und Madame ihren Untertänigen kundtun das alles alternativlos und nachhaltig ist und einer höheren Sache geschuldet ist. Darauf hin werden die [...]
Zitat von sysopEs rumort in der CDU. Nach der historischen Wahlschlappe in NRW und dem Röttgen-Rauswurf wächst die Unsicherheit in der Partei. Beim Treffen mit den Kreisfürsten will sich Angela Merkel die Sorgen der Basis anhören. Es könnte ein unangenehmer Termin für die CDU-Chefin werden. Unmut in der CDU: Merkel trifft sich mit der Basis - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,836499,00.html)
....die Herrschaften werden ihren Frust kundtun, dann jedoch wird die Herrscherin und Madame ihren Untertänigen kundtun das alles alternativlos und nachhaltig ist und einer höheren Sache geschuldet ist. Darauf hin werden die Untertänigen wieder in ihren A............kriechen und im Tiefschlaft versinken.
Roßtäuscher 02.06.2012
---Zitat--- Merkel nimmt die Kritik artig auf, verteidigt ihre Politik, und am Ende gibt es höflichen Beifall. Danke schön, auf Wiedersehen. Und weiter geht's ---Zitatende--- Und weiter geht's, als wäre nichts gewesen. So [...]
Zitat von sysopEs rumort in der CDU. Nach der historischen Wahlschlappe in NRW und dem Röttgen-Rauswurf wächst die Unsicherheit in der Partei. Beim Treffen mit den Kreisfürsten will sich Angela Merkel die Sorgen der Basis anhören. Es könnte ein unangenehmer Termin für die CDU-Chefin werden. Unmut in der CDU: Merkel trifft sich mit der Basis - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,836499,00.html)
---Zitat--- Merkel nimmt die Kritik artig auf, verteidigt ihre Politik, und am Ende gibt es höflichen Beifall. Danke schön, auf Wiedersehen. Und weiter geht's ---Zitatende--- Und weiter geht's, als wäre nichts gewesen. So ist doch die Kanzlerin. ---Zitat--- Das war jetzt der x-te Warnschuss", sagt ein niedersächsischer CDU-Funktionär. "Wir müssen endlich aufwachen." So denken viele an der christdemokratischen Basis - und sie alle hoffen, dass auch die Spitze das Signal versteht ---Zitatende--- Die Spitze glaubt nach wie vor, ihre gekünstelte Beliebtheit wird sich ewig fortsetzen. Der Eklat mit Röttgen sollte ihr symbolisch das Kreuz brechen. Die CDU wird in keiner Weise aufwachen, sonst hätte man es längst getan. Die verfehlte Merkel-Politik ist haarsträubend. Es wird viel Dampf von ihr geredet, ohne Taten folgen zu lassen. Schuldner verhalten sich auch so, sie vertrösten und vertrösten, bis kein anderer Ausweg als der Gerichtsvollzieher zu greifen scheint. So kommt mir die CDU unter Merkel vor. Nur mit dem Unterschied, der Gerichtsvollzieher wird am Sonntag bei der Bundestagswahl erscheinen und die Vorsitzende pfänden. Amen und fix luja
Maya2003 02.06.2012
... und am Ende werden sie "ihrer" Kanzlerin stehend applaudieren. Die CDU Basis ist genauso butterweich wie die der SPD - zwei Volksparteien im Griff der Neolibs. Politisch schon lange tot.
Zitat von sysopEs rumort in der CDU. Nach der historischen Wahlschlappe in NRW und dem Röttgen-Rauswurf wächst die Unsicherheit in der Partei. Beim Treffen mit den Kreisfürsten will sich Angela Merkel die Sorgen der Basis anhören. Es könnte ein unangenehmer Termin für die CDU-Chefin werden. Unmut in der CDU: Merkel trifft sich mit der Basis - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,836499,00.html)
... und am Ende werden sie "ihrer" Kanzlerin stehend applaudieren. Die CDU Basis ist genauso butterweich wie die der SPD - zwei Volksparteien im Griff der Neolibs. Politisch schon lange tot.
XXYYZZ 02.06.2012
Es darf vermutet werden, daß die Aussprache etwas länger dauern wird - aber ändern wird sich nichts. Bezeichnend, daß in der CDU niemand die Kraft aufbringt, Merkel zu stellen! Ein jeder hält die Füße still und verleugnet eigene [...]
Es darf vermutet werden, daß die Aussprache etwas länger dauern wird - aber ändern wird sich nichts. Bezeichnend, daß in der CDU niemand die Kraft aufbringt, Merkel zu stellen! Ein jeder hält die Füße still und verleugnet eigene Überzeugungen, um sich einen guten Platz zu sichern, wenn es eines Tages um ihre Nachfolge gehen wird. Ganz übel wird's, wenn dann auch noch öffentliches Speichellecken betrieben wird: von der Leyen und de Maiziere haben sich in dieser Disziplin ja geradezu gegenseitig übertroffen. Was für ein rückgratloser Verein! Und die werfen den Piraten vor, beliebige Überzeugungen zu haben?!? Wer im Glashaus sitzt ...
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  • Samstag, 02.06.2012 – 07:17 Uhr
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