Vertriebene Bayern will bundesweiten Gedenktag durchsetzen

Bayern führt 2014 einen Gedenktag für Heimatvertriebene ein - und will ihn auf ganz Deutschland ausweiten. Innenminister Friedrich sympathisiert mit der Idee, hält sie aber für nicht durchsetzbar.

Bundesinnenminister Friedrich: "Auf Bundesebene keine Mehrheit für einen solchen Erinnerungstag"
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Bundesinnenminister Friedrich: "Auf Bundesebene keine Mehrheit für einen solchen Erinnerungstag"


Augsburg - Bayern beharrt auf einem bundesweiten Gedenktag für die nach dem Zweiten Weltkrieg Vertriebenen. Dass der Freistaat vom Jahr 2014 solch einen Erinnerungstag einführe, sei auch ein "Signal an den Bund", sagte die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer am Samstag zu Beginn des 64. Sudetendeutschen Tages in Augsburg. Ihr Bundesland werde auch in Zukunft in ganz Deutschland für solch einen Gedenktag werben.

Haderthauers CSU-Parteifreund, Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, machte sich ebenfalls für den Gedenktag stark. Es sei für ihn nicht verständlich, aus Rücksicht auf die Außenpolitik auf solch einen Tag zu verzichten. "An die Wahrheit zu erinnern, ist außenpolitisch wichtig und richtig", betonte Friedrich. Der Politiker schränkte allerdings ein, dass es derzeit auf Bundesebene keine Mehrheit für einen solchen Erinnerungstag gebe.

Ehrung für tschechischen Filmemacher

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer hatte am Mittwoch angekündigt, dass es künftig an jedem zweiten Sonntag im September einen Gedenktag für Vertriebene geben soll. "Bayern verdankt seinen Heimatvertriebenen und Spätaussiedlern viel", so hatte Seehofer die Initiative begründet. Auch Friedrich würdigte am Samstag die Leistung der Vertriebenen unter anderem in der Ehrenamtskultur Nachkriegsdeutschlands. Die Vertriebenen hätten sich nie nur darauf beschränkt, ihre Heimat in der Vergangenheit zu suchen. Sie aufzunehmen, sei daher "ein Akt der Klugheit" gewesen.

Am ersten Tag ihres traditionellen Pfingsttreffens zeichneten die Sudetendeutschen den tschechischen Filmemacher David Vondracek mit ihrem Menschenrechtspreis aus. In seinem Film "Töten auf Tschechisch" hatte der Dokumentarfilmer an das Massaker an Sudetendeutschen nach dem Krieg erinnert. Mit dem Film habe Vondracek "in der Tschechischen Republik eine ebenso emotionale wie überfällige Diskussion um die von Tschechen an Deutschen begangenen Vertreibungsverbrechen losgetreten", sagte der Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Franz Pany.

Die Landsmannschaft hat nach eigenen Angaben rund 220.000 Mitglieder. Höhepunkt des Pfingsttreffens soll am Sonntag die Verleihung des Karls-Preises der Sudetendeutschen an Seehofer werden.

ler/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 101 Beiträge
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Seite 1
axel.hag 18.05.2013
1. Im Prinzip ja,
Aber wieso jetzt erst? Scheinheilog bei der Stimmungslage
blasphemiker 18.05.2013
2.
Zitat von sysopDPABayern führt 2014 einen Gedenktag für Heimatvertriebene ein - und will ihn auf ganz Deutschland ausweiten. Innenminister Friedrich sympathisiert mit der Idee, hält sie aber für nicht durchsetzbar. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/vertriebene-bayern-will-bundesweiten-gedenktag-durchsetzen-a-900675.html
Wozu zur Hölle wird so ein Gedenktag benötigt, außer um revanchistisches Gedankengut zu pflegen. Naja, dass Krausehaar Friedrich dafür ist, verwundert aber nicht. Er ist halt von der nationalfrommen Front.
robert.haube 18.05.2013
3. Wenn schon, dann arbeitsfrei
Gedenktage sind nur wirksam als arbeitsfreie Feiertage. Beim Arbeiten kann man nicht auch noch an Vertriebene denken.
Layer_8 18.05.2013
4. Gedenktag
Zitat von sysopDPABayern führt 2014 einen Gedenktag für Heimatvertriebene ein - und will ihn auf ganz Deutschland ausweiten. Innenminister Friedrich sympathisiert mit der Idee, hält sie aber für nicht durchsetzbar. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/vertriebene-bayern-will-bundesweiten-gedenktag-durchsetzen-a-900675.html
Dann sollten wir erstmal den 1. September als "Gedenktag" einführen, mit allem Pipapo. Danach können wir vielleicht auch über einen Vertriebenengedenktag diskutieren. Ich schlage daher vor, alle Gedenktage abzuschaffen, bis auf einen, den 9. November, der dann ganz besonders der deutschen Geschichte gerecht werden kann.
nawaswohl 18.05.2013
5. Toll
Dann dürfen wir endlich dieses schwarze Bayernpack vetreiben und uns dann einmal jaählich daran erinnern.
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