SPON-Regierungsmonitor zu einem Jahr GroKo Dauerhaft unbeliebt

Ein Jahr ist die Große Koalition im Amt - und das Fazit ist vernichtend. Die Unzufriedenheit mit der Regierung reißt nicht ab, zeigt eine SPON-Umfrage. Eine Ministerin ist besonders unbeliebt.

Horst Seehofer (links), Olaf Scholz (Mitte) und Angela Merkel.
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Horst Seehofer (links), Olaf Scholz (Mitte) und Angela Merkel.

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Auch wenn es sich bisweilen viel länger anfühlen mag - vor einem Jahr erst hat die Große Koalition ihre Arbeit aufgenommen. Wirklich euphorisch gingen Union und SPD seinerzeit nicht ans Werk, und auch in der Bevölkerung hielt sichdie Begeisterung von Anfang an in Grenzen.

Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Das zeigt der SPON-Regierungsmonitor. Damals wie heute sind mehr als die Hälfte der Befragten unzufrieden mit der Regierung unter Kanzlerin Angela Merkel. Einige Minister sind gar unbeliebter denn je - am härtesten trifft es die Union.

So landet Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) im SPON-Ranking der Bundesminister nur noch auf dem drittletzten Platz. Vor Kurzem hatte der Deutsche Hochschulverband Karliczek abgestraft: In einer Befragung beurteilten die Verbandsmitglieder die Arbeit der Bildungsministerin als ungenügend. Elf Prozent sagten gar, sie sei "die denkbar schlechteste Besetzung".

Der SPON-Regierungsmonitor zeigt in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung, den Koalitionsparteien und vor allem mit den einzelnen Ministern sowie der Kanzlerin. Um die repräsentativen Bewertungen vergleichen zu können, arbeitet Civey mit einem Scoringverfahren. (Lesen Sie hier mehr zu dem Verfahren). Der bestmögliche Index beträgt 200, das schwächste Ergebnis wäre -200.

Von der Leyen unbeliebteste Ministerin seit Beginn der Befragung

Noch härter als Karliczek trifft es eine andere CDU-Ministerin: In den vergangenen Wochen schlug sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erst mit der Korruptionsaffäre um das Segelschulschiff der Marine, die Gorch Fock, herum. Dann flammte auch noch die Berateraffäre erneut auf: Der Bundesrechnungshof hatte bereits im vergangenen Jahr aufgedeckt, dass große Berateraufträge aus Budgets des Verteidigungsministeriums bezahlt worden waren, die dafür nicht ausgelegt waren.

Anfang März wurde bekannt, dass von der Leyen zur Bearbeitung der Affäre wiederum teure Berater angestellt hatte. Im SPON-Ranking erreicht die Ministerin den niedrigsten jemals gemessenen Zufriedenheitswert seit Beginn der Befragungen vor einem Jahr: ein Score von -132. Damit steht von der Leyen weit abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Jens Spahn kann nicht mehr punkten

Auch ein weiterer CDU-Minister verliert deutlich: Seit seinem Amtsantritt mischt Jens Spahn das Gesundheitsministerium auf. Kam es zu Beginn noch gut an, dass er Debatten zum Islam, zu Hartz IV und zu rechtsfreien Zonen lostrat, sind nun immer mehr Wähler unzufrieden mit seiner Arbeit. Zuletzt machte Spahn mit einer umstrittenen Studie zu Schwangerschaftsabbrüchen auf sich aufmerksam. In der SPON-Umfrage rutscht der Gesundheitsminister von Platz neun auf Platz elf.

Nur eine ist weiter unangefochten: Kanzlerin Angela Merkel kann sich an der Spitze des Rankings halten. Seitdem Merkel erklärt hat, den CDU-Vorsitz aufzugeben, sind ihre Umfragewerte angestiegen. Zufrieden sind aber auch mit ihrer Arbeit nur 39 Prozent der Wähler.

Wirklich beliebt war die Regierung nie

Insgesamt zeigt sich nach einem Jahr GroKo: Wirklich beliebt war diese Regierung bei den Wählern zu keinem Zeitpunkt. Die Stimmung schwankte zwar über das Jahr hinweg, immer aber waren die Unzufriedenen in der Mehrheit - und wurden eher mehr. Zeigten sich zu Beginn des Regierungsjahres noch 55 Prozent unzufrieden mit der Arbeit von Merkel und ihren Ministern, sind es heute ganze 66 Prozent.

Ebenfalls bitter für Merkel: Die unteren sechs Plätze belegen Minister aus CDU und CSU. Zuletzt konnte Svenja Schulze (SPD) nach oben aufrücken, sie belegt nun Platz neun. Die sozialdemokratischen Minister liegen damit neben Merkel, Gerd Müller (CSU) und Peter Altmaier (CDU) auf den oberen Rängen.

insgesamt 40 Beiträge
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frank.huebner 13.03.2019
1. Die Beliebtheit der SPD...
Auffallend die Beliebtheit der SPD-Politiker (Der Entwicklugsminister ist wohl beliebt, weil ihn keiner kennt?) ist schön, bringt der SPD aber auch nichts. Dabei ist es wie schon in der letzten GroKo die SPD, die die maßgeblichen Änderungen verantwortet. Sie hat da wohl ein Marketingproblem. Und von der Leyen wäre schon vor Jahren aus der Politik geflogen, wenn ein verantwortungsvoller Kanzler/in auf dem Posten säße. So kann vdLeyen weiterhin herumstümpern und wird bedingungslos von der Kanzlerin gedeckt.
kael 13.03.2019
2. Wie kommt es zu den Einschätzungen?
Mich würde es interessieren, wie die sorgsam gestaffelten Un/Zufriedenheitswerte zustande kommen. Sind sie sachlich (was einiges an Detailwissen erforderte) oder emotional (z. B. durch Hörensagen) begründet?
r-bolter 13.03.2019
3. Unfreiwillige GroKo
Leider wird oft vergessen, dass die SPD diese GroKo nicht wieder wollte! Wegen der Arroganz von CDU/CSU platzte Jamaika! Trotzdem macht die SPD eine ordentliche Figur, die CDU patzt und blockiert, die CSU versagt in allen ihren Geschäftsbereichen - Gylyphosat statt Bienen ... und der Wähler wählt die CSU zu 40 %!??? Das deutsche Problem ist nicht die GroKo, sondern der tumbe Wähler, der gute Regierungsarbeit nicht belohnt und Versager nicht bestraft!
Angelheart 13.03.2019
4. Eigentlich...
...bedurfte es keines Beweises mehr, dass die Deutschen (Wähler) Politik schon lange nicht mehr mit wachen Sinnen und mit dem Kopf betrachten, sondern eher mit dem (vollgefressenen) Bauch - den objektiv hat diese Regierung in einem Jahr mehr konstruktives auf den Weg gebracht, als die schwarz-gelbe Koalition als Vor-vorgängerin in einer ganzen Legislatur! Wären nicht die CSU-ler in der Regierung solche Vollpfosten und hätten sie die Regierungsarbeit nicht über Monate torpediert, stünde möglicherweise noch mehr auf der Haben-Seite! Es gibt noch manches zu erledigen - packt es an!
fkfkalle3 13.03.2019
5. Passt
Die Bundeskanzlerin hat halt das notwendige "Sitzfleisch " um Probleme mit bestimmten Personen sich selbst erledigen zu lassen. Gelegentlich, wenn man sensibilisiert ist, dann ahnt man , was tatsächlich gedacht wird, die Generallinie ist.
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