Verdacht des Bankrotts Ex-Staatssekretär Pfahls und Lobbyist Holzer verhaftet

Sie gelten als Schlüsselfiguren in den Affären um den Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber und den französischen Konzern Elf-Aquitaine: Ex-Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls und der Geschäftsmann Dieter Holzer sind verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf vorsätzlichen Bankrott.

dpa

Augsburg - Der frühere CSU-Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls und der Geschäftsmann Dieter Holzer sind für die Justiz keine Unbekannten. Beide Namen sind eng verknüpft mit großen politischen Affären in der Bundesrepublik. Jetzt sind sie erneut ins Visier der Polizei geraten: Die beiden wurden an diesem Mittwoch verhaftet. Gegen Pfahls, Holzer und andere werde wegen des Verdachts des Bankrotts ermittelt, gab die Staatsanwaltschaft Augsburg bekannt und bestätigte damit eine Meldung der "Augsburger Allgemeinen".

Pfahls soll unter Mithilfe von Holzer seinen Gläubigern hohe Vermögenswerte verschwiegen und sich als vermögenslos dargestellt haben. Umgangssprachlich meint Bankrott nur die Zahlungsunfähigkeit, im Strafgesetzbuch gibt es aber auch den Straftatbestand des Bankrotts, der zu den Insolvenzstraftaten gehört. Nach Paragraf 283 Strafgesetzbuch macht sich derjenige einer Straftat schuldig, der Bestandteile seines Vermögens, die zur Insolvenzmasse gehören, beiseite schafft, verheimlicht oder zerstört. Sollte Pfahls verurteilt werden, drohen ihm eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Haft.

Außerdem wurden fünf weitere Beschuldigte verhaftet. Zu ihnen machte die Staatsanwaltschaft keine weiteren Angaben. Im Zuge der Ermittlungen seien am Mittwoch bundesweit 20 Objekte durchsucht worden, bestätigte Behördensprecher Matthias Nickolai übereinstimmende Informationen der "Allgemeinen Zeitung Mainz" sowie der "Augsburger Allgemeinen".

Pfahls war 2005 vom Landgericht Augsburg wegen Vorteilsannahme und Steuerhinterziehung zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Er hatte zuvor gestanden, vom Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber Schmiergelder in Höhe von 3,8 Millionen Mark kassiert zu haben. Der promovierte Jurist Pfahls machte vor seinen kriminellen Verstrickungen eine politische Bilderbuchkarriere. Der heute 68-Jährige galt als Ziehsohn von Bayerns früherem Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß.

Holzer wurde von Gerichten bereits mehrfach wegen verschiedener Straftaten verurteilt. Der Geschäftsmann suchte nie das Licht der Öffentlichkeit. Schweigsam und unauffällig zog er im Hintergrund die Fäden für mächtige Freunde, Firmen und Politiker. Sein Arbeitsplatz waren Hinterzimmer, seine Ware Kontakte und Verbindungen. Bekannt wurde der 67-jährige Saarländer vor allem als Schlüsselfigur in der Affäre um angebliche Zahlungen des französischen Konzerns Elf-Aquitaine an deutsche Politiker.

ler/dpa/Reuters

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insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
Kassian 22.12.2010
1. .
Was wetten wir das diese Herren mit Geldstrafen davonkommen? Das aber hier ermittelt wurde ist durchaus anerkennenswert.
JPP-1 22.12.2010
2. Da bleibt einiges unter dem Teppich
Wetten, daß ein leichtes Dududu ausgesprochen wird? Sowas in der Art 3 Monate auf Bewährung? Sobald einer der Beiden das Zauberwort "Koffer" oder "100'000,00 DM" ausspricht, werden die Ermittler auf Geheiss ihres früheren obersten Dienstherrn nur noch auf Sparflamme ermitteln und das auch nur noch in eine Richtung. Rollstuhl und Paranoia hin oder her, ich denke, hier muß endlich auch der Immunitätsausschuß 'ran.
Regulisssima 22.12.2010
3. Naja..
Zitat von KassianWas wetten wir das diese Herren mit Geldstrafen davonkommen? Das aber hier ermittelt wurde ist durchaus anerkennenswert.
..als Wiederholungstäter ? Da wird die Justiz es sich kaum entgehen lassen, sich selbst reinzuwaschen.
eurozocker 22.12.2010
4. ist ja lustig !!!
da wickeln die Jungs Millionengeschäfte in Hinterzimmern ab und stolpern dann aber über das Insolvenzverfahren !!!
Thomas Kossatz 22.12.2010
5. ?
Zitat von JPP-1Wetten, daß ein leichtes Dududu ausgesprochen wird? Sowas in der Art 3 Monate auf Bewährung? Sobald einer der Beiden das Zauberwort "Koffer" oder "100'000,00 DM" ausspricht, werden die Ermittler auf Geheiss ihres früheren obersten Dienstherrn nur noch auf Sparflamme ermitteln und das auch nur noch in eine Richtung. Rollstuhl und Paranoia hin oder her, ich denke, hier muß endlich auch der Immunitätsausschuß 'ran.
Können Sie mal verständlich schwafeln? Was hat das mit Immunität zu tun??? Total unsinniger Beitrag.
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