"Global Hawk"-Übung US-Spionagedrohne fliegt bald über Deutschland

Auf ihrem Weg zu Übungen über der Ostsee fliegen US-Spionagedrohnen bald regelmäßig über Deutschland. Die Späh-Antennen der "Global Hawk"-Flieger sollen dabei ausgeschaltet bleiben.

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  US-Drohen vom Typ "Global Hawk": Sensoren werden deaktiviert
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US-Drohen vom Typ "Global Hawk": Sensoren werden deaktiviert


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Die USA werden in den nächsten Monaten regelmäßig hochmoderne Aufklärungsdrohnen vom Typ "Global Hawk" über Deutschland fliegen lassen. Das Verteidigungsministerium unterrichtete den Bundestag am Freitag darüber, dass die Drohnen auf dem Weg zu Übungen über der Ostsee in den nächsten Monaten immer wieder den deutschen Luftraum durchqueren werden.

Die "Global Hawk" ist fast so groß wie ein Verkehrsflugzeug und vollgestopft mit hochmoderner Späh-Technik, die den Funk-, Telefon- und Internetverkehr am Boden abhören kann. Das Ministerium betonte, man komme mit der Genehmigung des Überflugs "einer wichtigen Bündnisverpflichtung" nach und zeige sich "als verlässlicher Partner" innerhalb der Nato.

Die Überflüge der "Global Hawks" sind Teil der sogenannten Rückversicherungsmaßnahmen der westlichen Nato-Mitgliedstaaten für die östlichen Bündnispartner. Mit Militärmanövern und eben auch Drohnen-Patrouillen an der russischen Grenze will die Allianz den baltischen Staaten, aber auch Polen oder Rumänien symbolisch beweisen, dass man diese vor einer möglichen Aggression Moskaus schützen kann. Ab Ende Oktober, so das Schreiben an den Verteidigungsausschuss, seien deswegen "monatlich zwischen drei und fünf dieser Überflüge in sehr großen Höhen" vorgesehen. Die US-Drohnen sind im italienischen Sigonella stationiert.

Was nach einer Routineübung klingt, beschäftigte die beteiligten deutschen Ministerien mehrere Wochen. Da die US-Drohne keine zivile Flugzulassung hat, musste geprüft werden, ob die Überflüge pauschal oder jeweils nur im Einzelfall genehmigt werden können. Am Ende entschied man, auf die Einzelfallprüfung zu verzichten, da die Drohnen den deutschen Luftraum gut fünf Kilometer über der normalen Verkehrsflughöhe von rund 10.000 Metern durchqueren sollen. Sie kommen normalen Verkehrsflugzeugen damit nicht in die Quere.

Zudem, so heißt es im Schreiben des Ministeriums, seien keine Landungen geplant. "Direkte Auswirkungen auf den Luftverkehr über Deutschland" seien deshalb "weitestgehend ausgeschlossen".

Ausspähen ist "strikt untersagt"

Die umfangreichen Vorbereitungen für die "Global Hawk"-Flüge zeigen aber auch, dass das Vertrauen zwischen Deutschland und den USA nach der NSA-Affäre keineswegs wiederhergestellt ist. So wollte die Bundesregierung nicht nur Formalitäten geklärt wissen, sondern auch sichergehen, dass die USA die fliegenden Ohren nicht für Spionagemissionen über Deutschland einsetzen.

Deswegen wurde den USA vom Verteidigungsministerium "strikt untersagt", dass die Sensoren an Bord der "Global Hawks" während des Flugs über deutschem Boden aktiv sind. Zur Sicherheit, so die Information an den Bundestag, wolle man sich die Einhaltung dieser Regel noch einmal schriftlich von den Amerikanern bestätigen lassen.

Die "Global Hawk"-Drohnen der USA gehören zu den modernsten Aufklärungsdrohnen, die weltweit im Einsatz sind. Die Drohne selbst ist fast so groß wie eine Boeing 737 und fliegt weit über dem normalen Flugverkehr in bis zu 20 Kilometern Höhe. Von dort kann sie sowohl hochauflösende Bilder zur Bodenstation senden, als auch mit sensiblen Antennen jede Art von elektronischer Kommunikation am Boden ausspähen.

Deutschland wollte mit der "Euro Hawk" eine ähnliche Drohne anschaffen, die auf dem "Global Hawk"-Modell aufbaut. Das Projekt scheiterte jedoch an Problemen bei der Zulassung. Aufgegeben hat die Bundeswehr den Traum einer eigenen Drohne deswegen nicht.


Zusammengefasst: Amerikanische Aufklärungsdrohnen sollen auf ihrem Weg zu Übungen über der Ostsee künftig den deutschen Luftraum durchqueren. Darüber informierte das Verteidigungsministerium den Bundestag. Eine Gefährdung des Flugverkehrs soll durch die enorme Flughöhe der unbemannten Objekte ausgeschlossen sein. Um sicherzugehen, dass die Drohnen keine Kommunikation in Deutschland ausspähen, soll die Spionagetechnik an Bord deaktiviert werden.



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insgesamt 242 Beiträge
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Seite 1
irobot 23.10.2015
1.
Kann mir mal einer erklären warum Global Hawk ohne zivile Zulassung über uns rumschwirren darf, Euro Hawk aber nicht, weil es keine zivile Zulassung gibt?
pecos 23.10.2015
2. Natürlich werden ...
... die Späh-Antennen der "Global Hawk"-Flieger über Deutschland ausgeschaltet werden. Natürlich. Wenn man uns das zusagt, dann stimmt das auch. Der grosse Bruder sagt immer die Wahrheit. Natürlich.
Tiberias 23.10.2015
3. Antennen aus
Zitat: "Die Späh-Antennen der "Global Hawk"-Flieger sollen dabei ausgeschaltet bleiben" Jetzt kann ich mir aber ein Lachen wirklich nicht mehr verkneifen. Aber was soll's. Wir werden schon so komplett und rundum überwacht, dass das wohl auch keinen Unterschied mehr macht.
MrSpinalzo 23.10.2015
4. Echt jetzt?
"Deswegen wurde den USA vom Verteidigungsministerium "strikt untersagt", dass die Sensoren an Bord der "Global Hawks" während des Flugs über deutschem Boden aktiv sind." Und in drei Jahren whistlelt dann ein Blower, dass eben doch...
Ulrich Berger 23.10.2015
5. Natuerlich bleiben die 'Spaehantennen'
ausgeschaltet, was denken Sie denn! Schliesslich sind das - zumindest lt. Merkel - unsere Freunde. Werden diese Dinger eigentlich auch bewaffnet sein und dann gegen Missliebige in D. eingesetzt werden? Denn dass die Dinger da einfach nur so rumfliegen ist fuer mich schwer vorstellbar. Unfaelle passieren schliesslich taeglich und ueberall.
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