Proteste gegen den IS Verfassungsschutz warnt vor Eskalation auf deutschen Straßen

Hooligan-Krawalle in Köln, Straßenschlachten in Hamburg - die Sorge bei den Behörden wächst: Laut Verfassungsschutz könnten sich die Konflikte in deutschen Städten noch weiter aufschaukeln.

Krawalle am Kölner Hauptbahnhof (am Sonntag): Warnung der Behörden
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Krawalle am Kölner Hauptbahnhof (am Sonntag): Warnung der Behörden


Berlin - Die Bilder der prügelnden Hooligan-Horden in der Kölner Innenstadt haben viele Menschen aufgeschreckt. Nach Ansicht der Behörden könnten jedoch noch weitere Ausschreitungen bevorstehen. Der Verfassungsschutz warnt auch angesichts der Ereignisse von Köln vor einer Eskalation der Gewalt.

"Es besteht Anlass zur Sorge, dass sich die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Extremisten auf unseren Straßen weiter aufschaukeln", sagte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, in Berlin.

Anfang Oktober waren in Hamburg die Proteste von Kurden gegen das Vorrücken der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien und im Irak - und gegen die mangelnde Hilfe aus dem Westen - ebenfalls eskaliert. Gewaltbereite mutmaßliche Unterstützer von Islamistengruppen hatten sich nach der Kurden-Demo mit den Protestteilnehmern geprügelt. Es gab zahlreiche Verletzte.

"Der Konflikt in Syrien und im Irak spiegelt sich auch in Deutschland wider", so Maaßen weiter. Derzeit würden sich unter anderem in Deutschland lebende und besonders gewaltbereite Tschetschenen verstärkt dem Salafismus zuwenden. Mit der weiterhin stark zunehmenden Zahl von Salafisten in Deutschland erhöhe sich auch das Rekrutierungspotenzial für den Dschihad.

Bei der Demonstration tausender Fußball-Hooligans gegen Salafisten hatte es in Köln massive Ausschreitungen gegeben. Am Sonntagnachmittag versammelten sich Teilnehmer aus ganz Deutschland und marschierten durch die Innenstadt. Wie ein Polizeisprecher bestätigte, wurden aus dem Protestzug heraus Flaschen auf Polizisten geworfen und Brandsätze gezündet. Die Beamten hätten Wasserwerfer, Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt. 49 Polizisten wurden verletzt.

Die Demonstration wurde trotz der Zwischenfälle nicht abgebrochen. Bereits Ende September hatten Hooligans in Dortmund gegen den islamistischen Prediger Pierre Vogel protestiert.

Schnelle Reaktionen werden gefordert

Nach der Eskalation mahnen Politiker sowie die Polizei zu einer Reaktion. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sprach in der "Passauer Neuen Presse" vom Dienstag von einer "neuen Herausforderung" für die Beamten und forderte mehr Geld und eine bessere Ausrüstung.

Wendt sagte, dieser neuen "gefährlichen Mischung" aus "Hooligans, Rockern und Neonazis" müsse entschlossen mit den Mitteln des Rechtsstaats begegnet werden. Die Gruppen agierten unter dem Vorwand, gegen die Extremisten des "Islamischer Staats" vorgehen zu wollen.

Jörg Ziercke, Chef des Bundeskriminalants (BKS), forderte ein hartes Durchgreifen gegen die Schuldigen: Es gelte, die Rädelsführer aus dem Verkehr zu ziehen und einer "raschen Aburteilung" zuzuführen, so der scheidende BKA-Präsident. Mit Blick auf die Hooligans sagte er: "Die wollen ja keine Politik machen, die wollen Randale auf die Straße bringen - und da kann es nur null Toleranz geben."

jok/dpa

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