Verseuchtes Lager Niedersachsen übersah Hinweis auf Atommüll-Chaos in Asse

Schon vor zweieinhalb Jahren wusste Niedersachsens Umweltministerium einem Zeitungsbericht zufolge von den skandalösen Zuständen im Atommülllager Asse. Doch es übersah die Hinweise offenbar. Jetzt geht Bundesumweltminister Gabriel in die Offensive - und will bis Jahresende eine Entscheidung.


Osnabrück - Das niedersächsische Umweltministerium hat schon 2006 Hinweise über radioaktiv verseuchte Lauge im Atommülllager Asse erhalten - und nicht beachtet. Das geht nach Angaben der "Neuen Osnabrücker Zeitung" aus dem jetzt vorgelegten Statusbericht der Behörde hervor. Das Ministerium habe seinerzeit von der damaligen Betreibergesellschaft GSF als Vorgängerin des Helmholtz-Zentrums München einen Bericht für das erste Quartal 2006 erhalten. In der Dokumentation werde die "Einleitung von kontaminierten betrieblichen Lösungen" aus der 750-Meter-Sohle in den Tiefenaufschluss des Bergwerks geschildert.

Mit der Vorlage dieses Berichts, so heißt es weiter, "hatte das NMU (Niedersächsisches Ministerium für Umwelt) erstmals die Möglichkeit der Kenntnisnahme vom Vorhandensein kontaminierter Betriebslösungen und deren Einleitung in den Tiefenausschluss. Dieser Sachverhalt blieb im NMU jedoch unbemerkt".

In dem einsturzgefährdeten Salzbergwerk lagern 126.000 Fässer schwach- und mittelradioaktiver Müll. Seit Jahrzehnten strömt Wasser ein, und es sammeln sich inzwischen unter Tage verstrahlte Laugen.

Das Bundesumweltministerium will nach einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks (NDR) bis Ende des Jahres eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Atommülllagers treffen. Ein Gutachten zur Sicherheit des Lagers in Niedersachsen werde im Oktober vorliegen, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) dem Sender NDR Info. "Die zentrale Frage ist hierbei: Gelingt es, den Bergwerksstollen mit Hilfe technischer Baumaßnahmen über das Jahr 2015 hinaus abzusichern?" Dies sei "die Voraussetzung dafür, dass der Atommüll aus dem Schacht geborgen werden kann". Möglicherweise würden die Fässer aber auch in dem ehemaligen Salzbergwerk verbleiben.

Im Zusammenhang mit den Asse-Pannen seien mindestens zwei Disziplinarverfahren eingeleitet worden, berichtete die "Hannoversche Allgemeine Zeitung". Das erste richte sich gegen den Leiter des zuständigen Bergamts, das zweite gegen einen Referenten, der unmittelbar mit der Aufsicht über die Atommülldeponie befasst war. Beide hätten schon lange von den akuten Sicherheitsproblemen gewusst, die vorgesetzten Beamten in der Landesregierung aber nicht angemessen auf die Gefahren hingewiesen.

als/AFP/ddp/dpa

Forum - Wohin mit dem Atommüll?
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tempus fugit 26.06.2008
1. ...keine produzieren
Zitat von sysopNeuerdings wird der Atomausstieg immer häufiger in Frage gestellt, weil er den Klimaschutzzielen im Wege stehe. Doch ein ganz anderes Problem ist die Entsorgung der atomaren Abfälle. Nun sind erneut Probleme im Atommüllager Asse II aufgetreten. Wie soll mit der strahlenden Fracht umgegangen werden?
...keine produzieren = Ausstieg aus der Sch.... so schnell wie möglich, die Alternativen sind da.
anbue 26.06.2008
2.
So ein paar Milliarden für die Sanierung der ein oder anderen Landesbank waren doch kurzfristig aufzutreiben. Da sollte man jetzt bei der Asse nicht so knauserig sein. Man kann es ja wieder als "Forschung" deklarieren: Wie saniert man ein abgesoffenes Endlager. 1000 Jahre dauern in Deutschland 12, die Ewigkeit 40 Jahre - daran braucht man nicht mehr rumzuforschen.
Realo, 26.06.2008
3. Atomenergie....
.....ist ja soooooo billig - Harharhar ! Jetzt ist genau das eingetreten, was wir in den 60igern, 70igern und 80igern mit unserem Protest verhindern wollten. ATOMKRAFT - NEIN DANKE ! Wenn mir jetzt wieder Blödmänner ins Gesicht sagen: "Atomkraft ist billig und ohne Risiko" kann ich nur lachen ! - Folgekosten für die nächsten 1 Mio. Jahre - Nicht beherrschbare Technik Ich bin wirklich froh und dankbar, dass die Lagerprobleme jetzt an Tageslicht kommen, bevor weiter über verlängerte Restlaufzeiten und sogar über den Neubau von AKWs diskutiert wird. Kernenergie ist /war und wird es auch NIEMALS sein, eine von Menschen zu beherrschende Energieversorgung. Das sind die Fakts, alles andere ist eine Lüge ! Liebe Grüsse Realo AKW - nee!
computerkid 26.06.2008
4. Alles Koscher ?
Es ist schon interessant, wie man jetzt darum bemüht ist, den Inhalt von Asse II 'unter den Teppich' zu kehren. Hat sich schon einmal jemand Gedanken gemacht, was die BRD im Kalten Krieg eigentlich so alles in den 'Forschungsreaktoren' getrieben hat ? Vielleicht war das ja ein kleines Atomwaffenprogramm...
descartes101, 26.06.2008
5. So eine Überraschung...!
Zitat von anbueSo ein paar Milliarden für die Sanierung der ein oder anderen Landesbank waren doch kurzfristig aufzutreiben. Da sollte man jetzt bei der Asse nicht so knauserig sein. Man kann es ja wieder als "Forschung" deklarieren: Wie saniert man ein abgesoffenes Endlager. 1000 Jahre dauern in Deutschland 12, die Ewigkeit 40 Jahre - daran braucht man nicht mehr rumzuforschen.
Wer nach diesem Artikel noch den Ausbau der Kernkraft verlangt, der kann nicht ganz dicht sein. Noch viel undichter ist jemand, der auch nur für einen Moment glaubt, dass dies die einzige Leiche im Keller der Kernkraftindustrie und ihrer politischen Handlanger sei. So viel also zum Märchen von der billigen, sauberen Kernenergie. Es soll ja Leute geben, die es von Anfang an gewusst haben. Aber die werden ja auf breiter Fläche als fortschritts- und wirtschaftsfeindliche Traumtänzer abgetan. Die Lösung unseres Energieproblems ist nicht, mehr zu produzieren. Die einzige sinnvolle Lösung ist, sehr viel weniger und effizienter zu verbrauchen, und auch weniger zu produzieren, damit die tatsächlich sehr stark begrenzten Rohstoffe noch wenigstens über die nächsten 50 Jahre reichen. Erst wenn der gesamte Energiebedarf über Solarenergie gedeckt werden kann, dann können wir (zumindest auf diesem Problem) vorsichtig aufatmen. Natürlich ist unser heutiger Bedarf nicht über Solarenergie zu decken. Einige werden ihre Gewohnheiten ziemlich umstellen müssen, egal, was sie sich und anderen einzureden versuchen. Auf die Lügen von Politik und Industrie geben sowieso nur Vollidioten etwas. Lest den Artikel. q.e.d.
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