Mögliche Minister-Ämter: Ursula von der Leyen droht der Karriereknick

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Koalitionsgeflüster: Multitalent von der Leyen Fotos
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Sie ist populär, doch Ursula von der Leyen muss um den Aufstieg bangen. Läuft es gut, wird sie Außenministerin. Hat sie Pech, könnte sie aufs Abstellgleis geschoben werden - ins ungeliebte Gesundheitsministerium.

Berlin - Wen wünschen sich die Deutschen als Minister, fragten kürzlich die Meinungsforscher von Emnid. Bei Ursula von der Leyen fiel das Ergebnis eindeutig aus - die CDU-Politikerin sollte Bundesarbeitsministerin bleiben.

Doch danach sieht es nicht aus. Sollte die SPD in einer Koalition mit CDU und CSU das Arbeitsministerium beanspruchen, müsste von der Leyen auf einen anderen Posten weichen. Nur welchen? Die 55-Jährige war und ist, das müssen selbst ihre Gegner anerkennen, eine der stärksten Minister am Kabinettstisch. Als Familien- und danach als Bundesarbeitsministerin prägte sie öffentliche Debatten - ob beim Elterngeld, dem Krippenausbau, der Väter-Monate oder zuletzt bei der Mütter- und der Zuschussrente für Geringverdiener.

In der CDU ist sie nicht so populär wie bei den Bürgern - als Parteivize erhielt sie im vergangenen Dezember auf dem Bundesparteitag mit nur 69 Prozent einen Denkzettel. Mit ihrem von vielen als zu linksliberal empfundenen Kurs hat sie manchen in der Partei verärgert, zuletzt mit ihrem Beharren auf einer Frauenquote in Aufsichtsräten.

Den Sieg gefeiert

Von der Leyen gilt als eine Art Multitalent der CDU: Vor der Wahl Christian Wulffs zum Bundespräsidenten war sie für das höchste Staatsamt im Gespräch. Seit geraumer Zeit wird ihr nachgesagt, sie wolle sich als mögliche Nachfolgerin Merkels in Stellung bringen. Wiederholt hat sie Fragen nach höheren Weihen mit der Antwort pariert, in "ihrer Generation" heiße die Kanzlerin Angela Merkel.

Die spannende Frage der kommenden Wochen lautet: Wird die Christdemokratin künftig mit einem hervorgehobenen Ressort beglückt? Oder gehört sie am Ende zu denjenigen, die sich mit einem Ministerium bescheiden müssen, das mehr Ärger als Popularität einbringt?

Immer wieder wird von der Leyen als mögliche Außenministerin genannt. Sie wäre die erste Frau in der deutschen Geschichte, die dieses Amt bekleiden würde. Dafür bringt sie einiges mit - sie hat sich in der CDU mit Europapolitik beschäftigt, hat mit ihrer Familie in den USA gelebt, in London studiert. Sie spricht fließend Französisch und Englisch. Gute Voraussetzungen, um dem Auswärtigen Amt vorzustehen und Deutschland zu vertreten.

Wer bekommt was in einer Großen Koalition?

Auch wenn ihr Name jetzt mit dem Dienstsitz am Werderschen Markt in Berlin in Verbindung gebracht wird, die Besetzung des Außenamts hängt vor allem von einer Frage ab: Wer wird das Bundesfinanzministerium bekommen? Merkel dürfte wohl weiter Wolfgang Schäuble im Amt belassen wollen - schließlich ist der CDU-Politiker in Sachen Euro-Krise eine verlässliche Größe. Sollte die SPD jedoch auf dem Schlüsselressort bestehen, hätte Schäuble, der erfahrenste Minister im Kabinett, wohl als erster die Chance, ins Außenamt zu wechseln - wenn er denn will.

Von der Leyen gilt als hartnäckig. Dass sie sich nicht so einfach beiseite schieben lässt, das war in der Wahlnacht zu beobachten. In der CDU-Bundeszentrale feierte sie an der Seite der Kanzlerin den fast 42-Prozent-Erfolg von CDU und CSU. Auf fast allen Bildern, die an diesem Abend in Berlin aufgenommen wurden, ist sie mit Merkel zu sehen. An von der Leyen wird die Kanzlerin nicht vorbeikommen, wenn sie an die Aufstellung ihrer künftigen Ministerliste denkt.

"Heute bin ich zu weit weg von dem Thema"

Am Ende des Wer-wird-Minister-Spiels könnte von der Leyen dennoch eine der großen Verlierer sein - wenn Merkel ihr etwa das Gesundheitsressort anvertraut. Fachlich spräche manches dafür: Von der Leyen ist Ärztin, sie hat Gesundheit einst als Landesministerin in Niedersachsen betreut. Schon damals handelte sie sich Ärger ein, im Bundesgesundheitsministerium dürfte es ihr ähnlich ergehen - gilt es doch gemeinhin als das undankbarste Ressort. Das mussten nacheinander Ulla Schmidt (SPD), Philipp Rösler und Daniel Bahr (beide FDP), erfahren. Eingeklemmt zwischen Lobbygruppen, legten sich im Laufe ihrer Amtszeit fast alle Minister mit fast allen an - der Pharmabranche, den Ärzten, Apothekern, den Patienten-Vertretern. Von der Leyen dürfte das Amt kaum so zurückhaltend führen wie der scheidende Minister Bahr. Der Liberale entschied sich für die stille Variante, die am Ende seiner Partei keinen Erfolg brachte, denn auch er geriet mit Teilen der Ärzteschaft aneinander.

Von der Leyen, so ist aus ihrer Partei zu hören, dränge sich nicht nach dem Gesundheitsressort und lasse das auch gelegentlich durchblicken. Erst im August sagte sie in einem Interview der "Welt" auf die Frage, ob sie lieber Gesundheitsministerin werden würde: "Nein, das werde ich ganz sicher nicht. Heute bin ich zu weit weg von dem Thema."

Schon einmal war von der Leyen als Ministerin für das Ressort im Gespräch - nach dem Sieg von Schwarz-Gelb 2009. In den Koalitionsgesprächen wurde sie Unions-Verhandlungsführerin für den Bereich Gesundheit. Damals reagierte sie zurückhaltend auf die Frage nach einem künftigen Ressort und sagte: "Ich habe die Haltung, dass, wenn Angela Merkel mir ein anderes Themenfeld anvertraut und ich mir das auch zutraue, dann mache ich das. Aber das entscheidet die Bundeskanzlerin."

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insgesamt 175 Beiträge
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1.
Caldwhyn 17.10.2013
Zitat von sysopDPASie ist populär, doch Ursula von der Leyen muss um den Aufstieg bangen. Läuft es gut, wird sie Außenministerin. Hat sie Pech, könnte sie aufs Abstellgleis geschoben werden - ins ungeliebte Gesundheitsministerium. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ursula-von-der-leyen-ministerin-droht-karriereknick-a-927885.html
Hey Super, Zensursula ins Gesundheitsministerium? Dann bekommen teure Kranke bestimmt einfach ein Schild umgehängt auf dem "gesund" steht.
2. Auch wenn es ihr schwer fällt...
PointerX 17.10.2013
... sie könnte ja mal was mit ihren Kindern unternehmen...
3. v.d.Leyen ist das beste Beispiel
frankmerkel 17.10.2013
den Unterschied zwischen SCHEIN und SEIN. Diese Frau ist als Arbeitsministerin ein Totalausfall. Sie gibt lautstark kund das wir Mindestlöhne brauchen- verhindert diese aber vehement. Sie erklärt das wir ein riesiges Alterarmutsproblem bekommen werden- ist selber aber die Ursache davon. Als das Bundesverfassungsgericht ihr schriftlich gibt, das die Alg2 Sätze menschenunwürdig sind, hebt sie diese nur geringfügig an....um Geld zu sparen bis das Verfassungsgericht sie erneut auf die unzureichende Nachbesserung hinweist. Tortzdem erklären Journalisten v-d-L immer wieder zum sozialen Gewissen der CDU.
4. Außenministerin oder gar Gesundheitsministerin?
Eppelein von Gailingen 17.10.2013
Als Gesundheitsminister gibt es nur einen, und der heißt Prof. Dr. Lauterbach. Als Außenminister gibt es alternativlos Steinmeier. Als Arbeitsminister nur Scholz. Als Umweltminister muss Altmaier abgelöst werden, der ist so etwas von fehl am Platz. Warum sprechen wir überhaupt noch über die Merkel-Regierung als der größte Versager, der jemals die Bundesrepublik so etwas wie regierte. Verbrauch und Landwirtschaft war eine Katastrophe, der Innenressort ungenügend, der Verkehr eine Sintflut. Das ist immer noch das Bayerische Wundertrio, plus eine Vorsitzende CSU-Landesgruppe Hasselfeldt (aus Straubing, wo die Gäubodenbüffel herkommen). Die ausgelutschte Unions-Truppe gehört der Vergangenheit an. Auf zu neuen Ufern mit Rot-Dunkelrot und Grün. Ursula von der Leyen: Ministerin droht Karriereknick - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ursula-von-der-leyen-ministerin-droht-karriereknick-a-927885.html)
5. Geschmäcker
Andreas-Schindler 17.10.2013
Zitat von sysopDPASie ist populär, doch Ursula von der Leyen muss um den Aufstieg bangen. Läuft es gut, wird sie Außenministerin. Hat sie Pech, könnte sie aufs Abstellgleis geschoben werden - ins ungeliebte Gesundheitsministerium. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ursula-von-der-leyen-ministerin-droht-karriereknick-a-927885.html
Es kommt darauf an wen man Fragt, Zensursula ist bei vielen auch Unbeliebt. Man kann sagen sie habe sich Bemüht das Richtige zu Tun, mehr aber auch nicht. Sie fällt unangenehm durch Zwischenreden auf und dann kommt auch nur Heiße Luft ohne Inhalt von ihr.
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