Verdacht auf Untreue Staatsanwalt ermittelt gegen Linken-Chef

Hat Klaus Ernst Flüge zu Gewerkschaftstreffen und Aufsichtsratssitzungen zu Unrecht über den Bundestag abgerechnet? Das klärt jetzt die Berliner Staatsanwaltschaft: Sie ermittelt gegen den Linken-Chef wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug. Er selbst sieht dem Verfahren gelassen entgegen.

Linken-Chef Ernst: "Ich gehe davon aus, dass ich mich korrekt verhalten habe"
DPA

Linken-Chef Ernst: "Ich gehe davon aus, dass ich mich korrekt verhalten habe"


Berlin - Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Linken-Chef Klaus Ernst. Der Bundestagsabgeordnete werde der Untreue und des Betrugs verdächtigt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner.

Geprüft wird, ob Ernst Flüge zu Gewerkschaftstreffen und Aufsichtsratssitzungen von Unternehmen unrechtmäßig über den Bundestag abgerechnet hat. Laut Abgeordnetengesetz werden durch den Steuerzahler nur diejenigen Flugtickets erstattet, die in Zusammenhang mit der Tätigkeit als Abgeordneter stehen.

Ein Bericht des SPIEGEL hatte die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Interne Unterlagen und Aussagen von Insidern hatten nahegelegt, dass Ernst in zahlreichen Fällen seine Flüge als Gewerkschaftsmann oder Aufsichtsrat dem Steuerzahler in Rechnung gestellt haben könnte.

Der SPIEGEL hatte folgende Fälle genannt:

  • 13. Dezember 2007: Am Nachmittag des 12. Dezember hatte Ernst im Bundestag gegen die Managergehälter gepoltert. Am Morgen darauf ließ er sich von der Fahrbereitschaft des Bundestags zum Flughafen Tegel bringen. Abflug um 8.40 Uhr nach Frankfurt am Main. Um 10.15 Uhr begann die Aufsichtsratssitzung der SKF GmbH im Raum "Rom" im Airportclub des Airport Conference Center. Am Nachmittag ging es mit dem Flieger zurück nach Berlin.
  • 17. März 2009: Ernst musste auch an diesem Tag von Berlin nach Frankfurt am Main. Im dritten Stock der IG-Metall-Zentrale trafen sich Gewerkschaftsfunktionäre, Ernst war offenbar dabei, als die "gewerkschaftliche Situation" debattiert wurde. Am Abend ging es zurück in die Hauptstadt. Dort stand wichtige Parteiarbeit an: Parteichef Lothar Bisky hatte zu einer vertraulichen Runde ins Lokal "Habel Weinkultur" gebeten.
  • 8. September 2009: Ernst trat im Wahlkampf in Niedersachsen auf, er übernachtete danach in Hamburg. Am nächsten Morgen musste er früh raus, um 8.25 Uhr flog er mit Intersky nach Friedrichshafen. Im Forschungs- und Entwicklungszentrum kam der Aufsichtsrat der Sachs AG zusammen, Ernst flog gegen 18 Uhr wieder Richtung Berlin. Dort war ein Termin, zu dem sich der Bayer angemeldet hatte: die Eröffnung des Oktoberfestes vor dem Roten Rathaus mit allerlei Prominenz.

Die Staatsanwaltschaft in Berlin hat sich dieser drei Vorwürfe nun angenommen, bestätigte Steltner SPIEGEL ONLINE. Sie seien auf strafrechtliche Relevanz geprüft worden, die Ermittler hätten dann einen "Anfangsverdacht für ein strafbares Verhalten erkannt", sagte Steltner. Daraufhin sei Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) am 7. Juli schriftlich unterrichtet und ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Daneben habe eine Privatperson Strafanzeige erstattet. Ob weitere Reisen Gegenstand der Ermittlungen werden könnten, sei derzeit nicht absehbar. Auch der Immunitätsausschuss des Bundestages weiß von den Ermittlungen.

Ernst selbst sieht dem Verfahren "mit größter Gelassenheit" entgegen, sagte er SPIEGEL ONLINE. "Ich gehe davon aus, dass ich mich korrekt verhalten habe. Und ich bin froh, wenn der Vorgang auch entsprechend beschieden wird."

Der Politiker übte neben seiner Funktion als bayerischer Abgeordneter seit 2005 bis Ende Juni dieses Jahres das Amt des Ersten Bevollmächtigten der IG Metall in Schweinfurt aus. In dieser Funktion saß er in den Aufsichtsräten der Autozulieferer SKF GmbH und ZF Sachs AG.

ffr/ddp



insgesamt 364 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
immerfreundlich 21.07.2010
1.
Zitat von sysopHat Klaus Ernst Flüge zu Gewerkschaftstreffen und Aufsichtsratssitzungen zu Unrecht über den Bundestag abgerechnet? Das klärt jetzt die Berliner Staatsanwaltschaft: Sie ermittelt gegen den Linken-Chef wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug. Er selbst sieht dem Verfahren gelassen entgegen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,707784,00.html
Wenn es stimmt passt der Spruch "links labern, rechts denken/handeln" mal wieder Je mehr ich diese Roten kennen lerne, dest mehr bin ich der Meinung.... wer hats gesagt? Und bezogen auf die Kommunisten ist das so falsch nicht.
Bayerr, 21.07.2010
2. Konsequent
Wenn schon unabhängige Richter so entscheiden wie heute im Fall Ramelow, dann wollen natürlich weisungsgebundene Staatsanwälte nicht zurückstehen.
mbberlin, 21.07.2010
3. ...
Was soll man da jetzt diskutieren ohne die Fakten zu kennen?
otmars1 21.07.2010
4. Warum nicht?
Wenn er auf Sitzungen auch als Parlamentarier aufgetreten ist und den Kolleginnen und Kollegen Rede und Antwort stand zur Arbeit im Parlament, dann sehe ich da keine Probleme. Öffentlichkeitsarbeit gehört zum Geschäft des Abgeordneten, im Besten Fall legt einer Rechenschaft ab und holt sich Anregungen und Empfehlungen von der Basis. Problematisch wäre nur, wenn er bei der IGM und bei der Bundestagsverwaltung die gleichen Reisen abgerechnet hätte.
Sapientia 21.07.2010
5. Das sind die typischen Mechanismen des schwachen Staates, ...
Zitat von sysopHat Klaus Ernst Flüge zu Gewerkschaftstreffen und Aufsichtsratssitzungen zu Unrecht über den Bundestag abgerechnet? Das klärt jetzt die Berliner Staatsanwaltschaft: Sie ermittelt gegen den Linken-Chef wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug. Er selbst sieht dem Verfahren gelassen entgegen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,707784,00.html
zu doof zu sein die Linken politisch auszuhebeln, den Verfassungsschutz stasimäßig drauf ansetzen, aber zu doof sein um sie verbieten zu können, und nun wird gesucht und gesucht u d gesucht, und jede kleine gefundene Fliege an der Wand wird von der Presse hochstilisiert, ..... morgen die NPD? Wenn wir in der Mitte schon zu doof für vernünftige Ergebnisse sind, dann lassen wird doch wenigstens jene ständig in der stigmatisierten Ecke, die es nicht sind, und lenken so von unseren eigenen Gebrechen ab. Irgendein Mitglied der Chavallerie der Juristen ist immer dankbar für den eigenen Karriereschritt und die Presse gibt dazu das Feuerwerk.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.