Islamismus Verfassungsschutz warnt vor neuer Salafisten-Offensive

Salafisten versuchen nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden vom Nahen Osten aus gezielt Einfluss auf deutsche Islamisten zu nehmen - mit Hilfe eines deutschsprachigen Medienzentrums. Verfassungsschutzpräsident Maaßen warnt vor einer neuen Propagandaoffensive.

Verfassungsschutzpräsident Maaßen: Sorge vor neuer Salafisten-Offensive
dapd

Verfassungsschutzpräsident Maaßen: Sorge vor neuer Salafisten-Offensive


Berlin - Nach Einschätzung von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen versuchen ins Ausland abgewanderte Salafisten ihren Einfluss auf Islamisten in Deutschland auszubauen. Der Inlandsgeheimdienst müsse erkennen, dass nach dem Verbot der salafistischen Organisation Millatu Ibrahim im Juni "eine der Schlüsselfiguren aus Deutschland jetzt ganz offensichtlich damit beschäftigt ist, im Nahen Osten eine Art deutschsprachiges Medienzentrum aufzubauen", sagte Maaßen der "Rheinischen Post". Ziel sei es, "so Einfluss auf Islamisten in Deutschland zu nehmen".

Vor einigen Wochen hatte Maaßen bereits erklärt, der Österreicher Mohamed Mahmoud, der sich im April 2012 aus Deutschland nach Ägypten abgesetzt und Anführer der Gruppierung Millatu Ibrahim war, habe in Ägypten "eine Art Brückenkopf aufbauen" und dabei örtliche Strukturen nutzen können.

Die Sicherheitsbehörden haben in den vergangenen Monaten eine regelrechte Ausreisewelle von Salafisten aus Deutschland ins Ausland beobachtet - besonders nach Ägypten. Etwa 20 Anhänger von Mahmoud, unter ihnen der Berliner Ex-Rapper und Konvertit Denis Cuspert alias Deso Dogg, seien bereits abgereist. 30 weitere Islamisten "sitzen auf ihren Koffern", sagt ein hochrangiger Sicherheitsbeamter dem SPIEGEL.

Der Salafismus gilt nach Angaben von Sicherheitsbehörden als die derzeit dynamischste islamistische Bewegung in Deutschland und in anderen Ländern. Die Vereinigungen werden seit längerem aufmerksam beobachtet, weil sie zum Kampf gegen andere Religionen aufrufen, demokratische und rechtstaatliche Ordnungen ablehnen und teils bei der Radikalisierung von Attentätern eine Rolle spielen sollen. Salafisten waren zuletzt auch durch gewaltsame Ausschreitungen bei Demonstrationen aufgefallen - bei Protesten in NRW waren im Frühjahr zahlreiche Polizisten verletzt worden.

anr/AFP/dapd

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