Verdacht auf Kinderpornografie: Staatsanwalt vernimmt SPD-Politiker Tauss fünf Stunden lang

Termin bei der Staatsanwaltschaft: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss hat erneut eingestanden, kinderpornografische Fotos und Filme besessen zu haben. Diese habe er aber nur für seine Arbeit genutzt. Die Ermittlungsbehörde kann diese Sicht nicht teilen.

Karlsruhe - "Die bisherige Einschätzung der Staatsanwaltschaft Karlsruhe zu seiner Einlassung besteht fort", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gunter Spitz. Seine Behörde hatte bislang betont, die bei Jörg Tauss beschlagnahmten Fundstücke hätten nichts mit dessen Arbeit als Abgeordneter zu tun. Der unter Kinderporno-Verdacht stehende SPD-Bundestagsabgeordnete hatte zuvor eine umfassende Aussage vor der Staatsanwaltschaft Karlsruhe gemacht. Dabei räumte er erneut ein, Pornofotos und entsprechende Filme besessen zu haben. Dieses jedoch ausschließlich für seine Arbeit.

SPD-Politiker Tauss (Archiv): Umfassende Aussage vor Staatsanwaltschaft
REUTERS

SPD-Politiker Tauss (Archiv): Umfassende Aussage vor Staatsanwaltschaft

"Das Gespräch dauerte insgesamt fast fünf Stunden", sagte sein Anwalt Jan Mönikes Bild.de. Tauss sei auf alle Details umfassend eingegangen. "Es war ein sehr konstruktives Gespräch mit der Staatsanwaltschaft." Er habe den Eindruck, dass diese sich um "ein faires und schnelles Verfahren in dem aus meiner Sicht begrenzten Vorwurf" bemühe.

Mönikes ist sicher, dass sich sein Mandant nicht strafbar gemacht habe. "Das Strafgesetzbuch sagt ganz klar, dass Recherchen in diesem Bereich nicht strafbar sind, wenn sie ausschließlich zur Erfüllung rechtmäßiger, dienstlicher und beruflicher Pflichten dienen." Wenn sich Journalisten darauf beriefen, dann erst recht ein Abgeordneter, sagte er.

Tauss hatte im Zusammenhang mit den gegen ihn erhobenen Vorwürfen um den Besitz von Kinderpornografie Fehler eingeräumt. Er habe Kontakt zur pädophilen Szene aufgenommen, um Erkenntnisse über den Vertrieb kinderpornografischen Materials zu erhalten und sich solches dafür auch zusenden lassen. Dies habe er aber nur für seine politische Arbeit getan.

Kandidiert Tauss erneut für den Bundestag?

Weiterhin unklar ist, ob der 55-Jährige am 27. September erneut für den Bundestag kandidiert. Der frühere Generalsekretär der Südwest-SPD steht auf der Landesliste auf dem aussichtsreichen Platz sieben. In Teilen der Südwest-SPD wird Tauss wegen der Affäre im Superwahljahr für die Partei als untragbar angesehen. Der rechtspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Rainer Stickelberger, hatte sogar erklärt, Tauss solle "möglichst schnell" sein Bundestagsmandat niederlegen.

Ein Parteisprecher sagte der dpa, "man erwartet, dass er sich diese Woche erklärt, wie es weitergeht". Noch vor kurzem hatte SPD-Landeschefin Ute Vogt gesagt, Tauss solle bis Ostern Zeit haben, eine Entscheidung zu treffen.

fsc/AFP/dpa

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