"Das Gott"-Debatte: Vatikan-Berater attackiert Ministerin Schröder

Der Fall Kristina Schröder geht jetzt bis ganz nach oben - fast. Zumindest ein Vatikan-Berater hat sich nun eingeschaltet und der Familienministerin "religiösen Analphabetismus" vorgeworfen. Die Politikerin hatte für einen geschlechtsneutralen Gottesbegriff plädiert. Das Ministerium ermahnt Kritiker.

Ministerin Schröder: "Das Gott"-Debatte kurz vor dem Fest Zur Großansicht
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Ministerin Schröder: "Das Gott"-Debatte kurz vor dem Fest

Berlin - Die "Das Gott"-Debatte ist für Kristina Schröder offenbar noch nicht ausgestanden. Nicht nur aus der eigenen Partei setzt es heftige Kritik - auch ein Vatikan-Berater mischt sich ein. "Die Äußerungen von Frau Schröder zeugen von einem erschreckenden religiösen Analphabetismus, sie kennt die Grundrechenarten des Glaubens nicht", sagte der Vatikan-Berater und Direktor des bayerischen Wallfahrtsorts Maria Vesperbild, Prälat Wilhelm Imkamp.

"Die Äußerungen sind 'dd', dumm und dreist, und zeugen auch von einem hemmungslosen Opportunismus", sagte Imkamp weiter.

Bundesfamilienministerin Schröder hatte in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" erklärt, der bestimmte Artikel bei der Redewendung "der liebe Gott" sei eigentlich egal. Man könne genauso gut auch "das Gott" sagen.

Das wollte Imkamp so nicht stehen lassen: "Gott ist eine Person. Wir haben einen personalen Gott, dass dieser personale Gott die Dimensionen der Geschlechtlichkeit übersteigt, führt nicht dazu, dass man ihn neutralisieren kann." Er könne nur hoffen, dass die Dissertation von Schröder ein anderes Niveau habe als diese Äußerungen.

Imkamp berät die Selig- und Heiligsprechungskongregation des Vatikans und bekam von Papst Benedikt XVI. in diesem Jahr den seltenen Titel des Apostolischen Protonotars verliehen.

Die bayerische Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) hatte, wie andere Unionskollegen, in der "Bild"-Zeitung heftig gegen Schröder geschossen. Deren Äußerungen bezeichnete sie als "verkopften Quatsch". Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Katharina Reiche (CDU) ließ sich mit dem Satz zitieren: "Der liebe Gott bleibt der liebe Gott."

Ministeriumssprecher Steegmanns verweist auf Ratzingers Gottesbegriff

Doch auch im Schröder-Lager will man die Kritik aus CDU und CSU nicht auf sich sitzen lassen - und hält selbst mit religiösem Fachwissen dagegen. Ministeriumssprecher Christoph Steegmanns appellierte am Freitag in der Bundespressekonferenz an die Kritiker, nicht päpstlicher zu sein als der Papst.

Er verwies auf ein Buch Joseph Ratzingers, dem heutigen Papst Benedikt XVI, mit dem Titel "Jesus von Nazareth", Band I. Auf Seite 174 oben habe Joseph Ratzinger festgehalten: "Natürlich ist Gott weder Mann noch Frau."

Vom Leiter des Kommissariats der katholischen deutschen Bischöfe, Karl Jüsten, und von Bayerns Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU), Vize-Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, kam ebenfalls Unterstützung für die Ministerin. Theologisch sei die Antwort Schröders zumindest nicht ganz falsch, da Gott über den Geschlechtern steht, so Jüsten. Der "Saarbrücker Zeitung" sagte, er könne die Aufregung nicht verstehen: "Die Frage der Geschlechtlichkeit stellt sich bei Gott nicht. Es ist nur Gott. Dabei geht es nicht um gender mainstreaming."

Der CSU-Politiker Beckstein, einst Ministerpräsident Bayerns, sagte: "Theologisch hat Frau Ministerin Schröder recht: Gott steht über den Geschlechtern. Aber emotional ist das nicht meine Welt; für mich ist es wichtig, Gott als Vater zu haben. Und Jesus als seinen Sohn. Und selbst als Protestant ist mir Maria als die Mutter Gottes wichtig."

Schröder selbst scheint über die heftigen Reaktionen ihrer Unionskollegen überrascht zu sein. Der "Bild"-Zeitung sagte sie: "Bei meiner Antwort habe ich vielleicht zu sehr an das kleine Mädchen gedacht und nicht an die vielen Erwachsenen, die über meine Worte stolpern."

jok/sev/AFP/Reuters

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insgesamt 334 Beiträge
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1. Als ob die Welt keine Probleme hat.
howagri100 21.12.2012
Diese Diskussion ist genauso unsinnig, wie die Debatte vor geraumer Zeit bezüglich der Abschaffung der Vorhölle.
2. Prälat Wilhelm Imkamp
sverris 21.12.2012
muss es ja wissen. "Neutralisieren": meint er damit "das" Gott? Ach Gottchen...
3. Kirche = ziemlich großes Maul
hellknight 21.12.2012
Dass die katholische Lehre seit Jahrhunderte nicht an aktuelle Zeitgeschehen angepasst wird, muss man nicht über diese verdrehte Glaubensteile wundern. Frau niedriger als Mann? Papst von Gott ernannt? Gott ist männlich? Im Märchenbuch "Bibel" vielleicht...Katholische Kirche ist "fortschritt"feindlich, das ist ein Fakt.
4.
brunellot 21.12.2012
Zitat: "Er könne nur hoffen, dass die Dissertation von Schröder ein anderes Niveau habe als diese Äußerungen" hmmm, da sehe ich nun aber wirklich schwarz...
5. der mann
snigger 21.12.2012
kennt wohl den spruch noch nicht: ---Zitat--- Als Gott Adam erschuf, übte Sie nur ---Zitatende--- :-) aber mal im ernst: ---Zitat--- "Gott ist eine Person. Wir haben einen personalen Gott, dass dieser personale Gott die Dimensionen der Geschlechtlichkeit übersteigt, führt nicht dazu, dass man ihn neutralisieren kann." ---Zitatende--- natürlich kann ich alles neutralisieren (freier wille !) ... sogar Gott. welchen "Beweis" für die Männlichkeit Gottes bietet er an? welchen "Beweis" für die Existenz Gottes bietet er überhaupt an? last but least: im laufe der zeit änderten sich bei mehreren substantiven der bezeichnende artikel ... zum beispiel hies es im mittelalter DER Luft (da war luft männlich) ... heute ist Luft weiblich ... deshalb DIE Luft ...
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