Verfassungsschutz Dienst im Kriechgang

Hans-Georg Maaßen will das Bundesamt für Verfassungsschutz modernisieren. Doch die Reform lahmt. Der Geheimdienst trägt schwer an seinen Altlasten - und auch an den Fehlern seines Präsidenten. Von Jörg Diehl

Hans-Georg Maaßen
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Hans-Georg Maaßen


Die Mitteilung, die das Bundesinnenministerium am Mittwochmorgen verschickte, war knapp gehalten und füllte noch nicht einmal zwei Seiten. Die Botschaft fiel ungünstig für die Hüter der inneren Sicherheit aus. Denn einmal mehr hatte ein Sonderermittler "Schwachstellen und Defizite in der Ablauforganisation" des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) ausgemacht. Es müssten dringend Dienstvorschriften in der für Rechtsextremismus zuständigen Abteilung 2 verschärft, die interne Aufsicht gestärkt und Regelungen für den Umgang mit Telefonen und Datenträgern geschaffen werden, hieß es. Im Klartext bedeutet das wohl: Das unprofessionelle Gewurschtel von V-Mann-Führern, wie es sich im Fall des Spitzels "Corelli" gezeigt hatte, muss endlich aufhören.

Vorausgegangen war der Rüge eben jene Pannenserie im Fall des ehemaligen Verfassungsschutz-V-Mannes Thomas R. alias "Corelli". Der zuckerkranke Spitzel war 2014 überraschend gestorben, sein Tod wird inzwischen neu untersucht.

In der Folgezeit entdeckte das BfV in den Untiefen seiner Zentrale in Köln-Chorweiler immer wieder neue Asservate zu "Corelli", die es sodann kleinlaut den Ermittlern übergeben musste: Mal war es eine ominöse Propaganda-CD, die wieder auftauchte, mal ein Handy und schließlich fanden sich noch Sim-Karten, die der langjährige V-Mann-Führer des Informanten in einem Ordner mit Rechnungen versteckt hatte. Die Opposition sprach von "Chaos" im Amt und forderte den Rücktritt des BfV-Präsidenten Hans-Georg Maaßen. Der wiederum "explodierte gegenüber diesen Mitarbeitern", wie er später in einem Interview offenbarte. Die Eruption des Rheinländers verdeutlicht, wie viel beim deutschen Inlandsnachrichtendiensts im Argen liegt, wie schwer die Altlasten des BfV wiegen.

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Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen vor seiner Vernehmung beim ersten NSA-Untersuchungsausschuss
DPA

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Das Bundesamt für den Verfassungsschutz in Köln
DPA

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insgesamt 3 Beiträge
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wibo2 06.07.2016
1. Noch ein Quereinsteiger aus der Politik erwünscht als neuer VS Chef?
"Hans-Georg Maaßen will das Bundesamt für Verfassungsschutz modernisieren. Doch die Reform lahmt. Der Geheimdienst trägt schwer an seinen Altlasten - und auch an den Fehlern seines Präsidenten." (SPON) Fehler machen ist menschlich. Ein Gebilde, das aus kleinen getrennten geheimen Zellen wie der VS besteht, ist schwer zu kontrollieren. Noch ein Quereinsteiger aus der Politik erwünscht als neuer VS Chef? Mit SPD Parteibuch? Die SPD will stets ihre Macht ausdehnen durch Personalpolitik. Aber es gibt Positionen wo Erfahrung und Fachkönnen unverzichtbar ist. Die sich nicht für Lerner und Azubis eignen, wo Könner und Meister ihres Fachs gefragt sind. Eine totalitäre Demokratie ist schwer zu entlarven, da sie sich an den Grundbegriffen der Demokratie orientiert. Sie hält sich für eine Demokratie! Sie nennt sich "Demokratie". Das Vokabular der Totalitären Demokratie ist identisch mit dem Vokabular der Demokratie! Aber die Gewaltenteilung soll ausgehebelt werden durch Personalpolitik. Wie jetzt beim BND schon geschehen. Das lehne ich ab.
denkdochmal 06.07.2016
2. So soll es sein!
Alle Dienste dieser Art in Deutschland werden voll demokratisiert und "transpiriert" - d.h voll transparent gemacht. Dienstpläne werden per Volksabstimmung entschieden und in den "a-" sozialen Netzen bekannt gegeben. Ziel, Art (keine Gewalt, keine Hinterlist!) und Umfang der Maßnahme sowie deren Abschlußergebnisse gibt es dann wiederum in den Netzen und der Presse. Regierungen und Dienste anderer Länder sind herzlich eingeladen, daran zu partizipieren. Auf Ergebnisse aus anderen Ländern wird generell verzichtet, weil man den Wahrheitsgehalt und das Zustandekommen der "Erkenntnisse" natürlich nicht kennt (Die lügen ja doch nur!) Dann man los! Man wird uns beneiden! ;-)
Etwaart Snoden 07.07.2016
3. SpiegelPlus Umfrage
Dies ist nun nicht direkt zum Thema dieses Artikels. Bei fast allen Spiegel Plus Artikeln wird man auf die Umfrage: 'Spiegel Plus Ihre Meinung ist gefragt' gelenkt. Hier steht dann: 'Die erhobenen Daten werden vor der Auswertung vollständig anonymisiert.' In einer google Umfrage? Hier wird mit Sicherheit gar nichts anonymisiert, in den AGB von google steht dann auch drin dass die (fast) alles mit meinen Daten machen dürfen. Ist das jetzt Absicht von Spon oder einfach nur Unwissenheit? Beides Schlimm.
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