Untersuchungsausschuss Zeugen bezichtigen HRE schwerer Mängel beim Risiko-Management

Die Hypo Real Estate hatte offenbar schon viel länger massive Probleme als bislang bekannt - nämlich schon vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Nach SPIEGEL-Informationen hat der HRE-Untersuchungsausschuss erhebliche Mängel im Risiko-Management des Unternehmens aufgedeckt.


Hamburg - Die Missstände im Management des taumelnden Bankkonzerns Hypo Real Estate (HRE) waren nach Informationen des SPIEGEL viel größer als bisher bekannt. Schon lange vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers kämpfte das Institut mit erheblichen Problemen, belegen nun

Zeugenaussagen aus dem HRE-Untersuchungsausschuss des Bundestages.

Das Finanzinstitut hat die Vorschriften zum Risikomanagement demnach nur teilweise eingehalten. Eine Ende Februar 2008 von der Bundesbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gestartete Prüfung ergab gravierende Mängel. Die Kontrolleure, die auch die irische Tochtergesellschaft Depfa durchleuchteten, listeten 49 Beanstandungen auf, davon 12 schwerwiegende.

"Das war eines der schlimmsten Prüfungsergebnisse, das ich je gesehen habe", meinte ein Zeuge vor dem Ausschuss. Die Aufseher kritisierten unter anderem, dass die täglichen Risikoberichte zur Liquiditätssituation des Konzerns lückenhaft waren.

Vertraglich vereinbarte Zahlungsströme wurden nicht berücksichtigt. Ein grober Fehler, denn die Depfa operierte mit einer gefährlich kurzfristigen Finanzierungsstruktur.

Bei einer minimalen Verschlechterung der Lage wäre sie "auf jeden Fall" in Schwierigkeiten geraten, sagte ein anderer Prüfer aus. Mitte August 2008 resümierte die BaFin in einem Bericht, dass die kurzfristige unbesicherte Refinanzierung der Depfa "kritisch" zu sehen sei. Eine Herabstufung der Bonitätsnote wäre "mit schwerwiegenden Folgen verbunden".

Inzwischen hat die Europäische Kommission die geplante HRE-Übernahme durch den deutschen Staat genehmigt. Der Wettbewerb werde mit dem Einstieg der Bundesregierung nicht erheblich beeinträchtigt, teilte die Kommission am Freitag in Brüssel mit. Die HRE kann nur mit Milliardenbürgschaften des bundeseigenen Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin überleben. Die Regierung will das vom Staat zur Verfügung gestellte Geld sichern, indem sie die Münchner Bank vollständig übernimmt. In letzter Konsequenz ist dazu auch die Enteignung von Aktionären möglich.

flo

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