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Verbraucher: Bundestag verschärft Datenschutz

Persönliche Daten stehen künftig unter strengerer Kontrolle: Der Bundestag hat eine Verschärfung des Datenschutzrechts beschlossen. Personenbezogene Informationen dürfen nur noch mit Einwilligung der Betroffenen zum Adresshandel verwendet werden.

Berlin - Nach den Datenschutzskandalen der vergangenen Monate soll ein Datenschutzsiegel mehr Transparenz für Verbraucher schaffen.

Ein entsprechendes Gesetz hat der Bundestag am Freitag beschlossen. Danach können sich Unternehmen freiwillig einem "unbürokratischen Datenschutzaudit" unterziehen und Datenschutzkonzepte sowie technische Einrichtungen mit dem Siegel kennzeichnen. Dafür ist eine regelmäßige Kontrolle vorgesehen, ob Richtlinien zur Verbesserung des Datenschutzes und der Datensicherheit erfüllt werden.

Mit dem Gesetz wird zugleich der Adresshandel für Unternehmen eingeschränkt. Künftig müssen Verbraucher zustimmen, wenn Unternehmen die Daten weitergeben wollen. Die Einwilligung bedarf der Schriftform. Eine explizite Einwilligung bei der Datenweitergabe zu Werbezwecken ist nicht vorgesehen.

Das vom Bundestag geänderte Bundesdatenschutzgesetz lässt allerdings viele Ausnahmen zu. Die Werbewirtschaft, Medienunternehmen und Meinungsforscher dürfen weiterhin listenmäßig erfasste Daten bestimmter Personengruppen nutzen.

Das Gesetz stärkt die betrieblichen Datenschutzbeauftragten und verbessert auch den Datenschutz von Arbeitnehmern. Verstöße sind mit einem Bußgeld bis zu 300.000 Euro bedroht. Die ursprünglich vorgesehene freiwillige Überprüfung des Datenschutzes von Unternehmen wurde gestrichen.

VDZ sieht Presse Gefahr ausgesetzt

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) "begrüßt, dass der Bundestag bei den Beratungen der Datenschutznovelle um einen auch für die Wirtschaft akzeptablen Kompromiss gerungen hat". Ein Verbandsvertreter erklärte in einer Pressemitteilung: "Wir erkennen an, dass sich Parlamentarier beider Regierungsparteien darum bemüht haben, den äußerst wirtschafts- und pressefeindlichen Regierungsentwurf abzumildern." Es sei aber fraglich, "ob mit dem nun vereinbarten Kompromiss eine ausreichende Zahl potentieller Neu-Leser für die briefliche Abo-Werbung erreichbar bleibt", heißt es in der Presseerklärung.

Der Verband befürchtet, dass durch die Neuregelung die Abo-Auflagen unter Druck geraten. "Es ist unverständlich, warum die im Zuge der Digitalisierung und infolge massiver Anzeigenrückgänge schwer belastete Presse ausgerechnet jetzt einer solchen Gefahr ausgesetzt wird", sagte der VDZ-Sprecher weiter.

Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar ist mit Teilen des Kompromisses nicht glücklich. Es sei unbefriedigend, dass die Verwendung von Daten wie Name, Adresse, Beruf, Geburtsjahr oder Titel für Werbezwecke nicht generell an die ausdrückliche Einwilligung der Betroffenen geknüpft werde, sagte er.

Insgesamt zeigte sich Schaar dennoch zufrieden mit der Neuregelung. Die Herkunftskennzeichnung von Daten schaffe Transparenz und stelle deshalb eine Verbesserung dar. Auch die Informationspflicht über Verstöße wertete er als Fortschritt, ebenso weiterreichende Ahndungsmöglichkeiten der Aufsichtsbehörden sowie Änderungen beim Datenschutz für Arbeitnehmer.

Zugleich kritisierte der Datenschützer allerdings die Rolle der Wirtschaft bei der Gesetzesreform. "Es hat hier eine Lobby-Kampagne gegeben, die ihresgleichen sucht", monierte Schaar.

hen/dpa/Reuters/ddp

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Forum - Datenschutz - Adresshandel einschränken?
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1.
Galaxia, 08.05.2009
Zitat von sysopAdresshandel nur noch mit Zustimmung der Betroffenen - eine Novelle des Datenschutzgesetzes soll Verbraucher vor nerviger Werbepost schützen. Eine gute Initiative oder eher schädlich für die Konjunktur?
Ueberfaellig.
2.
Rainer Helmbrecht 08.05.2009
Zitat von sysopAdresshandel nur noch mit Zustimmung der Betroffenen - eine Novelle des Datenschutzgesetzes soll Verbraucher vor nerviger Werbepost schützen. Eine gute Initiative oder eher schädlich für die Konjunktur?
Die Schwierigkeit liegt in zwei Feldern. Erstens in der Freizügigkeit der Betroffenen, die selber nicht wissen, dass sie Teil des Geschäfts sind. Zweitens wird man sich dieser Zustimmung nur schwer entziehen können, weil die kaum zu verifizieren ist, seit wann die existiert und dann noch die verklausulierten Verträge, bei denen die Zustimmung heraus "gelesen" werden. Außerdem können Zustimmungen auch abgefordert werden. Nach dem Motto, wenn Sie die Zustimmung verweigern, werden Leistungsbeschränkungen ausgesprochen. Wie weit gilt denn eine Zustimmung? Bei der Verflechtung der Firmen und dem Zusammenlegen von Geschäftsbereichen, ist der Urheber kaum noch auszumachen. Das ist Augenwischerei und Schaumschlägerei, weiter nichts. MfG. Rainer
3.
mystyhax 08.05.2009
Ich habe vor wenigen Wochen eine Sendung im ZDF zum Thema Datenschutz gesehen. In diesem Zusammenhang wurden die Gesetztesnovelle vorgestellt und illustriert wie die Interessensverbände versuchen diese auszuhölen bzw. ganz zu stoppen. Das ganze nennt sich "palamentarisches Frühstück"!!! Hierzu werden vornehmlich die Fraktionen der Bundesregierung eingeladen um generell Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen. Ich konnte kaum Glauben wie das abläuft und als ich den Spon Artikel zum Thema las kam mir die Galle hoch. Es war nämlich gerade Herr Bosbach der offensichtlich aus der Lokalität des parlamentarischen Frühstücks der Werbe- und Marketing Industrie kam. Für ein Interview stand er nicht zur Verfügung und schob eine Kollegin vor (ebenfalls CDU - Fraktion). Wer nun eins und eins zusammenzählt wird nun wissen warum das Gesetz nun verwässert, verzögert oder gar komplett eleminiert wird. Der einzige der kein Lobbybüro in Berlin hat ist wahrscheinlich der Bürger insbesondere der Steuerzahler. So viel zum Thema "Volksvertreter". Ich bin grundsäztlich der Meinung man sollte diesen Begriff abschaffen!
4.
Adran, 08.05.2009
Adressenhandel abschaffen!!!! Callcenter und Werbeflut kann einem auf den Sack gehn..um das mal noch sehr sehr höfflich auszudrücken..
5. Es geht besser
Marc Schaut 08.05.2009
Parlamentarische demokratie hat so ihre Tücken. Da haben wir es mal wieder. Lobbyisten untergraben den Verbraucherschutz. Das ist eines von vielen Beispielen. Gentechnik im Essen ist auch so ein Thema. Da können 70% der Bevölkerung dagegen sein, die Lobbyverbände setzen ihre Interessen durch. Deshalb direkte Demokratie. Damit die Bevölkerung nicht zum Spielball von Einzelinteressen wird. Schöner Gruß Marc Schaut www.kanzler.zdf.de Youtube: Ich kann Kanzler
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