Verbraucherschutz "Entscheidend sind niedrige Dispo-Zinsen"

Thomas Heilmann, CDU-Verbraucherschutzsenator des Landes Berlin, will die deutschen Banken zu mehr Transparenz zwingen. Im Interview fordert der 48-Jährige mehr Wettbewerb - und prophezeit eine europäische Lösung.

Thomas Heilmann: Der Berliner Verbraucherschutzsenator verlangt mehr Transparenz
dapd

Thomas Heilmann: Der Berliner Verbraucherschutzsenator verlangt mehr Transparenz

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SPIEGEL: Obwohl Banken in Deutschland günstig an Geld kommen, verlangen sie von ihren Kunden hohe Dispo-Zinsen. Was wollen Sie dagegen tun?

Heilmann: Wir brauchen viel mehr Wettbewerb und dafür mehr Transparenz. Denn die Zinsen unterscheiden sich stark. Verbraucher dürfen nicht in eine Verschuldungsspirale rutschen, weil die Banken sie nicht rechtzeitig über die Kosten eines überzogenen Kontos aufklären. Deswegen möchte das Land Berlin jetzt auf EU-Ebene vorankommen.

SPIEGEL: Wie soll das gehen?

Heilmann: Wir wollen eine Richtlinie in Europa erreichen, die den Banken klare Transparenzregeln vorgibt. Alle Gebühren müssen jederzeit abrufbar im Internet stehen. Den Kunden dürfen nur Zinsen berechnet werden, wenn sie auch einen Dispokredit wollten. Wir wollen die Banken verpflichten, regelmäßig über entstehende Zinskosten zu informieren und mögliche Umschuldungen anzubieten. Außerdem müssen die Kontodaten digital übertragbar sein, damit man eine Bank ohne bürokratischen Aufwand wechseln kann.

SPIEGEL: Warum ist keine nationale Lösung möglich?

Heilmann: Wir würden uns freuen, wenn es eine Bankenvereinbarung in Deutschland geben würde. Meine Kollegin im Bund, Ilse Aigner, ist da in konstruktiven Gesprächen. Aber es gibt einzelne Banken, die sich bisher nicht bewegen. Wir sind zuversichtlich, Verbündete in Europa zu finden. Die Verhandlungen mit den Banken in Deutschland laufen weiter. Wenn es keine nationale Lösung gibt, kommt eine europäische. Entscheidend ist, dass die Kunden niedrigere Dispo-Zinsen haben können.



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