Update - der SPON-Wahltrend Die Kleinen haben ein Schulz-Problem

Die Schulz-Euphorie hält an, die SPD legt weiter zu. Die kleinen Parteien verlieren, vor allem Grüne und AfD. Hier finden Sie die Ergebnisse der Wochenumfrage von SPIEGEL ONLINE - und können erneut abstimmen.

Martin Schulz
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Martin Schulz

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Wie schnell sich die Zeiten ändern. Jahrelang war die SPD eine ziemlich miesgelaunte Partei, gefangen im Umfragekeller. Jetzt haben die Sozialdemokraten mit Martin Schulz einen Kanzlerkandidaten mit Zugkraft, und mit Frank-Walter Steinmeier zieht ein Genosse als künftiger Bundespräsident ins Schloss Bellevue ein.

Die SPD-Euphorie ist ungebrochen - das zeigt der SPIEGEL-ONLINE-Wahltrend. Mittlerweile kratzen die Sozialdemokraten an der 30-Prozent-Marke. Doch ausgerechnet für die möglichen Partner in einem Linksbündnis scheint der SPD-Aufschwung eine Gefahr zu sein. Die Linke verliert - und vor allem die Grünen sacken ab. Und noch eine Partei, die allerdings nicht als Partner für die SPD in Frage kommt, schwächelt: die AfD.

Diese und andere Ergebnisse zeigt die wöchentliche Umfrage von SPIEGEL ONLINE und dem Meinungsforschungsinstitut Civey. Im Superwahljahr 2017 stimmen unsere Leser regelmäßig über ihre Parteipräferenz ab - in Echtzeit, für jeden Nutzer zugänglich und mit repräsentativen Ergebnissen. Wir ordnen jede Woche ein, wer vorne liegt, wer verloren hat, und welche möglichen Gründe es dafür gibt. Nach jeder Auswertung können Sie die Sonntagsfrage erneut beantworten (am Ende des Artikels).

In der vergangenen Woche haben wir gefragt: Welche Partei würden Sie wählen?

1. So haben Sie abgestimmt

Die SPD legt noch einmal deutlich zu. Hätte Deutschland in dieser Woche gewählt, kämen die Sozialdemokraten auf 29,3 Prozent - das sind fast zwei Prozentpunkte mehr als in der Vorwoche. Damit kann die Partei den Abstand zur Union weiter verringern - auch wenn der Koalitionspartner vergleichsweise stabil bleibt. CDU und CSU landen bei 33,1 Prozent - ein Minus von knapp einem Punkt und nur unwesentlich weniger als in unserer Dezemberumfrage. Damals kamen die Konservativen auf etwas mehr als 34 Prozent.

Deutlicher verlieren dagegen die kleinen Parteien. Die Grünen liegen mittlerweile nur noch bei 7,7 Prozent - im Dezember war ihr Wert noch zweistellig. Auch die Linke verschlechtert sich weiter auf nun 8,3 Prozent. Damit ist klar: Zwar rückt ein rot-rot-grünes Bündnis durch die starken SPD-Gewinne wieder in greifbare Nähe. Alle drei Parteien hätten gemeinsam rund 45 Prozent. Doch in einer solchen Koalition wären die Juniorpartner geschwächt.

Parallel zum Höhenflug der Sozialdemokraten muss auch die AfD Einbußen hinnehmen. Die Rechtspopulisten verzeichnen ebenfalls eine kontinuierliche Negativentwicklung. Aktuell liegen sie bei 11 Prozent - 2,4 Punkte weniger als im Dezember. Kaum Veränderungen gibt es bei der FDP: Die Liberalen halten sich mit derzeit 6,2 Prozent stabil über der Fünfprozenthürde.

2. SPD gewinnt bei den Jungen stark hinzu

In den vergangenen Wochen deutete unser Wahltrend bereits an, dass die SPD mit Martin Schulz vor allem bei jungen Wählern punkten kann. Diese Entwicklung setzt sich fort - und zwar deutlich.

Inzwischen würden 38 Prozent der 18- bis 29-Jährigen für die SPD stimmen. Das sind noch einmal knapp acht Punkte mehr als in der Vorwoche. Zum Vergleich: Nur noch gut 20 Prozent der Jungen favorisieren die Union. Zuletzt waren es noch rund 30 Prozent.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 7.2. bis 13.2.2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste 5016 Befragte, der statistische Fehler lag beim Gesamtergebnis bei 2,5 Prozent. Bei der Befragung nach Altersgruppen und ihrer Parteipräferenz ist die statistische Fehlertoleranz größer, sehr feine Unterschiede sind in diesen Ergebnissen also nicht aussagekräftig.

Sie wollen selbst die Sonntagsfrage beantworten? Stimmen Sie hier ab:

Hier können Sie mitmachen und sich als Teilnehmer registrieren. Den aktuellen Stand sehen Sie sofort, wenn Sie teilgenommen haben. Mehr zur Methodik, und wie aus den Rohdaten repräsentative Ergebnisse gewonnen werden, erfahren Sie weiter unten in diesem Artikel. SPIEGEL ONLINE wertet die Ergebnisse jede Woche aus und informiert Sie über Entwicklungen und Veränderungen.



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Was ist das Besondere an der Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen Verfahren. Zuerst werden alle Umfragen in einem Netzwerk aus mehr als 5000 Websites ausgespielt ("Riversampling"). Online kann jeder an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, unter anderem nach den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse nach weiteren Faktoren und Wertehaltungen gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 5000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass viele unterschiedliche Nutzer erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.
Wer steckt hinter Civey?
Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.
insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
dieter 4711 14.02.2017
1. Lagerwahlkampf
Es wird sich also alles in einem Lagerwahlkampf wiederfinden.
discprojekt 14.02.2017
2. Also,
diese Vorab Umfragen sind gefährlich! Diese zeigen den Parteien, wo sie liegen. Außerdem, liegt eine Partei in Führung, suggeriert das Anderen, ebenso sich zu entscheiden. Trends sind in Vorwahlen nicht gut. Besser ist- Überraschung!
Grummelchen321 14.02.2017
3. Bis
zur Wahl ist noch lange hin.Umfragewerte steigen und fallen.Spätestens wenn die bürger merken das Herr Schulz auch kein Heilsbringer ist.Wer weiß welche Deals noch in den Brüsseler Hinterzimmern getroffen wurden.
fesdu2804 14.02.2017
4. Abwarten
Die SPD hatte schon einmal einen Heilsbringer: Björn Engholm. Schicksal bekannt. Es wird unter dem Strich darauf ankommen, wie angreifbar Martin Schulz noch wird bzw. was aus seiner Brüsseler Zeit noch ans Tageslicht kommt.
e.pudles 14.02.2017
5. Ausser dass es
noch Monate bis zur Wahl sind, habe ich das Vertrauen zu Umfragewerten spätestens seit der Wahl in den USA verloren. Auch in Frankreich bei den Vorwahlen für den Präsidentschaftskandidaten, sei es der Linken, oder der Rechten lagen die Prognosen weit daneben. Nun mag man sich fragen woher diese Fehlleistungen kommen. Für mich gibt es eine eventuell logische Erklärung die da wäre, dass die Befragten einfach falsche Angaben machen. Dass so viele Befragte innert kürzester Zeit vor der Wahl bis zur Wahl ihre Meinung noch ändern scheint mir eher unglaubwürdig.
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