Verfassungsschutzbericht Radikale Gewalt schockiert Polizei

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4. Teil: Islamistischer Terror: "Im Fadenkreuz"


"Unser Land steht mehr denn je im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus", erklärte Schäuble am Dienstag. Nur mit Glück und dank der guten Arbeit der Sicherheitsbehörden sei die Bundesrepublik bisher einem Anschlag entgangen. Deutschland gehöre für die "Mudschahidin" zum Lager der "Kreuzzügler", zu den Helfern der USA und Israels.

Fritz Gelowicz, Angeklagter im "Sauerland-Prozess": "Reale Gefahr für Deutschland"
DDP

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"Insbesondere das deutsche Engagement in Afghanistan ist verstärkt in den Fokus islamistischer Terroristen gerückt", schreiben die Verfassungsschützer. Zuletzt hatte es am Hindukusch immer wieder Angriffe auf Bundeswehrtruppen gegeben. Eine "neue Qualität" sieht Geheimdienstchef Fromm in der Häufung von Internet-Videos, in denen Islamisten explizit der Bundesrepublik drohen. Im Januar dieses Jahres war erstmals ein Qaida-Video in deutscher Sprache aufgetaucht.

Eine besondere Gefahr, so glauben die Behörden, geht von Männern aus, die der zweiten Einwanderergeneration angehören, in Deutschland aufgewachsen sind und sich radikalisiert haben. Hier registrierten die Geheimdienste zuletzt eine rege Reisetätigkeit ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet, wo sich junge Islamisten im Terror-Handwerk ausbilden ließen. "Deshalb sind terroristische Ausbildungslager eine reale Gefahr für Deutschland", sagte Schäuble. Er drängte darauf, den Gesetzentwurf, der eine derartige Ausbildung unter Strafe stellt, bald zu verabschieden.

Das Potential der 29 bundesweit agierenden islamistischen Organisationen gibt der Verfassungsschutzbericht mit 34.720 Personen an, 1550 mehr als im Vorjahr. 28.580 gehören zu türkischen Gruppierungen, darunter die "Islamische Gemeinschaft Milli Görüs" mit 27.500 Mitgliedern. Die größte Organisation aus dem arabischen Raum ist die "Muslimbruderschaft" mit 1300 Anhängern.



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