Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

US-Außenminister Kerry in Berlin: Hello! Goodbye!

Von

US-Außenminister Kerry in Berlin: "Seid ihr alle okay?" Zur Großansicht
AFP

US-Außenminister Kerry in Berlin: "Seid ihr alle okay?"

Abstecher nach Berlin: Auf dem Weg zur Sicherheitskonferenz schaut US-Außenminister Kerry kurz in der Hauptstadt vorbei, spricht mit Amtskollege Steinmeier und der Kanzlerin. Auch die NSA-Affäre ist Thema. Aber eigentlich will man sich nur demonstrativ an den Händen halten.

Berlin - Es ist alles etwas provisorisch. Durchs Fenster sieht man seinen Flieger, ein Presseraum ist schnell noch hergerichtet worden. Blaue Wand, drei Fahnen, zwei Rednerpulte, und dann ist da dieses Mikro. Es macht ein so fürchterliches Geräusch, dass John Kerry zusammenzuckt, als er gerade loslegen will. "Uh", ruft er in den Saal. "Seid ihr alle okay?"

Alles ist gut, weiter geht's, der US-Außenminister hat wenig Zeit. Gleich trifft er noch die Kanzlerin, am Abend will er bei der Sicherheitskonferenz in München sein. Hier, am Flughafen Tegel, will er aber ein paar Worte loswerden. Das deutsch-amerikanische Verhältnis durchlebt seit den NSA-Enthüllungen bekanntlich nicht seine beste Phase, und Kerry ist gekommen, um zu reden. Soll ja manchmal helfen in Krisenzeiten.

"Ich freue mich, wieder in Deutschland zu sein", sagt Kerry. Auf Deutsch, wohlgemerkt.

Es ist ein symbolischer Kurzbesuch, Konkretes hat Kerry nicht mitgebracht. Gut eine Stunde sitzt er in Tegel mit seinem Amtskollegen zusammen, Frank-Walter Steinmeier. Das ist länger als gedacht, die Winde über dem Atlantik waren so günstig, dass er verfrüht in Berlin ankam. "Mehr als ein Stop-over", freut sich Steinmeier denn auch über den Termin mit Kerry. Nunja.

"Wir sind durch eine harte Phase gegangen"

Unter vier Augen gehen die Minister die Agenda der kommenden Monate durch. Friedensvertrag in Nahost, die Entwicklungen in Syrien, der Konflikt mit Iran, die schwierige Lage in Kiew, die Zukunft Afghanistans.

Vor allem aber geht es bei dem Treffen darum, sich gegenseitig zu versichern, dass die transatlantische Partnerschaft trotz der NSA-Affäre Bestand hat, dass man beabsichtigt, das Freihandelsabkommen weiter zu verhandeln, und in der Weltpolitik auch ansonsten ähnliche Ziele verfolgt. Wir bleiben Freunde - das ist die Botschaft, die von dem Besuch ausgehen soll. "Lieber John", spricht Steinmeier seinen Kollegen an. "Lieber Fränk-Wolter", sagt Kerry zum Deutschen.

Beide wollen nach vorne schauen. "Wir sind in den letzten Monaten durch eine harte Phase gegangen", sagt Kerry, ohne die Enthüllungen direkt anzusprechen. "Aber ich will über die Zukunft reden und das Vetrauten wieder stärken." Auch Steinmeier gibt sich zuversichtlich. "Die deutsch-amerikanische Partnerschaft, sie steht außer Frage", sagt er. Die Irritationen der vergangenen Monate könnten "sie nicht zerstören".

Eine Entschuldigung, die mancher in Berlin von den Amerikanern noch immer erwartet, ist von Kerry freilich nicht zu hören. Einer Frage danach weicht er aus, stattdessen sagt er, dass sein Land auch in Zukunft alles dafür tun werde, sich "vor Terrorismus zu schützen".

Nichts Neues zum No-Spy-Abkommen

Das passt ins Bild. Der US-Regierung ist die Affäre zwar unangenehm, im Großen und Ganzen macht sie aber nicht den Eindruck, als sehe sie in den Spähpraktiken ein großes Problem. Ein wenig mehr Kontrolle, ein neuer Chef, das ist es dann auch mit Reformen an der Geheimdienstfront.

Auch das von der alten Bundesregierung angekündigte No-Spy-Abkommen liegt auf Eis. Die Amerikaner sperren sich, sie wollen dem Vernehmen nach noch nicht einmal garantieren, mit ihrer Überwachung vor Regierungsmitgliedern haltzumachen. In Sachen Geheimdiensten liegen - zumindest offiziell - Welten zwischen Washington und Berlin, und weil das so ist, rechnet man hierzulande allenfalls mit einer losen Absichtserklärung. "Nichts daran ist leicht. Nichts daran ist einfach", sagt Kerry über die Geheimdienstarbeit. Wohl wahr.

Aber beim Abkommen haben Kerry und Steinmeier ohnehin nicht viel mitzureden. Das ist Sache der Geheimdienste und, wenn überhaupt, der Regierungschefs. Nach dem Termin mit Steinmeier fährt Kerry ins Kanzleramt. Mit Angela Merkel geht er kurz vor die Kameras und beschwört abermals die deutsch-amerikanische Freundschaft. Diese sei der "Motor" für die transatlantischen Beziehungen, sagt er: "Ich will, dass 2014 das Jahr wird, in dem wir unsere Freundschaft erneuern."

Merkel hört das gerne. Aber ganz so einfach, das lässt sie durchblicken, will sie den Außenminister doch nicht davonkommen lassen. Man werde "Schritt für Schritt" an einer gemeinsamen Lösung für die Differenzen arbeiten, sagt sie und fügt hinzu: "Manches wird dauern."

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
troubador 31.01.2014
Wer soll dem US-Außenminister denn schon deutlich zur NSA-Affaire die Meinung sagen, etwa die Berliner Bücklinge und die sich als US -Untertanen verstehenden deutschen Politiker? Ohne krasse Aussagen mit möglichen Konsequenzen z.B. bezüglich des Handelsabkommens wird sich da gar nichts tun. Sie sind zwar alle auf das Grundsatz vereidigt, in dem steht, sie hätten "Schaden vom deutschen Volke fernzuhalten" haben aber alle Angst Tacheles zu reden. Anderen Ländern wollen sie aber unsere Vorstellungen von Freiheit, evtl. auch millitärisch, beibringen. Welch jammervolles Personal haben wir da gewählt!
2. Ein Freihandels-Vertreter auf Reisen
justine37 31.01.2014
Da ist mir ein jeder Staubsaugervertreter sympathischer,und auch ehrlicher.
3. Ein Fortschritt
Leser161 31.01.2014
Das sich endlich mal ein hochrangiger US-Poltiker dazu herablässt übder die NSA-Affäre zu sprechen ist zumindest ein Fortschritt. Jetzt gilt es dranzubleiben.
4. Kürzer
Mannfreed 31.01.2014
Zitat von sysopAFPAbstecher nach Berlin: Auf dem Weg zur Sicherheitskonferenz schaut US-Außenminister Kerry kurz in der Hauptstadt vorbei, spricht mit Amtskollege Steinmeier und der Kanzlerin. Auch die NSA-Affäre ist Thema. Aber eigentlich will man sich nur demonstrativ an den Händchen halten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/us-aussenminister-kerry-besucht-merkel-und-steinmeier-a-950338.html
Den Artikel hätte man auch kürzer fassen können. Und zwar so: " "
5. Tiefe Symbolik!
denkdochmal 31.01.2014
Zitat von sysopAFPAbstecher nach Berlin: Auf dem Weg zur Sicherheitskonferenz schaut US-Außenminister Kerry kurz in der Hauptstadt vorbei, spricht mit Amtskollege Steinmeier und der Kanzlerin. Auch die NSA-Affäre ist Thema. Aber eigentlich will man sich nur demonstrativ an den Händchen halten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/us-aussenminister-kerry-besucht-merkel-und-steinmeier-a-950338.html
Unter Ihrem Artikel: links Kerry nach Gesprächen in Nahost optimistisch mitte Merkel verletzt sich beim Skilanglauf rechts Rattenplage in Berlin Als alles Probleme, die man so gut wie gelöst hat...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Obamas Wiedergutmachungskurs: Der Charmeur


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: