1500 zusätzliche Soldaten USA stocken Truppen in Deutschland auf

Im Juni erwog Donald Trump angeblich den kompletten Abzug der US-Truppen aus Deutschland. Jetzt gibt das Hauptquartier in Wiesbaden bekannt: Es werden 1500 zusätzliche Soldaten in die Bundesrepublik verlegt.

US-Soldaten im süddeutschen Grafenwöhr
AFP

US-Soldaten im süddeutschen Grafenwöhr


Die US-Armee stockt ihre Truppenpräsenz in Deutschland auf. Das Hauptquartier in Wiesbaden teilte mit, bis 2020 würden rund zusätzliche 1500 Soldaten aus den USA nach Deutschland verlegt und hier fest stationiert.

Die Aufstockung der Truppen, so die Mitteilung, sei ein Zeichen der "dauerhaften Bindung an die Nato" und der "gemeinsamen Entschlossenheit, die Sicherheit in Europa zu unterstützen".

Die zusätzlichen Einheiten sollen in Grafenwöhr, Ansbach, Hohenfels und Baumholder stationiert werden, so die Mitteilung. Das Pentagon hatte in den vergangenen Jahren eine Verstärkung der US-Präsenz vor allem in Osteuropa angeordnet, da sich die Nato-Partner dort vom zunehmend feindlich agierenden Russland bedroht fühlen.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zeigte sich erfreut: "Die US-Entscheidung, die militärische Präsenz bei uns in Deutschland zu verstärken, ist ein willkommenes Zeichen für die Vitalität der transatlantischen Beziehungen", sagte sie in Berlin. Die Stationierung sei ein "Bekenntnis zur gemeinsamen Sicherheit".

Im Frühsommer hatte es Gerüchte gegeben, US-Präsident Donald Trump erwäge aus Verärgerung über Deutschland einen kompletten Abzug der US-Armee. Er sei frustriert, dass Deutschland seine Militärausgaben nur langsam erhöhe und nicht wie vereinbart das sogenannte Zwei-Prozent-Ziel der Nato schon 2024 erreiche.

Tatsächlich hatte Trump beim Pentagon Anfang des Jahres eine grundsätzliche Überprüfung der US-Truppenpräsenz in Europa angeordnet. Laut US-Militärs ging es dabei aber vor allem um die Frage, ob die amerikanischen Einheiten zur Abschreckung Russlands statt in Deutschland verstärkt in Osteuropa stationiert werden sollen und nicht um einen Komplett-Abzug aus Deutschland.

Die Amerikaner haben bereits rund 33.000 Soldaten in Deutschland stationiert. Für das US-Militär ist Deutschland eine der wichtigsten Drehscheiben in Europa. Über die riesige Airbase Ramstein wickeln die USA die Logistik für fast alle Auslandseinsätze im Nahen Osten ab. Der Stützpunkt geriet in den vergangenen Jahren immer wieder in die Schlagzeilen, da von dort aus auch umstrittene Missionen wie die extralegale Tötung von Terrorverdächtigen durch unbemannte Drohnen geplant und gesteuert werden.

Nicht weit entfernt von Ramstein betreibt die US-Armee in Landstuhl zudem das größte US-Lazarett außerhalb Amerikas. Hier werden in Auslandseinsätzen verwundete Soldaten versorgt. In Stuttgart befindet sich zudem das Hauptquartier von Africom, das alle US-Operationen in Afrika steuert.

als/mgb



insgesamt 49 Beiträge
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Kurt2.1 07.09.2018
1. .
Diese Entwicklung überrascht mich ein wenig, die Entscheidung der USA freut mich aber auch. Bleibt nur zu hoffen, dass unsere Regierung daraus die richtigen Schlüsse für ihre eigenen Entscheidungen trifft. Es ist dringend erforderlich den überaus blamablen Iststand zu korrigieren und natürlich auch in ALLEN Bereichen an die "Moderne" anzuknüpfen.
mikrophon 07.09.2018
2. ?
extralegal ? Sagenhaft ! Noch nie gehört, wird im Deutschen wohl auch nicht häufig verwendet. Daher mal eben gegoogelt: The definition of extralegal is something not governed by laws, or not within the scope of the law. When someone does something wrong to you that is mean but not illegal, this is an example of an extralegal situation, where your remedies to right the wrong are not governed by laws. Wenn es je ein treffendes Beispiel für Euphemismus gab, dann ja wohl das hier...
ClausB 07.09.2018
3. Finde
ich ( trotz des desolaten Zustandes der Bundeswehr ) n i c h t gut - es sind schon genügend US-Soldaten in D stationiert: Mehr sind definitiv nicht notwendig.
regula2 07.09.2018
4. welcome back
Ein gutes Signal
jujo 07.09.2018
5. ....
Diese Entscheidung könnte doch ein Beleg dafür sein, das die Administration trotz Trump im wesentlichen ihr "business as usual" betreibt.
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