Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Urteil wegen Mordes: Lebenslange Haftstrafe für Frankfurter Flughafen-Attentäter

Es war der erste islamistische Anschlag in Deutschland, der nicht verhindert werden konnte: Arid U. hat am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten getötet. Nun wurde er zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Attentäter Arid U. : Besondere Schwere der Schuld Zur Großansicht
DPA

Attentäter Arid U. : Besondere Schwere der Schuld

Frankfurt - Knapp ein Jahr nach dem tödlichen Anschlag auf US-Soldaten am Frankfurter Flughafen ist der islamistisch motivierte Attentäter Arid U. zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Oberlandesgericht Frankfurt sprach Arid U. am Freitag des zweifachen Mordes, des dreifachen Mordversuchs sowie zweifacher schwerer Körperverletzung für schuldig.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass U. zwei US-Soldaten mit Kopfschüssen getötet und zwei andere schwer verletzt hat. Als er auf einen fünften Soldaten zielte, versagte seine Pistole. Der Staatsschutzsenat stellte außerdem die besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung bereits nach 15 Jahren praktisch ausschließt. Die Richter folgten damit dem Antrag der Bundesanwaltschaft.

Die US-Soldaten waren in Frankfurt gelandet. Vor dem Terminal wartete ein Bus, um sie zur Luftwaffenbasis Ramstein in Rheinland-Pfalz zu bringen. Von dort aus sollte es weiter zum Einsatz in Afghanistan gehen. Der Täter wartete, bis die unbewaffneten Soldaten in den Bus eingestiegen waren und schoss dann in dem engen Gang auf sie.

Die Anklage hatte sich überzeugt gezeigt, dass U. mit der Tat seinen persönlichen Beitrag zum Dschihad (Heiligen Krieg) leisten wollte. Er habe sich zum "Herrn über Leben und Tod gemacht" und seine Opfer willkürlich ausgesucht. Die Bundesanwaltschaft ging auch davon aus, dass U. ein Einzeltäter war, der sich über das Internet radikalisiert hat. U. selbst hatte vor Gericht gestanden. "Ich musste etwas tun und habe geglaubt, dass es keine Alternativen dazu gibt", versuchte er seine Tat zu erklären.

Der im Kosovo geborene 22-Jährige nahm den Urteilsspruch mit verschränkten Armen und äußerlich regungslos auf. Unmittelbarer Auslöser für die Tat war nach der Darstellung des Angeklagten ein Propagandavideo, das er am Abend vor der Tat im Internet gesehen habe. Darin ist die angebliche Vergewaltigung einer muslimischen Frau durch US-Soldaten zu sehen.

Tatsächlich handelte es sich um Bilder aus einem Spielfilm. Der Angeklagte sei überzeugt gewesen, dass jeder US-Soldat ein "des Todes würdiger Vergewaltiger" sei, sagte Sagebiel. Er habe diese zu "Objekten seines Hasses" gegen den Einsatz der US-Armee in Afghanistan gemacht.

Die Tat vom 2. März 2011 gilt als der erste islamistische Anschlag in Deutschland, der nicht verhindert werden konnte.

anr/dpa/dapd/AFP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: