Überwachung mit stillen SMS Verfassungsschutz weitet heimliche Handy-Ortung aus

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat die umstrittene heimliche Ortung von Mobiltelefonen 2014 erheblich verstärkt. Hintergrund ist laut SPIEGEL die steigende Zahl von Dschihad-Reisenden.

Mobiltelefon: Verfassungsschützer schicken unbemerkt Kurznachrichten, um Bewegungsprofile erstellen zu können
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Mobiltelefon: Verfassungsschützer schicken unbemerkt Kurznachrichten, um Bewegungsprofile erstellen zu können


Hamburg/Berlin - Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat eine umstrittene digitale Überwachungstechnik massiv ausgeweitet. Im zweiten Halbjahr 2014 versendete der deutsche Inlandsgeheimdienst rund 142.000 sogenannte stille SMS an die Mobiltelefone von Verdächtigen, wie der SPIEGEL berichtet. Während das Bundeskriminalamt (27.000) und die Bundespolizei (39.000) derartige Aktivitäten zurückfuhren, hat der Verfassungsschutz fast dreimal häufiger Handys heimlich geortet als in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Die Ausweitung steht offenbar in Zusammenhang mit der stetig wachsenden Zahl von Dschihad-Reisenden nach und aus Syrien und Irak. Mithilfe stiller SMS können Sicherheitsbehörden Mobiltelefone teils bis auf wenige Hundert Meter genau orten. Die Nachricht wird auf dem Display des Empfängers nicht angezeigt, sein Telefon bestätigt jedoch unbemerkt den Eingang der Nachricht.

Die Methode ist unter Datenschützern umstritten. So können etwa durch eine permanente Ortung Bewegungsprofile von Handynutzern erstellt werden. Die Linken-Abgeordneten Jan Korte und Andrej Hunko, auf deren Anfrage die Bundesregierung die aktuellen Zahlen mitteilte, bezweifeln, dass es dafür eine Rechtsgrundlage gibt: "Die Spitzelei der Geheimdienste höhlt das Vertrauen in die digitale Privatsphäre aus."

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insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
flaggschiff 27.02.2015
1. Gut so
ich verzichte liebend gern auf Datenschutz und hab dafür mehr Sicherheit
obstroc 27.02.2015
2.
Sofern es einen strafrechtlich relevanten Grund dafür gibt, ok dann sollte dies belegt und erlaubt sein. Allerdings darf es nicht sein, dass dies ausgehebelt werden kann, womöglich jeder Bürger unter Generalverdacht steht. Wenn diese technischen Möglichkeiten doch wirklich nur genutzt werden würden, um Schaden abzuwenden. Leider gibts aber null Grund dafür darauf zu vertrauen. Wann wurden solche Maßnahmen zuletzt genutzt um kriminelle Strukturen im Land zu zerschlagen? Gibt es eine sinnvolle Regelung dafür, oder überlässt man die Handhabung Inn- und ausländischen Geheimdiensten? Kommen unsere Gerichte und die Politiker bei dieser Entwicklung überhaupt noch hinterher, wissen sie was da passiert und was zu welchem Zweck angewendet wird? Wohin führt die Ignoranz unserer Regierungskoalition? Und das sind längst nicht alle offenen Fragen... . Es wird sich lohnen, darauf ein Auge zu haben..
Badischer Revoluzzer 27.02.2015
3. Handy/Smart Phone führe
ich nur noch mit, wenn ich es für zwingend nötig halte. Wenn ich nicht permanent erreichbar bin, geht das Leben trotzdem weiter. Es klingt zwar für viele unglaublich, ist aber tatsächlich so.
hermann_huber 27.02.2015
4. Süß die Linken.
So prima ich die auch in manchen Themen finde so doof woanders. Vor allen Dingen in Neuland. Zitat: Die Spitzelei der Geheimdienste höhlt das Vertrauen in die digitale Privatsphäre aus.-- Zitat Ende. Jau, das denkt der Dschihadist auch genauso. Schränken wir die Möglichkeit unserer Sicherheitsbehörden soweit ein wie es nur geht. Dann tun die auch nix...
rolandjulius 27.02.2015
5. Die unverbesserlichen Geheimdienste.
Das amerikanische Modell der Bespitzelung lässt grüssen. So ein Handy kann sich doch jeder in die Tasche stecken, auch meine Neffen und Enkelkinder. Mit diesen blödsinnigen Ideen bleibt die Aufklärungsrate unterm Schnitt, und die Ganoven lachen sich ins Fäustchen.
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