Rüstungsprojekt: EADS-Kampfdrohnen sollen 2016 lieferbar sein

Die Entwicklung bewaffneter Kampfdrohnen für die Bundeswehr ist offenbar deutlich weiter gediehen als bisher gedacht. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, beruht das geplante Modell auf einer Studie des Rüstungskonzerns EADS aus dem Jahr 2010. Erste Testflüge wurden bereits absolviert.

EADS: Der europäische Rüstungskonzern entwickelt seit 2010 an der Bundeswehr-Drohne Zur Großansicht
dapd

EADS: Der europäische Rüstungskonzern entwickelt seit 2010 an der Bundeswehr-Drohne

Berlin/Hamburg - Das deutsche Programm zur Entwicklung bewaffneter Drohnen ist offenbar schon deutlich weiter fortgeschritten als bisher bekannt. Das geht aus vertraulichen Unterlagen des Luftfahrtkonzerns EADS hervor, die der "Bild"-Zeitung vorliegen. In der Studie vom Juli 2010 wird detailliert das Drohnenprogramm "Talarion" beschrieben. Nach Informationen des Blatts wurde die Präsentation für Rüstungsexperten des Verteidigungsministeriums erstellt. Dafür, so heißt es in dem Dokument, "wurden erhebliche Forschungsmittel des Verteidigungsministeriums für unbemannte Luftfahrzeugsysteme eingesetzt." EADS selbst habe für die Entwicklung "bereits mehr als 200 Millionen Euro ausgegeben."

Der Konzern argumentierte in der Studie gegenüber den potentiellen Auftraggebern: "USA, Frankreich und Israel versuchen, die Systemdominanz im Segment der unbemannten Luftfahrzeugsysteme zu erzielen. Das kann nicht im europäischen Interesse sein."

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat seine Unterstützung für den Einsatz bewaffneter Drohnen durch die Bundeswehr erneut bekräftigt. Auf Dauer sei die Regierung daran interessiert, "zusammen mit Frankreich eigene Drohnen zu entwickeln", sagte er der "Bild"-Zeitung vom Samstag, und diese könnten "selbstverständlich auch bewaffnet sein. (...) Unbemannte, bewaffnete Luftfahrzeuge unterscheiden sich in der Wirkung nicht von bemannten", sagte de Maizière. "Immer entscheidet ein Mensch, eine Rakete abzuschießen."

"Talarion" war ursprünglich offenbar als reine Aufklärungsdrohne entwickelt worden, Testflüge hat es dem Bericht zufolge bereits im kanadischen Goose Bay gegeben. Das System kann angeblich für eine Bewaffnung umgerüstet werden. Aus dem EADS-Papier soll hervorgehen, dass die unbemannten Flugkörper in bewaffneter Form ab 2016 ausgeliefert werden könnten. Eine Skizze in der Studie beschreibt laut "Bild", dass "Talarion" dann mit zwei lasergesteuerten Bomben vom Typ GBU-38 oder vier Bomben vom Typ GBU-39 ausgestattet sein könnten. Dazu kämen Radar und hochauflösende Kameras.

Erst am Freitag hatte sich die EADS-Tochter Cassidian zu einer weiteren Möglichkeit geäußert, wie man die Bundeswehr mit bewaffneten Drohnen ausrüsten könne. Gegenüber SPIEGEL ONLINE gab ein Sprecher des Unternehmens an, die Firma sei auch in der Lage, die bereits eingesetzten Heron-Drohnen binnen "sechs bis zwölf Monaten" zu einer bewaffneten Version umzurüsten.

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), sagte den "Ruhr Nachrichten" vom Samstag, die Bundeswehrsoldaten müssten sich "in ihrer Lagebeurteilung sicher sein" sowie zu ihrem "eigenen Schutz unmittelbar reagieren können". Kampfdrohnen böten dabei gegenüber Aufklärungsdrohnen einen Vorteil. Es gehe aber nicht darum, "gezielte Tötungen zu ermöglichen".

Auch der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, sagte dem Sender SWR, Deutschland dürfe sich sinnvollen Technologien nicht verschließen. Oberstes Ziel müsse es sein, die Gefährdung der Soldaten "so gering wie möglich" zu halten. Bislang setzt die Bundeswehr unbemannte Aufklärungsdrohnen ein, der Leasing-Vertrag läuft aber 2014 aus.

Der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour warnte die Regierung vor einer "leichtfertigen" Entscheidung zur Beschaffung von Kampfdrohnen. Es sei "denkbar, dass die Hemmschwelle zu töten und zur Kriegsführung gesenkt wird", sagte Nouripour dem Deutschlandradio Kultur. Die ethische und rechtliche Diskussion stehe hier erst am Anfang. Auch der Grünen-Außenpolitiker Tom Koenigs warnte in der "Freien Presse" vom Samstag, die Bundeswehr könne durch Drohnen in "mehr bewaffnete Konflikte" hineingezogen werden, weil die "Hemmschwelle für den Einsatz tödlicher Waffen" sinke.

Die FDP-Sicherheitspolitikerin Elke Hoff sagte dem Sender HR-Info, zunächst sei eine "klare sicherheitspolitische Begründung" für einen Einsatz der Flugkörper nötig. Erst wenn geklärt sei, was die Bundeswehr mit den Drohnen tun könne und was nicht, sei eine Zustimmung zu deren Anschaffung möglich.

pat/AFP

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insgesamt 20 Beiträge
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1. .
AFH 26.01.2013
Zitat von sysopdapdDie Entwicklung bewaffneter Kampfdrohnen für die Bundeswehr ist offenbar deutlich weiter gediehen als bisher gedacht. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, beruht das geplante Modell auf einer Studie des Rüstungskonzerns EADS aus dem Jahr 2010. Erste Testflüge wurden bereits absolviert. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/verteidigungsministerium-pruefte-kampfdrohnenanschaffung-seit-2010-a-879842.html
Was soll daran schlecht sein? Wenn man Drohnen einsetzt riskieren weniger Soldaten ihr Leben. Und wenn nur eine Drohne vor Ort ist, kann man eine Situation auch länger analysieren, da kein Mensch in akuter Gefahr ist.
2. Bild Recherche
jupiter999 26.01.2013
Bild Recherche mal wieder. Die Drohne heißt immer noch Talarion. MALE ist kein Name sondern ein Obergriff für eine Klasse von Drohnen die in mittlerer Flughöhe fliegen (zwischen 5000 und 15.000 meter) und länger als 24 Stunden in der Luft bleiben können. (M)edium (A)ltitude (L)ong (E)ndurance Der deutsche Euro Hawk und amerikanische Global Hawk dagegen ist beispielsweise eine HALE Drohne und momentan die einzige militärische Drohne dieser Klasse weltweit. (H)igh (A)ltitude (L)ong (E)ndurance GBU-39 und 40 sind außerdem keine Raketen sondern bunkerbrechende Präzisionslenkbomben. Beide Waffen, die sich übrigens nicht im Besitz der Bundeswehr befinden, würden sich für einen Einsatz in Afghanistan sowieso nicht anbieten. Sie sind dafür konzipiert verstärkte Bunkerdecken zu durchschlagen oder unterirdische Ziele zu zerstören.
3. EADS = Verzögerung ohne Ende
steuerzahler24 26.01.2013
Hahaha. EADS liefert 2016? Seit wieviel Jahren liefern die bereits den A400M? Tom Enders wollte zuletzt doch garkeine militärischen Aufträge mehr annehmen, weil die Truppe vor dem Bezahlen testet.
4.
muffley 26.01.2013
leider weist dieser Artikel eine Menge Ungenauigkeiten auf, die das Gesamtverständnis erschweren. Fakt ist, dass Cassidian an einem Entwurf für das "Future European MALE" arbeitet, dieser ist eine Weiterentwicklung des für den "Talarion" entwickelten Konzepts. Allerdings existiert das "Future European MALE" aktuell nur auf dem Papier bzw. im Computer und als nicht flugfähiges Maßstabsmodell. Die im Artikel erwähnten Testflüge in Goose Bay wurden mit dem Technologiedemonstrator "Barracuda" durchgeführt und hatten zum Ziel, Technologien die für das "Future European MALE" benötigt werden zu testen. Dazu gehört die Erfassung und Verfolgung von Bodenzielen sowie die Simulation eines Angriffs auf diese Ziele.
5. Notwendiger Schritt
clausbremen 26.01.2013
Wie üblich melden sich schnell die Bedenkenträger, aber Deutschland MUSS seinen Streitkräften auch zulünftig ALLE modernen Systeme zur Verfügung stellen. Das ist und bleibt eine Selbstverständlichkeit und ist jedenfalls ein notwendiger Schritt. Die Alternativen wären sonst nur Vorderladergewehre und Katapulte. Das will aber niemand.
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Drohnen im Einsatz: Krieg per Mausklick
Die wichtigsten Drohnentypen
"MQ-1 Predator"
Die "MQ-1 Predator" war im Jahr 1995 die erste Drohne, die bei der US-Luftwaffe zum Einsatz kam.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: rund 4.5 Millionen Dollar
Bewaffnung: zwei Luft-Boden-Raketen "AGM-114 Hellfire"
Maße: 8,23 m lang, 14,84 m Flügelspannweite
Reichweite: 3704 km
Flughöhe: max. 7620 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"MQ-9 Reaper"
Die "MQ-9 Reaper"(früher "Predator B") basiert technisch gesehen auf der "MQ-1 Predator". Sie ist aber für den Angriff optimiert, da sie die zehnfache Waffenlast im Vergleich zum Ursprungsmodell befördern kann. Eingesetzt wird sie von der US-Marine und Luftwaffe.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: 10,5 Millionen Dollar
Bewaffnung: bis zu 1361 kg
(z.B. Raketen der Typen "AGM-114 Hellfire" und "AIM-9 Sidewinder" oder Bomben der Typen "GBU-12 Paveway II" und "GBU-38 DAM")
Maße: 10,97 m lang, 20,12 m Flügelspannweite
Reichweite: 5926 km
Flughöhe: max. 15.400 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"RQ-7 Shadow 200"
Die "RQ-7 Shadow 200" dient bei der US Army und dem US Marine Corps zur Aufklärung. Sie ist seit 2003 im Einsatz und kann keine Ziele angreifen.

Hersteller: AAI Corporation
Stückpreis: 275.000 Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 3,4 m lang, 3,9 m Flügelspannweite
Reichweite: 125 km
Flughöhe: max. 4600 m
Steuerung: autonom, mit GPS
"RQ-4 Global Hawk" / "Euro Hawk"
Die "RQ-7 Global Hawk" wird als Langstrecken-Aufklärungsdrohne eingesetzt. Sie existiert in zwei Versionen. Die spätere (RQ-4B) wurde auch von der Bundeswehr als "Euro Hawk" eingeführt, ausgestattet mit Sensoren der deutschen EADS. Die Drohne ist wesentlich größer als "Predator", "Reaper" und "Shadow" und mit einem Strahltriebwerk ausgestattet.

Hersteller: Northrop Grumman
Stückpreis: 35 Millionen Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 13,53 m lang, 35,42 m Flügelspannweite (RQ-4A) bzw. 14,50 m lang, 39,89 m Flügelspannweite (RQ-4B)
Reichweite: 25.000 km (RQ-4A) bzw. 22.780 km (RQ-4B)
Flughöhe: max. 19.800 m
Steuerung: autonom, mit GPS