Verfassungsschutz Terrorverdächtiger schon 1999 erfolglos observiert

Bereits zweieinhalb Jahre vor dem 11. September hat der Verfassungsschutz den Terrorverdächtigen Mohammad Haydar Zammar observiert. Ein Treffen mit dem WTC-Attentäter Atta belauschten die Beamten, ohne daraus Schlüsse zu ziehen.


Mohammed Haydar Zammar auf einer Aufnahme aus Hamburg: Verdächtige sprachen sich nur mit Vornamen an
AP

Mohammed Haydar Zammar auf einer Aufnahme aus Hamburg: Verdächtige sprachen sich nur mit Vornamen an

Hamburg/Köln - Zammar traf sich am 17. Februar 1999 in der später als Terror-WG bekannt gewordenen Wohnung in der Marienstraße 54 in Hamburg-Harburg mit Mohammed Atta und zwei seiner wichtigsten Helfer. Hierbei habe es sich um die inzwischen per Haftbefehl gesuchten Said Bahaji und Ramzi Binalshibh gehandelt. Zammars Telefon sei damals angezapft worden, weil er als Kontaktmann des zuvor in Deutschland verhafteten mutmaßlichen Bin-Laden-Finanzchefs Mamduh Mahmud Salim festgestellt worden sei.

Das damals aufgezeichnete Gespräch sei zu den Akten gelegt worden, weil es als nicht sonderlich aufschlussreich gegolten habe. Zudem seien Zammars Treffpartner in dem Telefonat nur mit Vornamen genannt worden. Atta sei beispielsweise nur Mohammed genannt worden. Erst nach dem 11. September sei es den deutschen Behörden gelungen, die Teilnehmer der damaligen Runde zu identifizieren.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz erklärte, mögliche Einsätze mit nachrichtendienstlichen Mittel oder auch Erkenntnisse aus solchen Einsätzen würden aus grundsätzlichen Erwägungen nicht kommentiert.

Zammar soll sich nach einem Bericht des ZDF bereits seit Monaten in Haft befinden. Danach reiste Zammar bereits im Oktober 2001 nach Marokko aus, wo er verhaftet und nach mehreren Verhören nach Syrien überstellt worden sei. Zammar soll die Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta für das Terrornetz al-Qaida rekrutiert haben.



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