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24. Februar 2013, 13:56 Uhr

Zeitungsbericht

Verfassungsschutz zahlte V-Mann 180.000 Euro

Lange weigerte sich der Verfassungsschutz Auskünfte über seinen V-Mann Thomas R. alias "Corelli" zu geben. Er spionierte jahrelang in der Neonazi-Szene für die Behörde. Seinen Einsatz ließ sich der Mann gut bezahlen: Er kassierte nach einem Zeitungsbericht 180.000 Euro.

Berlin/Köln - Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat einem V-Mann aus dem NSU-Umfeld rund 180.000 Euro Honorar gezahlt. Das berichtet die "Bild am Sonntag". Die Zeitung beruft sich auf Verfassungsschutz-Akten, die dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages zugingen. Nach Angaben des Blattes handelt es sich um die bisher größte bekanntgewordene Summe für einen V-Mann.

Bei dem V-Mann handelt es sich Thomas R., Deckname "Corelli". Er soll jahrelang für den Verfassungsschutz in der rechtsextremen Szene gespitzelt haben. Sein Name fand sich in einem Adressbuch des Rechtsterroristen und NSU-Mitglieds Uwe Mundlos. Nach Informationen der "Bild am Sonntag" wurde "Corelli" erst im November 2012 vom Geheimdienst abgeschaltet und in einem Zeugenschutzprogramm untergebracht. Seither lebe er mit neuer Identität in England.

Der V-Mann spionierte dem Blatt zufolge 18 Jahre lang für den Verfassungsschutz in der rechtsextremistischen Musik-Szene, berichtete aber auch über den deutschen Ableger des Ku-Klux-Klan. Er sei auch zum einem Treffen des rassistischen Geheimbunds in die USA eingeladen wurde. Die Reisekosten habe der Verfassungsschutz gezahlt.

Um die Jahrtausendwende war Thomas R. einer der führenden Köpfe in der rechten Szene Sachsen-Anhalts. Er war Herausgeber der Zeitung "Nationaler Beobachter" und betrieb zahlreiche Internetseiten mit rechtsextremer Hetze.

Der Verfassungsschutz äußerte sich am Sonntag nicht zu "Corelli". Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums erklärte, der Vorgang betreffe das operative Geschäft des Verfassungsschutzes. Das Ministerium könne ihn daher nicht kommentieren.

Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums im Bundestag, Thomas Oppermann (SPD), hält die Höhe der Honorare und die Dauer des V-Mann-Einsatzes für "hochproblematisch". "Der zuständige Innenminister Hans-Peter Friedrich muss erklären, wieso "Corelli" so viel Geld kassierte. Niemand darf allein von seiner Tätigkeit als V-Mann leben."

Die Linke-Politikerin Petra Pau forderte, die V-Mann-Praxis zu beenden. "100-000 Euro und mehr für V-Leute sind keine Seltenheit", so Pau. Sie verwies auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage ihrer Partei.

heb/dpa

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