Väter in Elternzeit Papa macht Zuhause-Pause

Väter entdecken die Baby-Zeit. Dank des neuen Elterngelds nehmen immer mehr eine Pause vom Job - doch die Hoffnung der Politik, dass davon die Karrierechancen der Mütter profitieren, geht nicht auf. Denn Papa bleibt am liebsten parallel zu Mama zu Hause.

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"So richtig klappt das noch nicht", sagt Daniel Povel leicht sarkastisch. "Wahrscheinlich läuft das erst rund, wenn die Elternzeit rum ist." Der junge Vater meint nicht das Wickeln seines vier Monate alten Sohnes Henrik, das Bäuchleinmassieren oder Kinderwagenschieben - sondern die Abstimmung zwischen Job und Familie. "Eigentlich habe ich heute frei. Aber heute früh habe ich schon wieder eine Stunde am Rechner gesessen."

Daniel Povel arbeitet als Ingenieur beim Germanischen Lloyd, einer Art Schiffs-TÜV. Zurzeit hat er seine Arbeitszeit von 39 auf 28 Stunden in der Woche reduziert: Zwei Monate Elternzeit, parallel zu seiner Frau, die zwei Jahre pausieren möchte.

Montags und Freitagnachmittags hat er frei – eigentlich. "Man ist doch hin- und hergerissen zwischen Beruf und Familie. Ich mache auf jeden Fall mehr als die 28 Stunden. Aber was ich von zu Hause aus mache, kann ich ja kaum als Überstunden aufschreiben." Trotzdem: "Ich freue mich, die Zeit für meine Familie zu haben." Strahlend sitzt er an diesem warmen Montagvormittag auf der Terrasse seiner Mietwohnung in Hamburg – aufmerksam darum bemüht, dass sein kleiner Sohn auf seinem Schoß nicht die pralle Sonne abbekommt. Sein Vater ist zum gemeinsamen Frühstück gekommen: echter Zeit-Luxus.

Povel gehört zu den Pionieren der neuen Elternzeitregelung. Seit Januar erhalten Mütter oder Väter bis zu zwölf Monate lang 67 Prozent ihres Nettolohns, wenn sie sich zu Hause um ihre Kinder kümmern. Zwei Monate länger wird Elterngeld gezahlt, wenn auch der andere Elternteil pausiert oder kürzer tritt: In der Regel die "Vätermonate", aus der CSU gleich als "Wickel-Volontariat" diffamiert. Die Untergrenze liegt bei 300 Euro, die Obergrenze bei 1800 Euro.

Exoten zu Hause

In den ersten drei Monaten sind den aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge rund 60.000 Anträge auf Elterngeld bewilligt worden. Etwa 4000 davon stellten Väter. Das sind sieben Prozent, insgesamt nicht viel. Exoten. Dennoch eine Verbesserung, weil nach der alten Regelung im vergangenen Jahr lediglich 3,5 Prozent der Väter Erziehungsgeld beantragt haben. Als Wunschziel hatte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen vorgegeben, dass ein Viertel der jungen Väter Elternzeit nehmen sollte - ein weiter Weg.

Gut 50 Prozent der männlichen Antragsteller in diesem Jahr nahm zwei Monate Elternzeit - aber 30 Prozent immerhin zwölf Monate.

Volker Baisch von der Hamburger Beratungsstelle Väter e.V. spürt seit Ende vergangenen Jahres einen enormen Zuwachs an Anfragen. Seiner Erfahrung nach liegt die Quote an Vätern, die Elterngeld beantragen, in Großstädten deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Er geht von einer Größenordnung von 15 bis 20 Prozent in Hamburg aus und nennt das Gesetz einen großen Fortschritt. "Endlich können es sich viele Familien leisten, die Elternzeit aufzuteilen."

Allerdings sind die Fragen, mit denen Männer sich an ihn wenden, dieselben wie bei der alten Regelung: Wie sage ich's dem Chef? "Die Angst, dass Elternzeit hinderlich für die Karriere ist, ist eine Riesenbarriere."

So gibt es denn selbst bei großen Unternehmen wie Shell oder den Otto-Versand noch keinen einzigen Mann, der die neue Elterngeldregel nutzt – auch wenn die Firmen eindringlich versichern, dass sie solche Väter unterstützen.



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