Umgang mit Russland Von der Leyen wirft US-Präsident Planlosigkeit vor

Verteidigungsministerin von der Leyen ist nach dem Trump-Putin-Gipfel enttäuscht. Dem US-Präsidenten fehle jede Strategie im Umgang mit Russland, moniert sie im SPIEGEL - und vermutet einen Grund für seine Deutschland-Attacken.

Ursula von der Leyen
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Ursula von der Leyen


Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat den Umgang von US-Präsident Donald Trump mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin als planlos kritisiert. "Eine klare Strategie des amerikanischen Präsidenten im Umgang mit Russland ist nach dem Treffen nicht zu erkennen", sagte von der Leyen dem SPIEGEL. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch mit Ursula von der Leyen bei SPIEGEL+.)

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Heft 31/2018
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Trump hatte Putin kürzlich in Helsinki getroffen, es war das erste amerikanisch-russische Spitzentreffen seit Jahren. Danach hatte Trump von einem Neubeginn der Beziehungen gesprochen.

Von der Leyen sagte, Putin versuche, seine wirtschaftliche Schwäche zu überspielen, indem er sich als globaler Player positioniere. Was der US-Präsident wolle, sei indes nicht zu erkennen. "Das Problem von Helsinki ist doch, dass niemand wirklich weiß, was dort besprochen oder sogar vereinbart worden ist", sagte die Verteidigungsministerin.

Von der Leyen betonte, dass die klare und kritische Positionierung der Nato gegenüber Russland trotz Trumps vager Aussagen in Helsinki gültig sei. "Wir wünschen uns ein besseres Verhältnis zu Moskau, aber dafür liegt der Ball im Feld des Kreml", sagte von der Leyen.

Die CDU-Politikerin hatte Trump beim Nato-Gipfel zum ersten Mal aus nächster Nähe erlebt, sowohl in der Runde der Staats- und Regierungschefs als auch bei einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel.

"Ein Maximum an Unruhe"

Von der Leyen kritisierte den US-Präsidenten auch für seine ständigen Angriffe auf Deutschland. Diese seien auch durch sein antiquiertes Frauenbild motiviert, vermutet die Ministerin. "Eine Frau wie Angela Merkel, eine weltweit angesehene Regierungschefin mit langer Erfahrung, kam in seinem Weltbild vermutlich bisher nicht vor", sagte von der Leyen.

Merkel indes reagiere statt mit Gegenattacken sachlich auf Trump. "Am Anfang wollte er ihr nicht einmal die Hand geben. Inzwischen ist der Umgang respektvoll, er hört ihr zu", sagte die Verteidigungsministerin.

Nach dem chaotischen Nato-Gipfel Mitte Juli mahnte von der Leyen alle anderen Partner der Allianz, gelassen auf Trump zu reagieren. Der US-Präsident habe das Bündnis durch "eine Art Wechselbad aus wüsten öffentlichen Anfeindungen, harten Verhandlungen und manchmal Schmeicheleien" geschickt. "Das Ganze soll ein Maximum an Unruhe stiften, in der Präsident Trump seine Punkte machen kann, nach dem Motto: Kündigung-Drohung-Deal", so von der Leyen.

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mgb/sby

insgesamt 114 Beiträge
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Seite 1
Atheist_Crusader 27.07.2018
1.
Da liegt die Frau aber falsch. Trump hat durchaus eine Strategie. Und die lautet: Russland machen lassen was es will, während er ein paar bedeutungslose Schritte gegen die unternimmt um seine Lügen zu stützen, dass kein Präsident härter gegenüber Russland gewesen sei.
bernteone 27.07.2018
2. Da mag Sie Recht haben
aber das trifft nicht nur auf Trump zu . Bei der Bundesregierung habe ich auch den Eindruck der Planlosigkeit . von der Leyen sollte sich mal um die Bundeswehr kümmern wo es hinten und vorne klemmt , das ist wohl auch planlos . Von den eigenen Problemen ablenken in dem man mit dem Finger auf andere zeigt . Nur weiter so liebe Regierung und wir haben auch bald unseren Trump , da bin ich mir sicher .
Flachlandprophet 27.07.2018
3. Reden ist silber....
Wenn es um "Planlosigkeit" geht, sollte Frau von der Leyen doch besser schweigen...ansonsten könnte es für sie sehr schnell peinlich werden....
Zündkerze 27.07.2018
4. auf den Punkt gebracht
das ich Frau von der Leyen einmal meine volle Zustimmung geben würde hätte ich selber nicht gedacht. Sehr schon auf den Nenner gebracht "Kündigung-Drohung-Deal". Trump zieht erstmal alle auf sein Niveau herunter um auf gleicher Augenhöhe mit seinen Partnern reden zu können. Wer sich darauf einlässt hat schon verloren, im Schlammcatchen ist er einfach besser.
holgerpache77 27.07.2018
5. Ironie
Ausgerechnet U. v.d.Leyen spricht von Planlosigkeit, wenn Planlosigkeit und Schwachsinn genau das ist was ihre Amtszeit als Verteidigungsministerin bisher gekennzeichnet hat. Nie war die Einsatzfähigkeit der BW schlechter als dieser Tage, es hapert an allen Ecken und Kanten vom Rekrut über das Material bis zur Verwaltung und Anschaffung von neuem Gerät. Wo lagen noch einmal v.d. Leyens Prioritäten? Ach ja richtig, Teilzeit, Kitas, Schwangerenkleidung, schwangerengerechte Panzer mit Bordtoilette (Boxer) hat sonst keine Armee auf der Welt, dass man dann schon mal an einem NATO Manöver teilnimmt und die Bewaffnung mit einer Holzkiste und einem Besenstiel simuliert ist ja bei diesen Prioritäten eher zweitrangig. Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen schmeißen, die gute Ursula wirft gerade mit Ambossen um sich.
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