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Biografien zu Ursula von der Leyen: Hauptsache, ihr habt mich gern

Von Margarete Hucht

Ursula von der Leyen: Auf dem Weg ins Kanzleramt? Fotos
DPA

CDU-Politikerin mit Traumkarriere - über Ursula von der Leyen könnte man Bücher schreiben. Nun erscheinen gleich zwei Biografien und gehen der Frage nach: Wie viel Überzeugung steckt hinter dem Dauerlächeln?

Berlin - Ursula von der Leyen ist eine faszinierende Figur, keine Frage. Die Frau mit den sieben Kindern hat eine steile politische Karriere hinter sich: Stadtrat im Städtchen Sehnde, Landesministerin in Niedersachsen, Bundesministerin, erst für Familie, dann für Arbeit und Soziales, seit einem Jahr nun führt sie das Verteidigungsministerium, als erste Frau überhaupt. Das soll noch nicht die Endstation sein, so wird es von der von der Leyen immer nachgesagt. Sie soll ein Auge aufs Kanzleramt haben und Angela Merkel beerben wollen.

Wer ist diese Frau, die selbst so eifrig an dieser nicht enden wollenden Aufsteigerstory strickt? Gleich zwei Biografien, die jetzt erscheinen, suchen darauf eine Antwort. Und weil von der Leyens Fixierung darauf, wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, legendär ist, kreisen auch die beiden Bücher vor allem um die Frage wo bei der CDU-Politikerin die glitzernde Verpackung aufhört und die politische Gestalterin aus Überzeugung anfängt.

Die beiden "Zeit"-Journalisten Elisabeth Niejahr und Peter Dausend finden in "Operation Röschen - Das System von der Leyen" (Campus-Verlag) keine abschließende Antwort. Dabei versucht das Reporterduo in fast schon detektivischer Arbeit an die Wahrheit, an die politische Seele der Verteidigungsministerin, heranzukommen. Entsprechend unterhaltsam liest sich ihre Leyen-Biografie, die sie im politischen Berlin der vergangenen Monate ansiedeln - und die auch das Umfeld von der Leyens grell ausleuchtet.

Die Reportage im Buchformat beginnt an einem Samstag im August 2014. In der Wohnküche der Ministerin lümmeln sich ihre Kinder auf Ikea-Sofas. Mutti telefoniert derweil stundenlang wegen der Waffenlieferungen an die kurdischen Peschmerga.

Sie endet Anfang des Jahres in von der Leyens Büro im Berliner Bendlerblock. Ihr Einsatz hier: die Bundeswehr sanieren und zukunftsfähig machen. Eine beängstigende Aufgabe, daran lassen die Autoren keinen Zweifel. Das Verteidigungsministerium mit seinem "Mix aus beflissener Unterwürfigkeit und bräsiger Starre", in dem das "Prinzip der organisierten Verantwortungslosigkeit" gelebt werde, halten sie für nahezu unregierbar.

Eine Grundsympathie für die CDU-Politikerin blitzt bei Niejahr und Dausend öfter mal auf. Auch wenn sie einen hochrangigen SPD-Politiker zitieren, der eingestehen muss, dass es eine so "starke" Frau wie von der Leyen in der eigenen Partei nicht gebe.

In anderen Passagen wird deutlich, wie sehr die CDU-Politikerin die politische Streitkultur - das Spiel mit der Macht - beherrscht. Insgesamt kommt die Protagonistin aber gut weg. Die "Zeit"-Autoren halten sie für eine Modernisiererin mit Mut. Sie habe längst die CDU-Parteimitglieder - mit ihrem Durchschnittsalter von 59 Jahren - in der Denkweise abgehängt. Darin sehen die Autoren ihren Trumpf, egal ob sie in den eigenen Reihen aneckt.

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Gut für Überraschungen

Deutlich eindimensionaler wirkt von der Leyen in der zweiten Biografie - "Kanzlerin der Reserve - Der Aufstieg der Ursula von der Leyen" (Berlin Verlag), verfasst von den beiden "Focus"-Redakteuren Ulrike Demmer und Daniel Goffart. Sie nennen die CDU-Frau eine "Populistin", gierig nach Schlagzeilen. Nur um später einzulenken: "Dinge, an die sie nicht glaubt, kommen ihr nicht über die Lippen".

Demmer und Goffart kratzen am Lack, mit Vergnügen. Nein, Leyen war kein akademischer Superstar, sondern eine "Langzeitstudentin". Die junge Frau leistete es sich sogar, zwei Studiengänge (Archäologie und VWL) abzubrechen. Erst nach 20 Semestern machte sie ihr Staatsexamen in Medizin. Das erste Kind kommt etwa zeitgleich.

In der Wertung liegen beide Biografien aber letztlich nah beieinander: Wer wie Ursula von der Leyen Widerstände aushält, eigene Themen setzt und gern mal Regeln bricht, ist führungsstark. Auch in Zukunft bleibe diese Frau daher sicher gut für Überraschungen.

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insgesamt 61 Beiträge
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    Seite 1    
1. überzeugend
menton 05.03.2015
ich habe selbst noch nie "christlich" gewählt und habe das auch auf absehbare Zeit nicht vor. Frau VdL macht aber auf mich stets einen gut vorbereiteten und klugen Eindruck. Auch ihr Lächeln kaufe ich ihr eigentlich immer ab - im Gegensatz zu demjenigen ihres Vaters, dass dort m.E. stets etwas falsch wirkte...
2. üben üben üben
noalk 05.03.2015
".... Stadtrat im Städtchen Sehnde, Landesministerin in Niedersachsen, Bundesministerin ..." Das mit dem Gender Mainstreaming scheint wohl so schwer zu sein, dass selbst eine Frau (die Autorin) nicht schafft.
3. Bitte nicht
argonaut-10 05.03.2015
noch eine Mutti. Eine Person mit Charakter und Profil wäre mal wieder von Nöten.
4. von der Leyen
axeljean 05.03.2015
man merkt : es ist viel " Europäische Schule " drin. Bravo
5. Fehlbesetzung
simplythebeast 05.03.2015
Die Frau nervt. Und anstatt sich um wirklich wichtige Dinge zu kümmern, von denen sie wohl auch etwas versteht, gibt sie die Uschi von der Kompanie. Wieso eigentlich..? Bis jetzt konnte mir keiner erklären, wieso das Verteidigungsministerium wichtiger und damit karrierefördernder sein soll als das Gesundheitsministerium. Da freut man sich doch schon auf ihre Kanzlerschaft. Kennt jemand noch Lord Helmchen aus Mel Brooks’ Spaceballs..? Durchkämmt die Wüste..!
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