Verstorbener Altkanzler Anwalt bekräftigt Stiftungspläne für Kohl-Nachlass

Bilder, Aufzeichnungen, Briefe: Was passiert mit dem privaten Nachlass des verstorbenen Kanzlers Helmut Kohl? Der Anwalt der Witwe spricht sich für die Überführung in eine Stiftung aus.

Helmut Kohl und Maike Kohl-Richter
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Helmut Kohl und Maike Kohl-Richter


Es sind historische Dokumente, die noch unbekannte Seiten des einstigen Kanzlers offenbaren könnten: Für den Nachlass von Helmut Kohl wird nach Angaben des Anwalts Stephan Holthoff-Pförtner eine eigene Stiftung gegründet. Näheres dazu werde aber vor der Beerdigung des Altkanzlers nicht mitgeteilt. Kohl war vergangenen Freitag im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim gestorben.

Wie der Prozess genau gestaltet werde, sei noch nicht klar, sagte Holthoff-Pförtner dem Magazin "Focus", das am 24. Juni erscheint. "Vor der Beisetzung werde ich die Frage, wie die Stiftung gestaltet wird, nicht diskutieren. Aber es ist völlig klar, dass sie kommen wird", sagte der Anwalt von Kohls Witwe, Maike Kohl-Richter.

"Als ich 2014 auf Bitten Helmut Kohls in die Sendung mit Günther Jauch gegangen bin, war klar, dass ich dort erläuterte, dass es eine Stiftung geben wird, die das geistige und politische Erbe Kohls betreuen soll", sagte Holthoff-Pförtner. Kohl-Richter vertrete die Auffassung, dass der Nachlass in Historikerhände gehöre.

Helmut Kohl hatte nach seiner Abwahl als Bundeskanzler 1998 der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung einen Transporter voller Handakten für ihr Archiv in Sankt Augustin bei Bonn zukommen - aber 2010 wieder abholen lassen.

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Helmut Kohl: Der ewige Kanzler

Die Frage des Nachlasses ist kompliziert, schließlich berührt sie auch die komplexe Familiengeschichte Kohls: Mit seinen Söhnen Peter und Walter aus der ersten Ehe mit Hannelore Kohl hatte er seit Jahren keinen Kontakt mehr, nachdem er 2008 die 34 Jahre jüngere Maike Kohl-Richter heiratete. Die frühere Referentin im Kanzleramt, Jahrgang 1964, gilt seitdem als Nachlassverwalterin seines Erbes. Ohne ihre Zustimmung dürfte es schwierig werden, die Dokumente einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Nun auch Gedenkgottesdienst in Berlin geplant

Derweil wurde der Sarg des früheren Kanzlers aus dem Haus in Ludwigshafen abgeholt. Sieben schwarz gekleidete Männer und eine Frau trugen ihn vom Eingang des Bungalows im Stadtteil Oggersheim zu einem Leichenwagen, der auf der Straße parkte. Wohin der Sarg dann gebracht wurde, war zunächst unklar. Kohl war zu Hause aufgebahrt worden.

SPIEGEL BIOGRAFIE 3/2017

Inzwischen zeichnete sich ab, dass es auch in Berlin einen Gedenkgottesdienst für den Kohl geben soll. Auf Initiative von Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) - und in Abstimmung mit Kohls Witwe - wird am Dienstagfrüh in der Berliner Hedwigskathedrale eine Totenmesse gehalten. Bislang war eine Abschiedszeremonie einschließlich Requiem nur in Speyer geplant, wo Kohl am Samstag kommender Woche beigesetzt werden soll. Für diesen Tag ist auch ein europäischer Trauerakt geplant.

mho/dpa



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